Hintergrund
Arteriosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankungen - insbesondere die koronare Herzkrankheit - stellen ein wesentlichesGesundheitsproblem für Frauen dar. Unabhängig von diesen Fakten basieren die meisten Forschungsergebnisse auf Studien an Männern.Aufgrund der hohen Morbidität und Mortalität wird primärpräventiven Maßnahmen zur Beeinflussung klassischer kardiovaskulärerRisikofaktoren ein hoher Stellenwert eingeräumt. Eine Schlüsselfunktion hinsichtlich der Entwicklung der koronare Herzkrankheit scheintdem Rauchen, einem ungesunden Lebensstil und insbesondere falschen Ernährungsgewohnheiten zuzukommen. Ziel der CORA-Studie(Coronare Risikofaktoren für Arteriosklerose bei Frauen) war die Bestimmung des Einflusses von Ernährungs- und Lebensstil- abhängigenFaktoren auf das koronare Risiko von Frauen.
Methoden
Im Rahmen eines populationsbezogenen Fall-Kontroll-Designs wurden 200 prä- und postmenopausale Frauen mit inzidenter koronarerHerzkrankheit rekrutiert und dazu 255 gleichaltrige Kontrollpersonen aus denselben Stadtteilen randomisiert. Für die Erhebungen zurErnährung wurde ein selbstausfüllbarer, validierter Fragebogen (Food-Frequency) mit 146 Nahrungsmitteln eingesetzt. WeitereInformationen über klassische Risikofaktoren, Familienanamnese und Medikation wurden mit Hilfe eines Lebensstil-Fragebogens undeines computergestützten Zusatz-Interviews gewonnen. Darüber hinaus erfolgten anthropometrische Messungen, die Bestimmung desBlutdrucks und die Gewinnung von Routinelaborparametern aus einer Nüchternblutprobe. Uni- und multivariate Analysen basierten aufStandardmethoden.
Ergebnisse
Die Fälle berichteten über eine höhere Aufnahme an tierischen Lebensmitteln wie Fleisch und Wurstwaren. Das spiegelt sich in einer höherenZufuhr an Energie, tierischem Fett, Cholesterin und Protein wider. Umgekehrt verzehrten die Kontrollen mehr Gemüse und Obst. Sie trankenmehr Alkohol, insbesondere in Form von Rotwein. Die Frauen der Fallgruppe führten einen ungesünderen Lebensstil charakterisiert durchweniger körperliche Aktivität. Im Vergleich zu den Kontrollen verfügten die Fälle über einen niedrigeren soziodemographischen Status undwaren häufiger Hausfrauen. Die Anteile der Raucher waren in der gesamten Studienpopulation hoch, insbesondere im Alter unter 60 Jahren.Fälle, die rauchten, zeigten schlechtere Ernährungsgewohnheiten und waren häufiger von zusätzlichen klassischen Risikofaktoren betroffen, diedas metabolische Syndrom charakterisieren. Der Taillenumfang und die Waist-to-hip Ratio waren in der Kontrollgruppe niedriger, während derBody-Mass-Index keinen guten Prädiktor darstellte. Unterschieden. Beide Gruppen unterschieden sich deutlich in biochemischen undklinischen Markern. Die Fälle hatten signifikant niedrigere HDL-Cholesterinspiegel und hatten häufiger einen Hypertonus, Diabetes oder eineInsulinresistenz.
Im multivariaten Modell erwies sich die Ernährung - die Aufnahme an Fleisch und Wurstwaren - als eigenständiger Risikofaktor für koronareHerzkrankheit bei Frauen unabhängig von den klassischen Risikofaktoren. Subgruppenanalysen zeigten, dass diese Beobachtung auch fürHochrisikogruppen gilt: Fälle mit wesentlichen kardiovaskulären Risikofaktoren wie Dyslipidämie, Hypertonus, Diabetes, Rauchen,körperlicher Inaktivität oder zentraler Adipositas unterschieden sich von Kontrollen mit vergleichbarem Risikoprofil durch ein ungesünderesVerzehrsmuster.
Schlussfolgerungen
Die Ergebnisse der CORA-Studie weisen darauf hin, dass Bewegungsarmut und insbesondere falsche Ernährungsgewohnheiten das Risiko fürkoronare Herzkrankheit bei Frauen erhöhen. Ein vermehrter Konsum von tierischen Lebensmitteln, weniger Obst und Gemüse und mangelndekörperliche Aktivität sind mit einem höheren Risiko assoziiert. Das daraus entstehende metabolische Syndrom scheint das zentrale Problem zusein. Primärpräventive Maßnahmen durch gesunden Lebensstil und eine vernünftige Ernährung scheinen der Entwicklung der koronareHerzkrankheit und ihrer Folgen entgegenzuwirken, selbst beim Vorliegen klassischer Risikofaktoren.
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