Der klinische Nutzen zytologischer Untersuchungen von bronchoalveolärer Lavageflüssigkeit bei der Differenzierung chronischer Bronchitiden des Pferdes

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Vorberichtliche, klinische, endoskopische und lungenfunktionsanalytische Befunde sichern die sehr häufig zu stellende Diagnose der chronischen Bronchitis /Bronchiolitis. Die Art der entzündlichen Veränderungen lässt sich durch Bestimmung der prozentualen Anteile von Entzündungszellen in der bronchoalveolären Lavageflüssigkeit (BALF) näher charakterisieren und quantifizieren. Im angloamerikanischen Sprachraum wurden die Exazerbation der Recurrent Airway Obstruction (RAO) und die Inflammatory Airway Disease (IAD) u.a. über den Gehalt an neutrophilen Granulozyten (PMN), Mastzellen (MZ) und eosinophilen Granulozyten (Eos) in der BALF symptomatischer Pferde definiert. Da sprachlich der Begriff der RAO jenen der equinen COPD ersetzen soll, ergibt sich die Frage, ob medizinisch fassbare Unterschiede zwischen den Krankheitsbildern bestehen. Während die equine COPD ursprünglich über Nachweis einer Atemwegsobstruktion mittels maximaler Interpleuraldruckdifferenz und/oder arterieller Sauerstoffpartialdrücke definiert wurde, wird das Krankheitsbild der RAO als zwischen klinischer Remission und Exazerbation oszillierend beschrieben. Für die Diagnose der RAO Exazerbation ist neben der hochgradigen Atembeschwerde die Neutrophilie der BALF (über 25%) zwingend. Zur Sicherung einer RAO Diagnose ist definitionsgemäß zu zeigen, dass der Patient beide Extremzustände einnehmen kann. Um festzustellen, inwiefern sich die eigenen Patienten mit chronischen Erkrankungen der tiefen Atemwege anhand ihrer BALF Zytologie weiter als durch die bislang üblichen diagnostischen Verfahren differenzieren lassen, wurden in 5,25 Jahren 170 Pferde mit chronischen Erkrankungen der tiefen Atemwege einer bronchoalveolären Lavage unterzogen. 132 dieser Pferde genügten den Kriterien, mittels derer sie zunächst unter der Verdachtsdiagnose der chronischen Bronchitis zusammengefasst wurden. Bei 50 dieser Patienten erfolgte eine zweite Lavage nach einer stationären Therapie. 10 Pferde konnten nach klinischen, endoskopischen und lungenfunktionsanalytischen Untersuchungen als lungengesunde Kontrolltiere eingestuft werden. Bei 3 der 132 eigenen Patienten half die BALF Zytologie, eine Erkrankung der tiefen Atemwege begründet auszuschließen. 8 Weitere zeigten zwar eine Atemwegsobstruktion, aber keine entzündlichen Veränderungen in der BALF Zytologie. 20 Patienten erfüllten die Kriterien der IAD. Aufgrund einer Eosinophilie der BALF wurde ein Patient diagnostisch gegen Dictyocaulus arnfieldi therapiert. Bei den sonstigen 100 Patienten lagen sowohl obstruktive als auch entzündliche Veränderungen der Atemwege vor. Die für eine RAO Exazerbation geforderten Werte erreichten lediglich 7 Tiere. Der größte Anteil der Patienten (60,6%) zeigte ebenfalls eine von neutrophilen Granulozyten dominierte Entzündungsreaktion. Mittels der BALF-Zytologie wurden zudem 13 Patienten identifiziert (9,9% der 132 Patienten), bei denen ausschließlich die Mastzellen und/oder eosinophilen Granulozyten die für lungengesunde Pferde postulierten Grenzwerte überschritten. In Therapiestudien kam es nach stationärer Aufnahme bei optimierten Haltungs- und Fütterungsbedingungen sowie dem Einsatz von Kortikoiden, β2-Sympathomimetika, Sekretolytika und Hyperinfusionstherapie neben den erwarteten Verbesserungen der klinischen, endoskopischen und lungenfunktionsanalytischen Befunde zu signifikanten Abnahmen der neutrophilen Granulozyten zugunsten der Makrophagen. Die Prozentsätze der Mastzellen blieben unbeeinflusst und die eosinophilen Granulozyten wiesen lediglich schwach signifikante Abnahmen ihrer prozentualen Werte auf. Insgesamt konnten desto größere Therapieerfolge verbucht werden, je ungünstiger die Ausgangsbefunde waren. Als problematisch erwiesen sich Tiere mit geringgradigen Befunden, die gleichwohl für Besitzer wie Patienten erhebliche Ausmaße angenommen hatten. Die eigenen Ergebnisse belegen, dass gering- bis mittelgradige Erkrankungen der tiefen Atemwege des Pferdes therapeutisch eine Herausforderung darstellen. Nicht die Exazerbation stellt ein Problem dar, sondern die Kontrolle der oft tierärztlicherseits als mild eingestuften Symptome. Eine Konzentr der Symptome bei nicht exazerbierten Patienten ist dringend notwendig. Zytologische Untersuchungen der BALF sind bei der Auswahl von Patienten zur Entwicklung spezifischerer Therapien, aber auch für die individuelle Kontrolle von Krankheitsverlauf und Therapie unerlässlich.

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Giessen: DVG Service, 2005: http://www.dvg.net/

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