Untersuchung zur präoperativen Beeinflussung der bakteriellen Mundhöhlenflora durch systemische Antibiotikatherapie über fünf Tage bei Hunden mit Erkrankungen des Parodontiums und der Zahnhartsubstanz

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Die Verabreichung von Antibiotika vor Zahnbehandlungen stellt eine gängige Praxis dar, mitder eine verringerte Keimbelastung für Behandler und Patient erreicht werden soll. Vordiesem Hintergrund wird in der Arbeit die Auswirkung einer 5-tägigen systemischenAntibiotikagabe auf die bakterielle Mundhöhlenflora untersucht.Es wird an 52 Hunden eine Untersuchung der Zusammensetzung der Mundhöhlenfloradurchgeführt. 24 Tiere sind weiblich (kastriert und unkastriert) und 28 Tiere sind männlich(kastriert und unkastriert), das Alter liegt zwischen einem halben und 16 Jahren (Ø 9,1 Jahre).15 der 52 Hunde erhalten ein oral zu verabreichendes Antibiotikum über 5 Tage. Vor undnach der Antibiotikatherapie wird die Zusammensetzung der Mundhöhlenflora bestimmt.Hierzu wird eine Tupferprobe aus der Umschlagfalte des Oberkiefers und eine Tupferprobevon der Zahnoberfläche eines Oberkiefer-Caninus entnommen und hinsichtlich Keimgehaltund Keimdifferenzierung mikrobiologisch untersucht. Als antibiotische Wirkstoffe werdenClindamycin-Metronidazol (Präparat: CLEOROBE®) und Spiramycin (Präparat:SUANATEM®) eingesetzt. Die Entscheidung, welches Präparat zum Einsatz kommt, wird fürjeden Patienten zufällig bestimmt.Bei 12 dieser 15 Hunde wird vor und nach der antibiotischen Therapie im Rahmen dermikrobiologischen Diagnostik auch ein Resistenztest an ausgesuchten Mundhöhlenkeimenwie Staphylokokken der Intermedius-Gruppe oder Pasteurella canis durchgeführt. Bei 12weiteren Hunden wird eine einmalige Bestimmung der Resistenzlage ausgesuchterMundhöhlenkeime durchgeführt, ohne dass ein Antibiotikum verabreicht wird.Insgesamt können 57 unterschiedliche Keimspezies, gattungen oder gruppen differenziertwerden. Als häufigste Keime im Bereich der Umschlagfaltenschleimhaut werden hierbei !-hämolysierende Streptokokken (13,5%), Pasteurella canis (11,9%), Neisseria sp. (11,3%),Staphylococcus intermedius-Gruppe (6,8%) und Corynebacterium sp. (5,8%) identifiziert.Häufigste Keime im Bereich der Zahnoberfläche sind !-hämolysierende Streptokokken(13,3%), Pasteurella canis (13,0%), Neisseria sp. (11,6%), Staphylococcus intermedius-Gruppe (6,7%) und Corynebacterium sp. (6,3%). Die Zusammensetzung derBakterienpopulation in beiden untersuchten Nischen zeigt keine signifikanten Unterschiede.Circa 20% der identifizierten Keime (auf Mundschleimhaut und Zahnoberfläche) sind GrampositiveKokken. Der Anteil Gram-negativer Spezies an der Gesamtheit der gefundenenKeime liegt im Durchschnitt bei 51%. Am häufigsten vertreten sind hierbei Neisseria sp. mit 10,8%, Actinomyces sp. mit 6,8% und nicht näher differenzierte Stäbchenbakterien mit 6,2%.Porphyromonas gingivalis kann nur in einem Fall differenziert werden, Prevotella sp. in zweiFällen, Prevotella oralis wird bei einem Hund nach der Verabreichung eines Antibiotikumsidentifiziert. Fusobacterium nucleatum findet sich in insgesamt drei Fällen, einer davon beieinem Patienten nach Verabreichung eines Antibiotikums.Bei Untersuchung der Altersabhängigkeit der Zusammensetzung der Mundhöhlenflora,insbesondere des Anteils der Gram-negativen, anaeroben Keime, können keine signifikantenUnterschiede ermittelt werden. Dieses Ergebnis ist vor dem Hintergrund des hohenDurchschnittsalters der Patientenpopulation und des hohen Anteils an Patienten mitpathologischen Veränderungen der Zähne und des Zahnhalteapparates zu sehen.Beim Vergleich der mikrobiellen Besiedelung der Mundhöhle vor und nach antibiotischerTherapie sind nach statistischer Aufarbeitung der Daten keine signifikanten Unterschiedeerkennbar. Ebenso ergeben sich im direkten Vergleich der Wirksamkeit beider eingesetzterAntibiotika-Präparate keine statistisch signifikanten Unterschiede.Der Vergleich des Resistenzverhaltens der untersuchten Keime vor und nach antibiotischerTherapie zeigt keinen Hiweis auf eine Einflussnahme durch die eingesetzten Wirkstoffe.Im Rahmen dieser Arbeit kann eine klinische Auswirkung der 5-tägigen Antibiose im Sinneeiner Reduktion von Mundgeruch und reduzierter Blutungsneigung der Gingiva bei allenPatienten festgestellt werden, ohne dass der Fokus der Beobachtungen auf diese klinischeAuswirkung gerichtet ist. Bei an Gingivitis und Parodontitis erkrankten Patienten entstehtFoetor ex ore als eine Folge bakterieller Stoffwechselprozesse. Eine klinische Verbesserungist daher wahrscheinlich auf eine supprimierende Wirkung der antibiotischen Wirkstoffe aufdie orale Keimflora zurückzuführen, auch wenn diese Veränderungen in der mikrobiellenNischenpopulation der Maulschleimhaut und der Zahnoberfläche nicht statistisch signifikantnachempfunden werden können. Fasst man jedoch Keime aufgrund bestimmter Eigenschaftenzu Gruppen zusammen und vergleicht die Summe der Fundhäufigkeiten vor und nachantibiotischer Therapie, so lässt sich im Falle der Gruppe der obligaten Anaerobier eineAbnahme von 80% erkennen. Bei Betrachtung aller Keime aus der Familie derEnterobacteriaceae ist hingegen eine Zunahme von 300% zu beobachten.

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Giessen : VVB Laufersweiler

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