Vergleichende Untersuchung zur Wirksamkeit der intravenösen Langzeittokolyse in der Therapie vorzeitiger Wehentätigkeit : eine prospektive, plazebokontrollierte Doppelblindstudie
Die vorliegende Arbeit basiert auf der Zwischenauswertung einer prospektiv randomisierten Doppelblind-Studie zur Hemmung vorzeitiger Wehentätigkeit. Ziel der Studie war die Untersuchung der Effektivität und der Nebenwirkungen von Magnesium, Fenoterol und einer Fenoterol-Vierteldosierung im Vergleich zu Plazebo. Es wurden 103 Datensätze ausgewertet. Persistierende Wehentätigkeit, Muttermundseröffnung oder schwerwiegende Nebenwirkungen wurden als Grund für einen Therapieabbruch und Wertung als Therapieversager definiert. Als Therapieerfolg wurde eine Verzögerung der Geburt um mindestens 48 Stunden, 7 Tage und bis zur 32. bzw. 37. Schwangerschaftswoche gewertet. Die Kollektive unterschieden sich weder bezüglich des mütterlichen Alters, Gravidität, Parität und Gestationsalters, noch bezüglich Muttermundsweite, vaginaler Infektionen, vaginalem pH-Wert und Entzündungsparameter bei der Aufnahme in die Studie. Die Auswertung der Ergebnisse erbrachte keinen statistisch signifikanten Unterschied bezüglich der Dauer der Geburtsverzögerung. Die in utero gewonnene Zeit lag zwischen 44 und 59 Tagen unabhängig von der Therapie. In allen vier Kollektiven konnte die Geburt in über 93% um mindestens 48 Stunden verzögert werden. Die Studientherapie konnte in allen Therapie-Gruppen vergleichbar häufig nach bis zu 7 Tagen nach Beginn der Therapie abgeschlossen werden. Eine Beeinflussung der Inzidenz der Frühgeburt durch die Wahl des Tokolytikums war statistisch nicht signifikant nachweisbar. Die Anzahl der Frühgeborenen vor der abge-schlossenen 32. Schwangerschaftswoche unterschied sich nicht in den Kollektiven und betrug circa 10%. Bis zur abgeschlossenen 37. Schwangerschaftswoche kam es in weiteren 35% der Fälle zur Frühgeburt im Fenoterol-, Magnesium- und Plazebo-Kollektiv, während es bis zur 37. Schwangerschaftswoche im Fenoterol/4-Kollektiv nur zu 21% zur Geburt kam. Dementsprechend war die Anzahl der Reifgeborenen in diesem Kollektiv um circa 10% höher. Es ergab sich ebenso kein Unterschied bezüglich des neonatalen outcomes und der Häufigkeit von Erkrankungen der Kinder aus dem Studienkollektiv. Die Untersuchung der Therapieversagerquote bis 48 Stunden erbrachte keinen Unter-schied. Die Ursachen für das Therapieversagen und der Anteil der Frühgeborenen unter diesen waren in allen Gruppen vergleichbar. Bei muttermundswirksamer vorzeitiger Wehentätigkeit war die Geburt unabhängig von der gewählten Therapie nicht zu verhin-dern. Die Versagerquote aller Studienpatientinnen lag bei insgesamt 18,4% bis zu 48 Stunden nach Therapiebeginn, die Anzahl der Versager je Untersuchungskollektiv unterschied sich nicht signifikant. Präparatespezifische subjektive Nebenwirkungen wie Herzrasen, Unruhe, Kopfschmerzen, Mundtrockenheit und Schwitzen kamen signifikant häufiger im Fenoterol-Kollektiv vor, während Hautrötungen und Wärmegefühl häufiger im Magnesium-Kollektiv auftraten. Übelkeit und Erbrechen wurden im Magnesium- und Fenoterol-Kollektiv vergleichbar oft registriert. Ein Anstieg der Herzfrequenz wurde nur im Fenoterol-Kollektiv beschrieben. Da es keinen signifikanten Unterschied in der Effektivität der untersuchten Therapieformen gibt, sollte zunächst der Effekt der Hydrierung (Plazebo-Wirkung) auf die Kontraktionen abgewartet werden. Bei zervixwirksamer Wehentätigkeit sollte die Magnesium-Gabe aufgrund des geringeren Nebenwirkungsspektrums bevorzugt werden. Besteht dennoch Wehentätigkeit mit Muttermundsveränderung ist eine Umstellung auf die Therapie mit Fenoterol gerechtfertigt. Nach Ablauf von 48 Stunden bzw. Erreichen der Lungenreifung nach Lungenreifeinduktion sollte die Tokolyse zügig beendet werden.
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