Ziel der vorliegenden Arbeit war es die physiologische Involution der Zervix im Vergleich zur Vagina beim Rind während der ersten zehn Tage post partum zu charakterisieren. Weiterhin sollte durch klinische Untersuchungen an Kühen nach Dystokie und einer retrospektiven Datenauswertung von Schwergeburten unterschiedlicher Tierarten der Anteil zervikal bedingter Geburtsstockungen im Interspeziesvergleich analysiert und Einflussfaktoren auf das Auftreten dieser Dystokieform sowie Störungen in der puerperalen Zervixinvolution beim Rind charakterisiert werden.
Die makroskopische Zervixinvolution lässt sich mit Hilfe von zervimetrischen und sonographischen Methoden in vier Phasen einteilen:
- Progressive Reduktion bis zur sechzehnten Stunde post partum
- Protrahierte Reduktion bis zum zweiten Tag post partum ohne nachweisbare Ringfaltenbildung
- Protrahierte Reduktion bis zum siebten Tag post partum mit zunehmender Ringfaltenbildung
- Erneute, diskrete Öffnung bis zum zehnten Tag post partum unter Erhaltung der Faltenstruktur
Der Reduktionsvorgang bis zum siebten Tag post partum kann als Summe von zwei Exponentialfunktionen mit unterschiedlichem Steigungskoeffizienten dargestellt werden. Die erneute Öffnungsphase der Zervix beim Rind gegen Ende des Frühpuerperiums scheint eine tierartspezifische Besonderheit darzustellen. Lichtmikroskopisch konnte eine Assoziation der intrapartalen vaginalen und zervikalen Öffnung mit einer massiven Infiltration eosinophiler Granulozyten in die Tunica mucosa aufgezeigt werden. Die Durchsetzung des Gewebes mit eosinophilen Granulozyten zeigt im Verlauf des Frühpuerperiums eine organspezifische Dynamik. Die Zellzahl in der Vagina fällt ab, während diese in der Zervix am zehnten Tag post partum ihr vorläufiges Maximum erreicht. Mastzellen lassen sich in deutlich geringerer Konzentration und in anderer Lokalisation vorfinden. Diese Zellart befindet sich vor allem in den tieferen Schichten der Lamina propria mucosae und in der Tunica muscularis. In der Vagina bleibt die Mastzellzahl auf gleichem niedrigen Niveau, während in der Zervix ein Abfall bis zum zehnten Tag post partum zu beobachten ist. Auffällig ist weiterhin, die im Vergleich zum Interöstrus niedrigere Zelldichte.
Immunhistologisch zeigt sich eine zeitliche Veränderung der Progesteron- und Östrogenrezeptorexpression während der ersten zehn Tage post partum. In der Tunica muscularis findet sich dabei zu jedem Untersuchungszeitpunkt ein stärkeres Vorkommen rezeptorexprimierender Zellen als im Bindegewebe. In beiden Abschnitte des Reproduktionstraktes ist eine unterschiedliche Kinetik der Rezeptorexpression gegeben. Während in der Vagina kaum Unterschiede in der Menge der progesteronrezeptorpositiven Zellen zu detektieren sind, reduziert sich die Expression des Östrogenrezeptors. Dagegen steigt im zervikalen Gewebe die Nachweishäufigkeit für beide Steroidhormonrezeptoren bis zum zehnten Tag post partum an, wobei am fünften Tag eine temporäre Reduktion der Anzahl östrogenrezeptorexprimierender Zellen zu beobachten ist.
Die immunhistologischen Ergebnisse zur Expression des Östrogenrezeptor im vaginalen Gewebe konnte durch RT-PCR betätigt werden. Zur Überprüfung wurde das Amplifikat sequenziert und mit bekannten Teilsequenzen des Östrogenrezeptors a anderer Haussäugetiere verglichen. Dabei ließen sich Homologien zwischen 90 (Hund) und 97 % (Schaf) nachweisen.
Durch den Interspeziesvergleich konnte gezeigt werden, dass die Zervix beim Wiederkäuer eine dominierende Bedeutung als Dystokieursache besitzt. Diese Tatsache lässt sich aus dem relativ hohen Bindegewebsanteil in diesem Organ bei Schaf und Kuh ableiten. Steigendes Alter und Parität erhöhen die Gefahr, dass sich beim Rind eine mangelhafte Zervixöffnung entwickelt. Es konnte kein Zusammenhang zwischen einer mangelhaften Öffnung und puerperalen Involutionstörungen der Zervix in der frühpuerperalen Periode gefunden werden. Es zeigte sich jedoch, dass nach Fetotomien, unabhängig vom Patientenalter und der Parität, der Anteil der Tiere mit zervikalen Involutionsstörungen ansteigt. Störungen in der Reduktion des Durchmessers des Canalis cervicalis treten unabhängig von uterinen Puerperalstörungen auf.
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