Vergleich von zwei Verriegelungsplattensystemen im klinischen Einsatz bei der Tibial Plateau Leveling Osteotomy unter besonderer Berücksichtigung ihrer Applikationseigenschaften

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In dieser Studie wurden im Klinikum Veterinärmedizin, Klinik für Kleintiere - Chirurgie, der Justus-Liebig-Universität Gießen 80 Operationen an 76 Hunden mit Kreuzbandruptur im Zeitraum März 2008 bis April 2010 ausgewertet. Die Patienten wurden in 4 Gruppen (1 4) mit je 2 Untergruppen (a, b) eingeteilt. Bei allen Patienten wurde eine Tibial Plateau Leveling Osteotomy nach SLOCUM & SLOCUM (1993) zur dynamischen Stabilisation des kreuzbandinsuffizienten Kniegelenks unter Anwendung eines "Jig" durchgeführt. In den Gruppen 1 und 3 wurde die Synthes Tibial Plateau Leveling Osteotomy Plate® zur Fixation der Osteotomie eingesetzt, bei den Gruppen 2 und 4 die Unity Cruciate Plate® von NGD . Die Eingriffe in den Gruppen 1 und 2 wurden durch einen überdurchschnittlich erfahrenen Chirurgen durchgeführt, die in den Gruppen 3 und 4 durch zwei erfahrene Chirurgen (Residents des ECVS). Die Einteilung in die Untergruppen wurde nach durchgeführtem Meniscal Release (b) oder nicht erfolgtem Meniscal Release (a) vorgenommen. Es wurden 21 NGD- und 59 Synthes-Platten implantiert.Alle Patienten wurden am Tag post operationem hinsichtlich des Zustandes der operierten Gliedmaße klinisch untersucht. 4 und 12 Wochen post operationem erfolgte die klinische und radiologische Nachkontrolle der Patienten. In der 4-Wochenkontrolle zeigen 54,2 % der vorgestellten Patienten (n = 59) keine oder eine Lahmheit Grad 1, 39,0 % der Hunde eine Lahmheit Grad 2. 6,8 % der Hunde belasten das Bein nicht (Lahmheit Grad 3 und 4). In der 12-Wochenkontrolle zeigen 84,6 % der vorgestellten Tiere (n = 39) keine oder eine Lahmheit Grad 1, bei 15,4 % der Hunde besteht eine Lahmheit Grad 2. Über das gesamte Patientengut kann eine geringgradige Zunahme arthrotischer Veränderungen des operierten Kniegelenkes in der 4- und 12-Wochenkontrolle aufgezeigt werden. Diese sind unabhängig vom Plattentyp, von der Plattengröße oder dem Operateur.Der sehr erfahrene Chirurg führte die TPLO signifikant schneller durch als der Resident (p = 0,0088). Desweiteren wurde die Operationszeit signifikant durch die Durchführung eines Meniscal Release um durchschnittlich 19,2 Minuten (p = 0,0093) verlängert. Die Operationszeit stieg signifikant (p = 0,0005) mit der verwendeten Plattengröße. Der Einfluss der Erfahrung des Operateurs auf die Verkürzung der Implantationsdauer war hochsignifikant (p = 0,0005). Die Implantationsdauer zwischen den beiden Plattensystemen (Synthes, NGD) unterschied sich signifikant zugunsten des Systems der Firma Synthes (p = 0,047). Die Implantationsdauer für die vorkonturierten Synthes-Platten betrug durchschnittlich 17,7 ± 6,8 Minuten (x& #713; ± s) und war kürzer als die nicht konturierten NGD-Platten mit 20,5 ± 6,4 Minuten (x& #713; ± s). Ebenfalls signifikanten Einfluss auf die Implantationsdauer übte die Plattengröße (3,5 mm broad größer als 2,7 mm/3,5 mm small größer als 3,5 mm) aus.Intraoperativ traten unterschiedliche Komplikationen auf (Schraubenrichtung zum Gelenk (n = 11/80), Gelenkperforation (n = 2/80), verzogenes Plattengewinde (n = 2/80)). Dabei war das relative Risiko eine Schraube in Richtung des Kniegelenks zu setzen, bei Verwendung einer NGD-Platte 14-fach höher als bei der Synthesplatte (p = 0,0003). Das relative Risiko der Gelenkperforation durch eine implantierte Schraube ist bei der NGD-Platte 2,8-fach höher, dies war nicht signifikant. Ein Verziehen des Plattengewindes nach Formveränderung der Platte trat ausschließlich beim Implantat von NGD2 auf. Die TPLO-Platte von NGD musste signifikant häufiger (p kleiner als 0,0001) formverändert werden (n = 20/21) als die vorkonturierte Synthesplatte1 (n = 7/59). Insgesamt war die TPLO-Platte der Firma Synthes1 mit geringerem Aufwand für den Chirurgen zu implantieren.Die postoperative Gesamtkomplikationsrate beträgt 20,0 %. Dabei wurde unterschieden in minor complications (10,0 %) und major complications (10,0 %). Die Infektion des Operationsgebietes stellte das Hauptproblem dar. Bei 4/8 Patienten mit einer minor complication konnte ein Keimwachstum nachgewiesen werden. In 4/8 Fällen kam es zu einer postoperativen Fibulafraktur, deren Ursache abschließend nicht identifiziert werden konnte. Diese Fibulafrakturen waren nicht behandlungswürdig. Die Patienten der Gruppe minor complications konnten alleine durch eine Antibiotikatherapie erfolgreich behandelt werden.3/8 Patienten mit major complications erforderten einen weiteren chirurgischen Eingriff (Wundversorgung, Drainage), um die erfolgreiche Heilung zu gewährleisten. Bei 4/8 Patienten reichte ein minimal invasives Vorgehen aus. Bei einem Patienten wurde eine intraartikuläre Kniegelenksinfektion mit einer zweimaligen minimalinvasiven Kniegelenksspülung therapiert. Damit wurde bei 3/80 (3,8 %) TPLOs eine Reoperation durchgeführt. Bei keinem Patienten trat eine Implantatlockerung (sowohl der Schrauben im Knochen als auch der Schrauben in der Platte) oder ein Implantatversagen auf. Eine Umverplattung wurde bei keiner der 80 durchgeführten TPLO-Operationen notwendig. Die Stabilität der durchgeführten Korrekturen wurde bei allen Patienten, auch nach auftretenden Infektionen, erfolgreich aufrechterhalten. Obwohl mit der Verriegelungstechnik eine weichteil- und periostschonende Osteosynthese durchgeführt werden kann, reduziert dies nicht die Rate postoperativer Infektionen, verbessert jedoch deren Beherrschbarkeit durch den Tierarzt. Mit dem Einsatz der Verriegelungstechnik bei der TPLO haben Tierärzte ein probates Mittel, eine TPLO auch nach deren Infektion mit geringem zeitlichem und pekuniärem Aufwand zur erfolgreichen Heilung zu führen.

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Giessen : VVB Laufersweiler

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