Entwicklung eines quantitativen Keimträgertests zur Prüfung der Wirksamkeit von Desinfektionsmitteln gegen animale Viren im Lebensmittelbereich

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Im Bereich der Lebensmittelhygiene sind Prüfmethoden für Desinfektionsmittel gegen Bakterien, Pilze und Bakteriophagen gut etabliert. Vom Tier stammende Viren, die Oberflächen im Bereich der Lebensmittelproduktion kontaminieren können, stellen jedoch ein zusätzliches Hygienerisiko dar. Deshalb war es Ziel dieser Arbeit, eine Methode zur Prüfung der viruziden Wirksamkeit von Desinfektionsmitteln gegen Pathogene dieser Gruppe zu etablieren. Zur Auswahl eines geeigneten Testvirus wurden verschiedene unbehüllte Virusarten, wie bovines Enterovirus Typ 1 (ECBO (Enteric Cytopathogenic Bovine Orphan) Virus), Reovirus Typ 1, felines Calicivirus (FCV) und bovines Parvovirus (BPV), sowie behüllte Virusarten, wie equines Arteritisvirus (EAV), bovines Herpesvirus Typ 1 (BHV1), Newcastle Disease Virus (NDV) und Vaccinia-Virus, auf ihre Tenazität gegenüber verschiedenen bioziden Substanzen (Formaldehyd, Ameisensäure, Peressigsäure und Natriumhypochlorit) im Suspensionsversuch bei 20°C untersucht. Die Untersuchung erfolgte in Anlehnung an die vom "Comité Européen de Normalisation" herausgegebenen "Richtlinien für die Prüfung chemischer Desinfektionsmittel" (CEN) (ANONYM, 2003a). Weitere Auswahlkriterien umfassten Laborparameter, wie die Vermehrbarkeit der Viren in permanenten Zellkulturen und die Höhen der hierbei erreichten Virustiter, als auch Fragen zur Biologie der Erreger, besonders das Gefährdungsrisiko für Mensch und Tier bei akzidentieller Exposition. Gemessen an allen Kriterien erwies sich das ECBO- Virus als für die Fragestellung geeigneter als die übrigen o.a. Virusarten. Unter Verwendung dieses Virus wurden anschließend diverse Parameter, die zur Etablierung der Prüfmethodik führten, untersucht. Darunter fielen Versuche zum Studium des Einflusses der Trocknung auf den Infektiositätstiter des Virus, der Eignung verschiedener Eiweißlösungen zur Optimierung der Rückgewinnung des ECBO-Virus von den Keimträgeroberflächen, sowie zur Reduzierung von Infektiositätsverlusten bei der Trocknung, als auch Untersuchungen zur Bestimmung der Desorption des ECBO-Virus von den Keimträgeroberflächen. Nach den Ergebnissen dieser Versuche verlor das ECBO- Virus in wässriger Suspension nach der Antrocknung im Glasröhrchen durchschnittlich eine Zehnerpotenz (entspricht 90 %) an Infektiosität. Dieser Verlust konnte durch den Zusatz verschiedener Lösungen aus Hefeextrakt und bovinem Serumalbumin (jeweils 0,1% Endkonzentration in den Prüfansätzen) oder bovinem Serumalbumin allein mit einer Endkonzentration von 0,5% zum Zweck der Simulierung der unter Praxisbedingungen vorliegenden "Verschmutzung" bis ungefähr 0,5 log10 KID50/ml reduziert werden. Die Unterschiede zwischen beiden Eiweißlösungen waren sehr gering. Da die Mischung aus Hefeextrakt und bovinem Serumalbumin eher einer Belastung unter Feldbedingungen entsprach als reines BSA, wurde diese Lösung für alle weiteren Versuche verwendet. Als Varianten für die Keimrückgewinnung von den Trägermaterialien aus Makrolon und V2 A-Stahl dienten ein sogenanntes Abschwemmverfahren sowie auch ein sogenanntes Abstrichverfahren. Zwischen diesen zur Rückgewinnung des Testvirus verwendeten Techniken ergaben sich jedoch keine auf die Eignung einer bestimmten Methode hinweisenden Unterschiede. Von Seiten der Praktikabilität wurde der Abschwemmtechnik mit einer anschließenden Behandlung mit Vortexer und Ultraschall für jeweils 30 s der Vorrang gegeben. Insgesamt lagen die Wiedergewinnungsraten jedoch deutlich unter 10 % und erreichten nur in Einzelfällen einen Wert von maximal 10 %. Die absoluten Titerhöhen waren jedoch ausreichend hoch (in allen Versuchen > 4 log10 KID50/Träger). Somit steht für die Prüfung der Desinfektion von Viren an Flächen ein Modell zur Verfügung, das die für die Beurteilung der Wirksamkeit eines Desinfektionsverfahrens geforderte Reduktion der Virusinfektiosität über vier Zehnerpotenzen ermöglicht. Unter Verwendung dieser Methodik wurden abschließend 4 kommerziell erhältliche Desinfektionsmittel aus der 6. Desinfektionsmittelliste der DVG (Lebensmittelbereich), die die 4 am häufigsten verwendeten Wirkstoffgruppen repräsentieren, auf Viruzidie geprüft. Bei allen 4 untersuchten Präparaten war eine sichere Beurteilung der viruziden Wirksamkeit (Verfolgung der Virusinaktivierung über mindestens 4 Zehnerpotenzen) möglich. Eine viruzide Wirksamkeit war jedoch nur bei dem Präparat auf der Wirkstoffbasis von Natriumhypochlorit (Steril) vorhanden. Die weiteren Desinfektionsmittel mit den Hauptwirkstoffen Alkohol (Divodes FG), Alkylamin (HM 3000) und Quaternäre Ammoniumverbindung (neoquat s) besaßen dagegen keine ausreichende oder gar keine viruzide Wirkung. Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass sich die beschriebene Methode durch ihre Praktikabilität, Genauigkeit, Schnelligkeit und Kostenneutralität auszeichnet. Sie kann daher für die Überprüfung der viruziden Wirksamkeit von chemischen Desinfektionsmitteln in der Lebensmittelhygiene empfohlen werden.

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Giessen : VVB Laufersweiler 2008

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