Der Einsatz von Knochenklebstoffen in der Versorgung von Frakturen könnte gegenüber den konventionellen Osteosynthesetechniken eine Menge Vorteile bieten. Dennoch konnten sich Klebstoffe in der Traumatologie und operativen Orthopädie bis zum heutigen Tage nicht durchsetzen. Die in der Vergangenheit getesteten Knochenklebstoffe scheiterten oftmals an einer inadäquaten Verbundfestigkeit oder einer unzureichenden Biokompatibilität und Degradation. Das Ziel dieser Arbeit war, die Biokompatibilität und Biodegradation eines neuen Dreikomponentenknochenklebstoffes auf Tricalcium-Phosphat-Basis in New Zealand Kaninchen zu untersuchen. Dafür wurden mit einer Diamanthohlfräse (DBCS = Diamond bone cutting system) Knochenzylinder aus der Kaninchenfemurkondyle von 53 Versuchstieren entnommen und mit Knochenklebstoff benetzt replantiert. Die Zylinder der Kontrolle wurden ohne Klebstoff wiedereingesetzt. Zusätzlich erfolgte eine Implantation des Klebstoffes in eine muskuläre Rückentasche der Kaninchen. Die Versuchstiere wurden in acht Gruppen unterteilt und nach 10 und 21 Tagen, 3 und 12 Monaten euthanasiert. Die Analyse der Knochenheilung und Klebstoffdegradation erfolgte anhand lichtmikroskopischer, histomorphometrischer, transmissionselektronenmikroskopischer und enzymhistochemischer Methoden. Nach 21 Tagen, 3 und 12 Monaten war lichtmikroskopisch deutlich die Phagozytose des Knochenklebstoffes durch Fremdkörperriesenzellen sichtbar. Durch die Transmissionselektro nenmikroskopie konnte zudem eine zelluläre Resorption des Klebstoffes durch Makrophagen und mehrkernige Fremdkörperriesenzellen nach 10 Tagen beobachtet werden. Nach 10 Tagen zeigten sich sowohl bei der Kontroll- als auch Klebstoffgruppe beginnende Geflechtknochenbildungen im Osteotomiespalt. Nach 21 Tagen fand sich bei beiden Gruppen eine gesteigerte Osteogenese im Osteotomiespalt, dabei lagen die osteogenetischen Vorgänge der Kontrolle deutlich vor denen der Klebstoffgruppe. Eine nahezu vollständige Durchbauung des Osteotomiespaltes mit Lamellenknochen zeigte sich bei beiden Gruppen nach 3 Monaten, ein Vorsprung der Kontrolle hinsichtlich der Knochenheilung konnte nun nicht mehr beobachtet werden. Nach 12 Monaten zeigten beide Gruppen eine vollständige Durchbauung des Osteotomiespaltes. Ferner konnten in den Langzeitgruppen strukturell inhomogene Areale innerhalb des normalen Knochengewebes beobachtet werden. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass hydrolytische Abbauprozesse des Klebstoffes für die Bildung dieser Bereiche verantwortlich waren. Bei zwei Kaninchen der 21-Tages-Klebstoffgruppe fand sich eine Entzündungsreaktion mit lokaler Osteolyse im Osteotomiespalt. Die Kontrollgruppen aller Beobachtungszeitpunkte wiesen keine Entzündungszeichen auf.
Die histologischen Auswertungen der Muskeltasche zeigten eine rege zelluläre Phagozytose des Klebstoffes während aller Beobachtungszeiträume. Nach 12 Monaten konnte auch in der Muskeltasche die Bildung von inhomogenen Arealen als Hinweis auf die Hydrolyse der Klebstoffreste beobachtet werden. Insgesamt konnte eine gute Biokompatibilität und frühzeitige Resorption des untersuchten Klebstoffes ohne eine Barriere für die physiologische Knochenheilung beobachtet werden. Zum Ausschluss eines kausalen Zusammenhangs zwischen der Klebstoffapplikation und den beobachteten Entzündungsreaktionen sollten weiterführende Untersuchungen folgen.
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