Prävalenz des Diabetes mellitus Typ 3c im diabetologischen Krankengut

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Diabetes mellitus ist die häufigste Stoffwechselerkrankung in Deutschland mit erheblichen Folgen für Patienten und das sozialmedizinische System. Eine sorgfältige Klassifizierung der Diabetes-Subtypen ist für eine optimale Versorgung und damit zur Vermeidung weitreichender Folgeerkrankungen überaus wichtig. In der Praxis wird derzeit nur den Typen 1 und 2 Beachtung geschenkt, da der pankreoprive Diabetes mellitus(Typ 3c) als eher selten definiert wird. In dieser Studie wurde die Prävalenz des Diabetes mellitus Typ 3c im diabetologischen Krankengut der Medizinischen Poliklinik III des Universitätsklinikums Gießen unter der Hypothese, dass die Häufigkeit dieses vernachlässigt scheinenden Subtyps sehr viel höher liegt als bisher propagiert, untersucht. Das Krankengut umfasst eine große Stichprobe an 1868 Patienten der Jahre 2003 und 2004 (912 Frauen, 956 Männer), deren Akten anhand von aufgestellten Klassifikationskriterien ausgewertet wurden. Anschließend erfolgte eine Reklassifizierung der Diabetestypen 1-3c, hier ergab sich eine Verteilung von 23,1% Typ 1, 67,7% Typ 2 und 9,2% Typ 3c. Dies stellt ein erstaunlich hohes Ergebnis für die Prävalenz der pankreopriven Diabetesform dar. Die hohe Prävalenz des Diabetes mellitus Typ 3c sowohl in der Vor- als auch in der Reklassifikation erklärt sich einerseits durch den Schwerpunkt der Medizinischen Poliklinik III und andererseits durch das besondere Augenmerk und die gesteigerte Sensibilität für diesen Diabetestyp. Das Ergebnis unterstreicht die Wichtigkeit sich mit diesem Problem zu beschäftigen, zumal die tatsächliche Häufigkeit des pankreopriven Subtyps eher über der Prävalenz des Typ 1 Diabetes liegt. Die in der vorliegenden Arbeit ermittelte Prävalenz von 9,2% für den Typ 3c Diabetes ist keinesfalls als überschätzt anzusehen, da die zur Klassifikation benötigten Parameter (fäkale Elastase-1, Bildgebung des Pankreas) nicht bei allen Diabetikern untersucht wurden. Im Zuge der Ergebnis-Analyse der vorliegenden Arbeit werden Charakteristika des Typ 3c Diabetes aufgezeigt. Der Anteil an männlichen Erkrankten ist in der Gruppe der Typ 3c Diabetiker deutlich erhöht. Der mittlere BMI der Typ 3c Patienten liegt signifikant unter dem der Typ 2 Diabetiker und signifikant über dem durchschnittlichen BMI der Subgruppe Typ 1. Bezüglich des HBA1c werden keine signifikanten Zusammenhänge ermittelt. Patienten mit Typ 3c Diabetes sind signifikant älter als der Typ 1 Patient. Im Vergleich zur Gruppe der Typ 2 Diabetiker zeigt sich keine signifikante Alters-Abweichung. Bei den Antikörperbefunden gegen Schilddrüsengewebe und Gliadine können aufgrund der geringen Datenmenge keine relevanten Aussagen gemacht werden. Große diagnostische bzw. dokumentarische Lücken zeigen sich auch bei dem Diabetes assoziierten Antikörperstatus, was insbesondere für die Diagnostik des Typ 1 einen unentbehrlichen Parameter darstellt. Ein signifikanter Unterschied besteht hinsichtlich des vermehrten Alkoholkonsums in der Gruppe der Typ 3c Diabetiker im Gegensatz zu den Typen 1 und 2, was bereits in anderen Studien festgestellt wurde. Bei der Untersuchung des Nikotinkonsums zeigen sich signifikant mehr Raucher in der Gruppe der Typ 1 Patienten als in den Subtypen 2 und 3c. An einer Cholelithiasis sind signifikant mehr Typ 2 und Typ 3c Diabetiken im Vergleich zur Gruppe der Typ 1 Diabetiker erkrankt. Dieses Ergebnis lässt sich durch andere Studien stützen. Insgesamt ist bei der Patientendokumentation anzumerken, dass die Nikotin- und Alkoholanamnese, sowie die Datenerhebung für BMI und HBA1c lückenhaft ist. Der durchschnittliche Typ 3c Patient ist schlank, die Diagnose wird im mittleren bis höheren Lebensalter gestellt, Männer sind häufiger betroffen als Frauen und er wird meist durch eine diabetische Stoffwechsellage auffällig. In der Bildgebung werden morphologische Veränderungen des Pankreas diagnostiziert, zudem ist der fäkale Elastase-1 Wert vermindert. Nicht selten zeigen sich klinisch Steatorrhoe, Obstipation, Oberbauchschmerz und eventuell Ikterus bei Cholestase, Alkoholkonsum wird häufiger beobachtet. Typ 3c Diabetiker mit Insulinrestsekretion können nach den etablierten Therapiemodellen behandelt werden. Es muss zwischen Patienten mit und ohne Alkoholsucht-Problematik unterschieden werden. Der Einsatz von Pankreasenzymen und die Substitution von Vitaminen bei diesem Subtyp bedarf weiteren Untersuchungen. Die hohe Prävalenz des pankreopriven Diabetes in dieser Arbeit stützt andere bisher veröffentlichte Studienergebnisse und sollte zum Anlass genommen werden, dass ein vermehrtes Augenmerk und eine gesteigerte Sensibiltät auf diesen unterschätzten Subtyp gelegt wird, insbesondere um eine optimale und umfassende Versorgung der Betroffenen zu gewährleisten.

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