Einfluss von Tiaprid im Vergleich zu Lormetazepam und Plazebo auf subjektive Schlafwahrnehmung, polysomnographische Parameter und kognitive Funktionen bei älteren Menschen mit einer Schlafstörung

Lade...
Vorschaubild

Datum

Betreuer/Gutachter

Weitere Beteiligte

Beteiligte Institutionen

Herausgeber

Zeitschriftentitel

ISSN der Zeitschrift

Bandtitel

Verlag

Zusammenfassung

Ein gesunder Schlaf ist für die volle körperliche und psychische Leistungsfähigkeit des Menschen notwendig. Auch bei älteren Menschen treten jedoch häufig Störungen des Schlafs auf. Diese können in Form von primären oder organischen Insomnien oder als Symptome bei psychischen oder körperlichen Erkrankungen vorkommen. Zur Behandlung von Schlafstörungen stehen neben der Therapie der Grunderkrankung, die bei sekundären Schlafstörungen primär erfolgen sollte, und verhaltenstherapeutischen Methoden verschiedene Medikamente zur Verfügung. Die Einsatzmöglichkeiten dieser Medikamente sind jedoch gerade bei älteren Patienten durch ihre unerwünschten Wirkungen, vor allem auf vegetative und kognitive Funktionen, eingeschränkt. Als alternatives Schlafmedikament für ältere Menschen wurde wegen der fehlenden anticholinergen Wirkung und da keine negativen Effekte auf die kognitive Leistungsfähigkeit bekannt sind, das Benzamid-Derivat Tiaprid in einer Pilotstudie untersucht. Es zeigte dabei eine mit Lormetazepam vergleichbare Wirkung auf das subjektive Schlafempfinden. Ziel der vorliegenden Studie war es daher, diese Ergebnisse polysomnographisch abzusichern und mögliche unerwünschte Wirkungen zu erfassen. Als Vergleichssubstanz diente erneut Lormetazepam, ein seit langem gegen Schlafstörungen eingesetztes Benzodiazepin. Es wurden 29 gerontopsychiatrische Patienten der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsklinik Gießen im Schlaflabor der Klinik in einer Doppelblindstudie untersucht. Die Patienten erhielten in randomisierter Reihenfolge Tiaprid (150 oder 300 mg), Lormetazepam (0,5 oder 1 mg) und Plazebo. Für jede Bedingung wurden zu je einer Nacht polysomnographische und subjektive Schlafdaten erhoben, sowie Befragungen bezüglich der subjektiven Befindlichkeit durchgeführt. Die kognitive Leistungsfähigkeit wurde mittels Reaktionszeitaufgaben und einer Labyrinth-Lernaufgabe untersucht. Weder in den subjektiven noch in den objektiven, polysomnographisch gemessenen Schlafparametern zeigte sich ein positiver Effekt des Tiaprid als Schlafmedikament, während sich die erwarteten Effekte des Lormetazepam mit einer Verbesserung der Schlafzeit, Schlafeffizienz, dem Anteil and Stadium zwei an der Schlafperiode und einer Verringerung der Wachzeit, Vermehrung der Bewegungszeit und Reduktion der REM-Dichte nachweisen ließen. Es fanden sich keine Auswirkungen beider Medikamente auf die allgemeine Befindlichkeit oder basale Kreislaufparameter. Die kognitive Leistungsfähigkeit war unter Lormetazepam in Bereich des Arbeitsgedächtnisses vermindert. Unerwarteterweise fand sich auch für Tiaprid eine Störung kognitiver Funktionen, die wahrscheinlich auf eine reduzierte Konsolidierung von Gedächtnisinhalten im Schlaf zurückzuführen war.Da die Ergebnisse der Schlafuntersuchungen in deutlichem Gegensatz zu den in der Pilotstudie gefundenen Tiaprid-Wirkungen standen, wurden verschiedene methodische Faktoren der vorliegenden Studie als mögliche Einflussfaktoren untersucht: weder durch geringe Störungen in der Ausbalancierung der Messreihenfolge des Cross-over-Designs, noch durch die Inhomogenität der Stichprobe konnte die fehlende Wirkung des Tiaprid erklärt werden. Eine Wirksamkeit in einer höheren Dosis von mindestens 300 mg konnte durch die Ergebnisse der Studie jedoch nicht ausgeschlossen werden. Als Erklärung für die Diskrepanz zu den Ergebnissen der Pilotstudie muss schließlich auch eine Abweichung vom strengen Cross-over-Design in der Pilotstudie in Betracht gezogen werden. Einen unerwarteten Befund erbrachte die Untersuchung der Korrelation subjektiver und objektiver Schlafparameter, die unter Tiaprid deutlich besser war, was für eine genauere Wahrnehmung des eigenen Schlafs unter diesem Medikament spricht. Ob sich hieraus eine klinische Anwendbarkeit, zum Beispiel zur Behandlung der Fehlwahrnehmung des Schlafzustandes, ableiten ließe, könnte Gegenstand weiterer Studien sein.

Verknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen

Beschreibung

Anmerkungen

Erstpublikation in

Erstpublikation in

Sammelband

URI der Erstpublikation

Forschungsdaten

Schriftenreihe

Zitierform