Historisch ist Namibias Uranabbau als Fluch zu betrachten. Südafrikas lange Besatzung galt hauptsächlich dem strategischen Rohstoff Uran, u.a. sind die Folgen der Apartheid auch heute noch deutlich spürbar.Die SWAPO änderte ihre negative Einstellung gegenüber dem Uranabbau nach der Machtergreifung 1990. Heutzutage wird der Uranabbau, v.a. seitens der Regierung als Segen betrachtet.Die Intensivierung von Bergbauprojekten zur Förderung von Uran seit 2007 beflügelt den wirtschaftlichen Aufschwung der Erongo Region. Die Genehmigungen und EPL Vergaben in ökologisch wertvollen Gebieten unterstreichen das finanzielle Bestreben der Regierung, diesen Aufschwung voranzutreiben. Die Vergabe von EPLs an und in den Gebieten der beiden wichtigsten Aquifere Erongos, wie auch die Genehmigung des Gecko Parks in Swakopmund, offenbart, dass dabei wenig Rücksicht auf die Bevölkerung genommen wird. Die geplanten Superlativen einzelner Projekte (längstes Fließband, größtes Gaskraftwerk, größte Heap Leach Anlage etc.) scheinen in einem der am dünnsten besiedelten Länder maßlos überdimensioniert. Die kleine Bevölkerung von etwa zwei Millionen am, durch den Abbau und Export von Bodenschätzen verdienten, Reichtum teilhaben zu lassen, gelingt der Regierung Namibias offensichtlich nicht. Der immense Ressourcenverbrauch der Uranindustrie äußert sich in steigenden Energie-, Wasser- und Dieselkosten. Während die Infrastruktur für Minenprojekte verbessert wird, scheint der Ausbau der sozialen Infrastruktur zweitrangig, wie der Druck auf die öffentlichen Institutionen zeigt.Bisher mangelt es an Überwachung der zu erfüllenden Auflagen und der institutionelle Rahmen bezüglich des Uranabbaus zeigt sich defizitär. Die aktuelle Energiekrise in Namibia und die verzweifelte Suche nach raschen Alternativen ist das Ergebnis fehlgeleiteter nationaler Energiepolitik.Der Uranabbau in Erongo beeinflusst viele Bereiche des Lebens ökonomisch, ökologisch sowie sozial, in verschiedenen Maßstäben und Zeitskalen.Positive Auswirkungen des Uranium Rushs sind u.a.:- Staatliche Einnahmequellen- Zulieferindustrien- Arbeitsplätze- Soziale Programme- Ausbau der InfrastrukturIn die Uranindustrie Involvierte und ihr Außenstehende werden unterschiedlich stark beeinflusst. Die Beteiligten profitieren von einem gehobenen Lebensstandard, meist auf Kosten erhöhter gesundheitlicher Risiken. Die Interessen Außenstehender werden kaum berücksichtigt. 87,5% der Bevölkerung Namibias sind gegen die Nutzung nuklearer Energiequellen. Interessant wäre eine Umfrage, wie viele Namibier gegen den Uranabbau sind, da dieser die Stufe des Nuclear Fuel Cycle ist, indem am meisten Radioaktivität freigesetzt wird. Während die positiven Aspekte nur einen kleinen Teil der Bevölkerung betreffen, sind die negativen Aspekte umfassender und überwiegen:- Ökologische Langzeitschäden- Ökonomische Konflikte mit Fischerei und Tourismus- Wasser- und Energiemangel- Druck auf die soziale Infrastruktur- Druck auf die Verkehrsinfrastruktur- Gesundheitliche RisikenProbleme und Nutzen unterscheiden sich hinsichtlich des Betriebs und der Stilllegung der Uranminen. Nach dem Erliegen des Uranabbaus entfallen nicht nur die positiven Aspekte. Zusätzlich werden neue, negative Aspekte geschaffen.Da die Projekte mit wenig Rücksicht auf die Umwelt betrieben und weniger intensiv überwacht werden, wie in Gutachten gefordert, werden unvermeidbare ökologische Schäden und die ökonomische Dimension der Sanierungen sehr wahrscheinlich größer sein, als anfangs vermutet. Der temporär beschränkte finanzielle Nutzen des Uranabbaus stellt sich als äußerst fragwürdig dar. Darüber hinaus wird er der Nachhaltigkeit touristischer Sektoren, die sich gerade in einer positiven Entwicklungsphase befinden, und der Fischereiindustrie entgegenwirken. Da die Fischerei ihre Limitation aufgrund sinkender Fangquoten wohl bereits erreicht hat, liegt das größte nachhaltige Zuwachspotential eindeutig im Tourismussektor.Aufgrund hoher finanzieller Aufwendungen, derer eine ökologisch korrekte Nachsorge der Minen bedürfte, und anderer, nur teilweise absehbarer Folgewirkungen auf Flora, Fauna und Bevölkerung, entstehen ökonomische Defizite, davon abgesehen, dass die Einnahmequellen aufgrund der Schließungen um 2030 sowieso versiegen müssen.Unzweifelhaft bringen die Uranminen kurzfristigen ökonomischen Wohlstand und dienen der infrastrukturellen Entwicklung der Erongo Region. Die soziale Kluft kann aber sehr wahrscheinlich weder durch soziale Programme, noch durch die wenigen Arbeitsplätze in den Uranminen deutlich verringert werden. Zusätzlich werden mit größtmöglicher Wahrscheinlichkeit dauerhaft nachhaltige Entwicklungsperspektiven des Landes massiv beeinträchtigt.
Verknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen