Die Knochenpathologien im Kieferbereich stellen nach wie vor eine diagnostische und therapeutische Herausforderung dar.27 Dabei nehmen die malignen Tumoren, beispielsweise das Mundhöhlenkarzinom, einen besonderen Stellenwert ein. Eine genaue Diagnostik und somit Kenntnis der Erkrankungsprogression ist eine Voraussetzung für die Einleitung von Therapieansätzen, die die Prognose verbessern.23 Während der Tumoroperation ist der intraoperative Schnellschnitt nur für Weichgewebe möglich.44 Die Schnellschnittbeurteilung des Knochens ist derzeit noch nicht verfügbar.58 Hierzu könnte die hochpräzise radiologische flat-panel-Volumen- CT(fpVCT)-Aufnahme des Kieferresektates intraoperativ die diagnostische Lücke schließen.58Das Hauptziel dieser Arbeit ist der Vergleich zweier diagnostischer Methoden. Der histopathologische Befund einer Knochenpathologie wird dabei dem radiologischen Befund mittels des fpVCTs (flat panel Volumen-CT) gegenübergestellt. Derzeit stellt der histopathologische Befund den Goldstandard dar und dient als Vergleichsgrundlage für die Ermittlung der Detailgenauigkeit des fpVCTs.2, 33, 70 Hierzu wurden die Tumorinfiltration im Knochen und die Absetzungsränder von Kieferresektaten untersucht. Weiterhin wurde der Vergleich der histopathologisch und radiologisch ermittelten Tumorausdehnung in zwei definierten Ebenen vermessen. Für diese Untersuchungsreihe wurden insgesamt 47 Ex-vivo-Präparate nach der chirurgischen Resektion der pathologischen Kieferbereiche sowohl radiologisch mittels der fpVCT- Aufnahme als auch histopathologisch auf Tumorinfiltration und Tumorfreiheit der Absetzungsränder beurteilt. Die Ausdehnung des malignen Prozesses wurde anhand von 27 Ex-vivo-Präparaten in der craniocaudalen und anhand von 30 Ex- vivo-Präparaten in der anterior-posterioren beziehungsweise mesiolateralen Ebene gemessen.Es besteht zwischen der radiologisch im fpVCT ermittelten Knocheninfiltration und der im Anschluss erfolgten histopathologisch ermittelten Knocheninfiltration eine Übereinstimmung von 95,7 %. Die Untersuchung der Absetzungsränder der 47 Ex- vivo-Präparate zeigt eine Übereinstimmung von 100 % für die R0- und R1-Resektion. Diese hohe Übereinstimmung zwischen der radiologischen und histopathologischen Untersuchungsreihe ist statistisch signifikant. Der Vergleich der durchschnittlichen Tumorausdehnung weist aufgrund des unterschiedlichen Wachstumspotenzials und der Aggressivität keine Normalverteilung auf. Die histopathologisch ermittelten metrischen Durchschnittswerte sind kleiner als die radiologischen Vergleichswerte. Die Bland- Altman-Analyse verdeutlicht, dass tendenziell bei einer größeren Tumorausdehnung die Differenz zwischen beiden diagnostischen Methoden geringer wird. Bei sehr großen Werten ist eine Umkehr dieses Verhältnisses erkennbar. Die radiologisch ermittelten Werte sind dementsprechend kleiner als die histopathologischen. Die Genauigkeit der radiologischen Messung hängt mit der Größe der Knochenpathologie zusammen.Die Ergebnisse veranschaulichen, dass die knöcherne Infiltration und die Tumorfreiheit der Absetzungsränder erkannt werden können. Die Bestimmung der Ausdehnung der Knochenpathologie in zwei Ebenen sollte aufgrund der geringen Anzahl an Messwerten unter Vorbehalt betrachtet werden. Die intraoperative Diagnostik der Absetzungsränder kann unter Einhaltung des Sicherheitsabstands als diagnostisches Mittel verwendet werden. Damit steht ein direktes Kontrollwerkzeug unmittelbar nach und während der Operation im Sinne eines radiologischen Schnellschnittes zur Verfügung. Jedoch kann man auf die histopathologische Untersuchung der Absetzungsränder keinesfalls verzichten. Dieses Ergebnis steht jedoch, aufgrund des technischen Vorgangs erst nach Entkalkung der knöchernen Strukturen im Präparat zur Verfügung.15, 16, 44 Damit können unter intraoperativer Anwendung der radiologischen Methode knöcherne Tumoren des Mund-, Kiefer- und Gesichtsbereichs sicherer, primär vollständig im Gesunden entfernt werden.
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