Patienten, die an einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung (CED) leiden, haben ein erhöhtes Risiko für die Entstehung von Dysplasien und bösartigen Tumoren im Dickdarm. Bei Vorliegen einer Pancolitis ulcerosa wurde ein kumulatives Risiko für die Entstehung von Darmkrebs von bis zu 18 % nach 30 Jahren Krankheitsdauer beschrieben2.Matrix Metalloproteinasen (MMPs) sind zinkbindende Endopeptidasen die fast alle Komponenten der extrazellulären Matrix abbauen können. Dadurch nehmen sie eine zentrale Rolle bei vielen physiologischen und pathologischen Prozessen ein. Eine erhöhte Expression von MMPs konnte bei vielen bösartigen Tumoren nachgewiesen werden 100.Beim kolorektalen Karzinom (KRK) konnte in früheren Studien unter anderem eine erhöhte Expression von MMP-1, MMP-2, MMP-7 und MMP-13 nachgewiesen werden 100,156. Sowohl bei den CED, als auch bei adenomatösen Polypen wird MMP-7 und MMP-13 vermehrt exprimiert 6. Unklar blieb, ob die erhöhte Expression im Rahmen der CEDs nur ein Resultat der zuerst benignen Entzündung darstellt, oder bereits ein erstes Anzeichen für eine maligne Transformation darstellt. Dies ist deshalb von großem Interesse, weil die maligene Transformation im Rahmen einer CED direkt in der entzündeten Schleimhaut ohne die Zwischenstufe des Adenoms abläuft 140.In unserer Kohortenstudie, die mit Patienten des Universitätsklinikums Stavanger, Norwegen, durchgeführt wurde, haben wir die Bedeutung der MMPs bei Vorliegen einer CU näher untersucht. Im Rahmen einer Koloskopieuntersuchung wurden Gewebeproben von einem Schleimhautabschnitt mit den stärksten Entzündungsveränderungen (Krankproben) und von einem Abschnitt mit normaler oder leicht entzündeter Schleimhaut (Referenzproben) entnommen. Die Expression der untersuchten MMPs wurde auf Genniveau mittels RT-PCR bestimmt und dabei jeweils eine Krankpobe mit einer patientinternen Referenzprobe verglichen. Wir konnten nachweisen, dass die relative Genexpression von MMP-1, MMP-7, MMP-13 und MMP-19 bei Vorliegen einer CU in den Krankproben, im Vergleich zu den Referenzproben, erhöht ist. Im Falle von MMP-7 wurde die Expression mittels ELISA auch auf Proteinniveau bestimmt. Wir konnten hier die Ergebnisse der relativen mRNA-Expression bestätigen und fanden eine erhöhte Proteinmenge von MMP-7 in den Krankproben.Ob besonders hohe Werte der relativen MMP-Genexpression bereits einen Hinweis auf eine beginnende maligne Transformation darstellen, konnte im Rahmen der vorliegenden Studie aufgrund fehlender Gewebeproben mit Dysplasieveränderungen nicht beantwortet werden.Für MMP-28 fanden wir eine Erniedrigung der relativen Genexpression in den Krankproben. Im Gegensatz zu vielen anderen MMPs wird MMP-28 in gesunder Darmschleimhaut relativ hoch exprimiert. Es scheint bei der epithelialen Wundheilung von Bedeutung zu sein. Mit Hilfe immunhistochemischer Färbungen haben wir den zellulären Ursprung von MMP-13 und MMP-28 ermittelt. MMP-13 konnten wir den Endothelzellen der Blutgefäße in der Darmmucosa zuordnen. In der untersuchten Krankprobe waren deutlich mehr kleine Blutgefäße als in der Referenzprobe und dadurch mehr MMP-13 Signale vorhanden. MMP-28 konnten wir den Epithelzellen der Darmschleimhaut zuordnen. Auffällig war dabei die deutliche Anreicherung von MMP-28 auf der lumennahen Seite der Epithelzellen. Immunhistochemisch war in der Krankprobe deutlich weniger MMP-28, als in der Referenzprobe nachweisbar. Dies bestätigt die Ergebnisse der Bestimmung der relativen Genexpression.
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