Minimalinvasive fetoskopische Chirurgie bei Spina bifida aperta (SBA) stellt einen neuen therapeutischen Ansatz zur Sicherung der neurologischen Funktion, durch eine Deckung der freiliegenden Strukturen, dar. Dieser vielversprechende Ansatz bringt ein erhöhtes maternales Risiko für die Entwicklung eines perioperativen Lungenödems mit sich. Die zugrundeliegende Ursache ist unklar, Risikofaktoren sind: Tokolyse, Narkotika und Schwangerschaft. Das anästhesiologische Management ist von zentraler Relevanz für den erfolgreichen Verlauf der Prozedur. Wir untersuchten, ob das Gießen-Protokoll für SBA-Eingriffe (GPSPA) einen präventiven Einfluss auf die Entwicklung des maternalen Lungenödems aufweist, eine sichere maternale und fetale Anästhesie ermöglicht und eine suffiziente Uterusrelaxation erlaubt. In dieser retrospektiven Studie beschreiben wir die Anwendung und die Ergebnisse des GPSPA bei perkutaner fetoskopischer Deckung bei 61 materno-fetalen Paaren. Das perioperative hämodynamische Management basierte auf dem PiCCO-System. Die Diagnose eines maternalen Lungenödems wurde gestellt, wenn das extravaskuläre Lungenwasser (EVLW) 10 ml/kg überschritt und/oder Dyspnoe, schaumiger Auswurf, Tachykardie oder auskultatorisch feuchte, grobblasige Rasselgeräusche auftraten. 59 Patienten wurden letztendlich in die Untersuchung eingeschlossen. Keine Patientin wies intraoperativ ein Lungenödem auf. Am ersten postoperativen Tag trat in 6 von 40 Fällen (15%) ein Lungenödem auf. Eine Patientin entwickelte klinische Zeichen eines Lungenödems. Es wurden keine maternalen oder fetalen Todesereignisse oder Plazentaablösungen beobachtet. Die chirurgische Intervention konnte ohne Wehentätigkeit durchgeführt werden. Die Nutzung eines MAC < 1 (Desfluran) erlaubte gegenüber vorbestehender Annahmen, eine ausreichende maternale und fetale Anästhesie, eine suffiziente Uterusrelaxation wurde durch die Kombination von präoperativem Atosiban und der kontinuierlichen intraoperativen Applikation von Remifentanilerreicht. Keine Patientin benötigte eine postoperative Notfalltokolyse bei Wehen. Die Reduktion des volatilen Anäs-thetikums und einer zielgerichteten Volumen-/Vasopressortherapie, basierend auf dem PiC-CO-System, sicherte eine stabile perioperative Hämodynamik und reduzierte das Risiko des maternalen Lungenödems. Das GPSPA bietet sichere Bedingungen der Allgemeinanästhesie während komplexer minimalinvasiver fetoskopischer Interventionen und stellt eine sichere Option für das materno-fetale Management in dieser Risikopatientengruppe dar.
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