Determinanten des Erlebens und Verhaltens in und nach sozialen Situationen bei Personen mit Sozialer Angststörung

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Die antizipatorische Verarbeitung sozialer Situationen und Post-Event Processing (PEP) im Anschluss an soziale Situationen sind nach Clark und Wells (1995) relevante störungs-aufrechterhaltende Mechanismen der Sozialen Angststörung (Social Anxiety Disorder; SAD). In zwei standardisierten Verhaltenstests (1. Interaktion mit einer unbekannten gegengeschlechtlichen Person, 2. Rede vor Publikum) wurden diese Mechanismen in der vorliegenden Arbeit untersucht.In Studie 1 wurde überprüft, ob SAD-Patienten (N=102) eine stärkere antizipatorische Angstreaktion vor sozialen Situationen zeigen als gesunde Personen (N=20) und ob dysfunktionales Verhalten und Performanz in der tatsächlichen Situation durch die antizipatorische Angstreaktion vorhersagbar sind. Erwartungsgemäß zeigte die SAD-Gruppe eine signifikant stärkere antizipatorische Angstreaktion in Form dysfunktionaler Kognitionen, erlebter Angst und wahrgenommenen sowie tatsächlichen physiologischen Arousals als die gesunde Kontrollgruppe, unabhängig von der Art der Situation. Ebenfalls hypothesenkonform berichtete die SAD-Gruppe signifikant mehr dysfunktionales Verhalten (Sicherheitsverhalten, Selbstaufmerksamkeit) in beiden Situationen. Entgegen der Erwartungen war die Performanz der SAD-Gruppe nur in der Interaktion, nicht aber in der Rede, signifikant schlechter als die der Kontrollgruppe, sowohl in der Selbstbewertung als auch in der Bewertung durch objektive Beobachter. Dieses Performanzdefizit der SAD-Patienten in der Interaktion könnte auf die hohe interpersonelle Komplexität und geringe Strukturiertheit einer sozialen Interaktion zurückzuführen sein, was spezifisch für sozial ängstliche Personen problematisch zu sein scheint. Sicherheitsverhalten und Selbstaufmerksamkeit in beiden Situationen waren vorhersagbar durch die Intensität antizipatorischer dysfunktionaler Kognitionen, während erlebte Angst, wahrgenommene Körpersymptome und tatsächliches physiologisches Arousal während der Antizipation keinen substantiellen Beitrag leisteten. Die Vorhersage der subjektiv und objektiv bewerteten Performanz divergierte zwischen den Situationen. Die subjektive Performanz in der Interaktion war vorhersagbar durch die Intensität antizipatorischer dysfunktionaler Kognitionen, die subjektive Performanz in der Rede durch das Ausmaß der antizipatorisch erlebten Angst. Die objektiv bewertete Performanz in der Interaktion war nur schwach durch die antizipatorische Angstreaktion vorhersagbar, wobei die Intensität antizipatorischer dysfunktionaler Kognitionen der einzig signifikante Prädiktor war. Die objektiv beurteilte Performanz in der Rede konnte nicht durch die antizipatorische Angstreaktion erklärt werden.In Studie 2 wurde untersucht, inwieweit PEP bei SAD-Patienten (N=91) durch dispositionale und situative Faktoren vorhersagbar ist. Konsistent für beide soziale Situationen erwiesen sich die Intensität dysfunktionaler Kognitionen und das Ausmaß erlebter Angst in der Situation als signifikante Prädiktoren für PEP, erfasst am Tag nach den Verhaltenstests. Wahrgenommene Körpersymptome, Sicherheitsverhalten, Selbstaufmerksamkeit und subjektiv bewertete Performanz in der Situation waren zwar signifikant mit späterem PEP in erwarteter Richtung korreliert, sagten dieses aber nicht vorher. PEP war zudem nicht vorhersagbar durch das Ausmaß einer dispositionalen Ruminationstendenz, unabhängig davon, ob situative Variablen als potenzielle Prädiktoren ebenfalls berücksichtigt wurden oder nicht. Soziale Ängstlichkeit war nur für PEP infolge der Interaktion prädiktiv, und nur solange situative Variablen nicht berücksichtigt wurden. Dispositionale Selbstaufmerksamkeit war ein - wenn auch schwacher - signifikanter Prädiktor für PEP infolge der Rede, auch wenn situative Variablen berücksichtigt wurden. Vermutlich intensiviert ein erhöhtes Maß an dispositionaler Selbstaufmerksamkeit die kognitiv-emotionale Angstreaktion in sozialen Situationen, in denen die Person stark im Fokus der Aufmerksamkeit anderer steht, indem sie die Selbstaufmerksamkeit in der Situation erhöht. Insgesamt betrachtet, kann PEP - unabhängig von der Art der sozialen Situation - primär als verlängerte situative kognitiv-emotionale Angstreaktion verstanden werden, zumindest wenn am Tag nach der Situation erfasst.Die Arbeit belegt, dass dysfunktionalen Kognitionen und erlebter Angst vor und in sozialen Situationen zentrale Bedeutung bei der Aufrechtherhaltung der SAD zukommt. Implikationen für die Therapie der SAD werden diskutiert.

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