Die vorgelegten Untersuchungen über den 'Einfluss von Stressfaktoren auf die Glycerin-Bildung und -Sekretion am Beispiel Weinhefen'führten zu folgenden, bedeutenden Erkenntnissen: Die intrazelluläre Akkumulation von Glycerin in Weinhefestämmen ist als Stressantwort auf die Gärtemperatur, den Alkoholgehalt und dieNährstoffverfügbarkeit mit abfallender Bedeutung zu interpretieren. Eine geringfügige Überproduktion von GPD1 bzw. eine Reduktion vonFPS1 (ohne Beeinflussung des extrazellulären Glyceringehaltes) könnte die Stabilität der Weinhefen erhöhen. Eine schleppende oderverzögernde Gärung bei niedrigeren Gärtemperaturen ist mit dem Mangel an Akkumulation von intrazellulärem Glycerin verbunden. Die Überexpression von GPD1 in den Weinhefestämmen (K1m, 522, 71B) zeigen, dass trotz des allmählichen Plasmidverlustes eineerhöhte Glycerinbildung festgestellt werden. Einhergehend mit der erhöhten Glycerinbildung konnte eine verstärkte Bildung vonAcetaldehyd nachgewiesen werden. Da Acetaldehyd einen negativen sensorischen Einfluss auf den Wein ausübt und derHauptbindungspartner von SO2 ist, ist diese Nebenaktivität für die moderne Kellerwirtschaft nicht erwünscht. Aus den Ergebnissen der Drop-Test-Untersuchungen konnte aufgezeigt werden, dass der Hefestamm CEG gegenüber osmotischemDruck hypersensitiv reagiert, was begründet, dass dieser Stamm als langsam gärender Stamm mit Tendenz zu steckengebliebenenWeinen in der praktischen Weinbereitung bekannt ist. Aus den Untersuchungen mit den Deletionsstämmen gpd1deltagpd2delta, gpp1deltagpp2delta undgpd1deltagpd2deltagpp1deltagpp2delta zeigte sich, dass ein Zellwachstum der Deletionsstämme in Traubenmost mit einhergehenderreduzierter Glycerinbildung erfolgte. Aus diesen Erkenntnissen kann die Schlussfolgerung gezogen werden, dass eineTranshydrogenase-Aktivität unter anaeroben Bedingungen in Saccharomyces cerevisiae existiert. Die metabolische Effektivität diesesSachverhaltes wurde eingehend diskutiert. Für die Zukunft lässt sich anhand dieser Ergebnisse festhalten, für eine industrielle Produktion eines glycerinbildenden Stammes beigleichzeitiger Optimierung der sekundären Gärungsprodukten ist u.a. ein integriertes Plasmid mit GPD1 Überexpression und eineInaktivierung von ALD6 notwendig, um den oeonologischen Ansprüchen gerecht zu werden. Weiterhin ist die genaue Zuordnung derKofaktoren NAD/NADH2 und NADP/NADPH2 zu den einzelnen Reaktionsvorgängen unter aeroben und anaeroben Bedingungennotwendig. Aus all diesen Erkenntnissen zeigt sich, dass die Betrachtung einzelner biochemischer Reaktionen nur einen begrenzten Einblick inSaccharomyces cerevisiae Hefen geben. Anhand der dargestellten Ergebnisse wurde der Begriff 'genetische Black Box' fürSaccharomyces cerevisiae, speziell wenn oenologische Fragestellungen betrachtet werden, bestätigt.
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