Bisher liegen keine fundierten klinischen Studien zur Effektivität stationärer psychodynamischer Kurzzeit-Therapie (KZT) vor. Mögliche Einflussfaktoren auf das langfristige Therapieergebnis wie die Dauer einer stationären Psychotherapie, ambulante Nachbehandlungen oder Ereignisse im Katamnesezeitraum fanden bisher wenig Beachtung. Die Katamnesezeiträume beschränkten sich in bisherigen Studien zumeist auf sechs bis 12 Monate. In dieser Studie wurden erstmals die kurz- und langfristigen Ergebnisse einer stationären psychodynamischen KZT über drei Jahre mit insgesamt vier Messzeitpunkten erhoben und mit denen einer stationären Langzeit-Therapie (LZT) verglichen. Dies ermöglicht die Prüfung der langfristigen Stabilität des Therapieerfolges. Als Einflussvariablen wurden Krankheits- und interpersonale Merkmale bei Aufnahme, ambulante Nachbehandlungen und Ereignisse im Katamnesezeitraum auf ihren Zusammenhang zum Therapieerfolg getestet.
Zusammenfassend waren die kurz- und langfristigen Effekte einer stationären psychodynamischen KZT vergleichbar mit den Effekten einer stationären LZT. Die Effektstärken lagen im mittleren und oberen Bereich zwischen .95 und 1.17 in der KZT und zwischen .43 und .86 in der LZT. Erfreulich war die hohe Stabilität des Therapieerfolges über drei Jahre nach Entlassung. Die KZT erscheint der LZT leicht überlegen. Man muss jedoch berücksichtigen, dass es sich bei den KZT-Patienten um weniger komplexe und chronifizierte Störungen handelte. Es ließen sich eindeutige Vorhersagemerkmale für das langfristige Therapieergebnis finden. Negative Prädiktoren waren eine lange Erkrankungsdauer, maladaptive Beziehungs- und Kommunikationsmuster, negative berufliche Veränderungen im Katamnesezeitraum, sowie das Fehlen einer vertrauten Person. Durch diese Variablen ließen sich 47% der Varianz aufklären. Explorative Auswertungen deuteten darauf hin, dass diejenigen Studien-Teilnehmer mit interpersonalen Problemen und dysfunktionalen Objektbeziehungen auch eher negative berufliche Veränderungen erlebten und seltener eine vertraute Person hatten.
Patienten der KZT nahmen ebenso viel ambulante Nachbehandlung in Anspruch wie Patienten der LZT. Die Inanspruchnahme ließ sich jedoch nicht durch das psychologische Funktionsniveau vor Aufnahme vorhersagen und hatte keinen Einfluss auf das langfristige Therapieergebnis.
Die Studie lieferte Hinweise auf mögliche differentielle Zuweisungskriterien zu stationärer KZT und LZT, die in künftigen Studien überprüft werden sollten. Die Bedeutung interpersonaler Merkmale für den Behandlungserfolg wurde unterstrichen. Da ein Teil des langfristigen Therapieerfolges mit Ereignissen im Katamnesezeitraum zusammenhing, sollten in zukünftigen Studien auch Ereignisse nach Entlassung bei der Wirksamkeitsbeurteilung berücksichtigt werden. Weitere Forschung ist zur Inanspruchnahme ambulanter Nachsorge nötig.
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