Selbstwertkontingenz und Emotionsregulation im Lernprozess : die Regulation von Traurigkeit als Determinante für Leistung und depressive Symptome

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2019

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Eine geringe Emotionsregulationsfähigkeit und hohe Selbstwertkontingenz gelten als Vulnerabilitätsfaktoren für die Entwicklung depressiver Symptome. Es fehlen jedoch Studien zum Einfluss solcher Vulnerabilitätsfaktoren auf die Dynamik einzelner depressiver Symptome (intraindividuelle Veränderungen). Ziel der ersten Studie dieser Arbeit war es daher, Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie sich die beiden Trait-Merkmale Selbstwertkontingenz und Emotionsregulation auf die Emotion Traurigkeit bei akademischem Stress auswirken und so das Depressionsrisiko erhöhen. Hierzu wurde eine Tagebuchstudie durchgeführt, in der 156 Studierende während einer Prüfungsphase über 10 Tage hinweg Angaben zu ihrer Traurigkeit am Abend sowie dem Auftreten von akademischen Stressoren und ihrem Selbstwert während des Tages machten. In einer Baselinemessung wurden depressive Symptome, die allgemeine Traurigkeit, die akademische Kompetenzkontingenz des Selbstwertes und die habituelle Emotionsregulation erfasst. In einer Postmessung wurde erneut die depressive Symptomatik abgefragt. Im Pfadmodell konnte gezeigt werden, dass die Dreifachinteraktion aus Stressbelastung, dysfunktionaler Emotionsregulation und Selbstwertkontingenz mediiert über die Zunahme von Traurigkeit zu einer Erhöhung der depressiven Symptome führte. Die mehrebenen-analytische Auswertung der Tagebuchdaten zeigte, dass auf intraindividueller Ebene der Anstieg der Stressoren zu einem Anstieg der Traurigkeit führte und dieser Prozess zum Teil über das Absinken des Selbstwertes mediiert war. Es gab jedoch keine Evidenz dafür, dass der Effekt der Stressoren auf die Selbstwerthöhe (intraindividuelle Ebene) durch die Selbstwertkontingenz (interindividuelle Ebene) moderiert ist. Der Effekt des Selbstwertabsinkens auf den Anstieg der Traurigkeit war in 90 % der Schätzungen in der Posteriorverteilung umso stärker, je höher die dysfunktionale Emotionsregulation ausgeprägt war (Cross-Level-Effekt). In einer zweiten Studie wurde untersucht, inwieweit es differentielle Effekte zwischen den Emotionsregulationsstrategien Umbewertung, Distraktion und Rumination auf Gedächtnisprozesse gibt. Im Experiment wurde bei 103 Studierenden durch eine unlösbare Aufgabe Misserfolg und Traurigkeit hervorgerufen. Anschließend wurde in randomisierter Form Rumination, Distraktion oder Umbewertung induziert. Zu Beginn des Experiments und nach der Strategie-Induktion wurde die Konzentrationsfähigkeit erfasst. Außerdem wurde zu drei Zeitpunkten die aktuelle Traurigkeit abgefragt und nach dem zweiten Konzentrationstest die Merkfähigkeit gemessen. Es gab einen signifikanten Mediationseffekt der Traurigkeitsreduktion auf die Merkfähigkeit durch eine verbesserte Konzentrationsleistung. Außerdem zeigte sich, dass Studierende, die angewiesen wurden, ihren Misserfolg umzubewerten, eine bessere Konzentrationsleistung zeigten als solche, die sich ablenkten oder ruminierten. Da Distraktion zu einer stärkeren Traurigkeitsreduktion führte als Rumination, es aber keinen signifikanten Unterschied in der Konzentrationsleistung gab, wird Distraktion als kurzfristig adaptive Strategie im akademischen Kontext diskutiert.

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