Ersttrimesterscreening im Zeitalter der zellfreien DNA - Einführung der zellfreien DNA-Tests in der Pränataldiagnostik am Universitätsklinikum Gießen
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Zusammenfassung
Ziel der hier vorliegenden Arbeit war es, die im Jahre 2012 bis 2015 vorstelligen Patientinnen, im Institut für Pränatalmedizin am Universitätsklinikum Gießen, aufzuarbeiten. Die hier eingeschlossenen Frauen waren alle schwanger und bezüglich eines ETS vorstellig. Ausgewertet wurde das Patientenkollektiv und die Ergebnisse des ETS in Bezug auf Anamnese, Patientenalter, Sonographiebefund und dem adjustierten ETS Ergebnis. Diese Daten wurden mit der Indikation einer weiterführenden Diagnostik verglichen. Das Patientenkollektiv wurde in vier Kohorten unterteilt, zum einen in Kohorte 1 die Frauen, die ein komplettes ETS inklusive Biochemie durchführen ließen, in Kohorte 2 wurden die Frauen inkludiert, die zwar ein komplettes ETS erhalten haben, aber die Biochemie ablehnten. In Kohorte 3 fassten wir die Patientinnen zusammen, die sich nach einem bereits extern durchgeführten ETS bei uns vorstellten und an einer weiterführenden Diagnostik bzw. Zweitmeinung interessiert waren. Zur Vollständigkeit haben wir in Kohorte 4 die Mehrlingsschwangerschaften erwähnt – eine vergleichende Analyse ist hier allerdings nicht erfolgt.
Insgesamt wurden 135 weiterführende Untersuchungen durchgeführt, die 20 Chromosomenaberrationen detektiert haben. 14 der 82 invasiven Untersuchungen ermittelten eine Aneuploidie (17,07%) und vier der 53 durchgeführten NIPTs (7,55%). Zwei weitere cfDNA-Tests zeigten ein falsch negatives Ergebnis (3,77%). Da wir in dieser Arbeit leider kein Outcome der untersuchten Frauen ermitteln konnten, stellt sich weiterhin die Frage, wie viele weitere falsch negative cfDNA-Test-Ergebnisse übersehen wurden. Im Verhältnis waren es bei den durchgeführten invasiven Untersuchungen deutlich mehr, die eine Aneuploidie nachwiesen. Dies mag natürlich auch daran liegen, dass der Einsatz einer invasiven Untersuchung für die Schwangeren mit deutlich mehr Risiken einhergeht und daher genauer überdacht wird, als ein cfDNA-Test, der mittels einfacher Blutanalyse ein Ergebnis liefert. In dieser Arbeit konnte aber auch gezeigt werden, dass die Ergebnisse der NIPTs trotzdem nicht immer valide sind und, bei anhaltendem klinischen Verdacht für eine Aneuploidie, durch eine invasive Diagnostik verifiziert werden sollten.
Selbstverständlich ist es zu dieser Zeit auch eine Kostenfrage gewesen einen solchen Test durchzuführen. Für die werdende Mutter wurden die Kosten der invasiven Untersuchung nicht von den Krankenkassen übernommen und lieferten ein deutlich sensitiveres Ergebnis. Allerdings darf man hier ein mögliches Abort- bzw. Infektionsrisiko nicht vergessen, weswegen sich vielleicht insbesondere die älteren Patientinnen, die in einer festeren finanziellen Situation standen primär für die noninvasive Untersuchung entschieden.
Interessant wäre es die Ergebnisse dieser Arbeit mit den aktuellen zu vergleichen – hier müsste der Kostenfaktor nicht berücksichtigt werden, da diese Untersuchung mittlerweile durch die Krankenkassen übernommen werden.
Wie in dieser Analyse gezeigt werden konnte, ist die invasive Diagnostik der nonvasiven aber weiterhin überlegen. Daher gilt es zu überdenken, ob bei den Frauen, die bereits eine auffällige Sonographie im ersten Trimester bzw. ein hohes ETS Risiko aufweisen, primär eine invasive Diagnostik erfolgen sollte, da die Ergebnisse des cfDNA-Tests, eine geringere Sensitivität aufweisen. Sowohl ein falsch positiver als auch ein falsch negativer cfDNA-Test ist für die werdende Mutter selbstverständlich eine enorme psychische Belastung.