Frühpostoperative Prädiktoren für Wundheilungsstörungen an der unteren Extremität bei saphenektomierten Aortokoronar-Venösen-Herzbypass-Patienten unter Verwendung von Laser-Doppler und Infrarotthermographie
Trotz der großen Anzahl weltweit durchgeführter Herzbypassoperationen, in Deutschland allein jährlich über 100.000 Operationen, ist die Komplikationsrate bei Entnahme der Vena saphena magna ein bis in jüngster Zeit unterschätztes Problem. Die Datenlage über Wundheilungsstörungen ist noch unzureichend und Ansätze zur Früherkennung unter Nutzung moderner Techniken existieren noch nicht.
Ziel der Arbeit ist es, unter Nutzung des Laser-Dopplerverfahrens und der Infrarotthermographie als moderne Messmittel sowie durch Einbeziehung von Risikofaktoren einer Wundheilungsstörung, frühzeitig Wundheilungs-komplikationen unter Nutzung eines zu entwickelnden Risikoscores zu erkennen und optimal zu therapieren. Die folgenden Risikofaktoren werden dokumentiert und ausgewertet: Nikotinkonsum, Hyperlipoproteinämie, Hypertonie, Diabetes mellitus, LVED > 15 mmHg, Gechlecht, Vorhandensein eines Beinödems, Einnahme von ACE-Hemmern, Betablockern, Aggregationshemmern und Diuretika. Desweiteren wurden BMI, präoperativer Hämatokrit, Alter, Nahtlänge, OP-Dauer, Bypasszeit, Aortenklemmzeit und Rektaltemperatur berücksichtigt. Zentrales Meßinstrument ist der Laser-Doppler, welcher in der Lage ist, tiefenselektiv die Blutflussgeschwindigkeit peripherer Gefäße und die Mikrozirkulation in der Haut und Skelettmuskel zu bestimmen und die Infrarotthermographie, welche ohne direkten Hautkontakt genaue Temperaturdaten liefert.
Es wurden insgesamt 101 Patienten vollständig zuerst präoperativ und danach am zweiten und am achten Tag postoperativ untersucht. Bei 31 Probanden wurde am achten postoperativen Tag eine leichte bis schwere Wundheilungsstörung an der Entnahmestelle der Vena saphena magna dokumentiert. Dies entsprach einer Rate von 31,7%. Als Risikofaktoren konnten die Einnahme von ACE-Hemmern sowie der signifikante Anstieg der Mikrozirkulation im Wundgebiet am Knie in der Wundheilungsstörungsgruppe am zweiten postoperativen Tag im Vergleich zu präoperativ identifiziert werden.
Dies ermöglicht die Berechnung des folgenden Risikoscores mit einer mäßig bis guten Voraussage einer Heilungskomplikation:
Die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten einer Wundheilungsstörung = 1 geteilt durch (1 + e Hoch -z)wobei z = 0,0089 x Proz.Kanal 1 + 1,2627 x - 2,0562 ist.
Unter Berücksichtigung der bisher durchgeführten Studien und deren zum Teil unterschiedlichen Ergebnisse in Bezug auf einflußnehmende Risikofaktoren, können diese Ergebnisse postoperativ zu einer frühzeitigen Diagnostik von Wundheilungsstörungen eventuell schon vor deren klinischem Auftreten genutzt werden.
Verknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen