Exekutive Funktionen sind eine Reihe kognitiver Kontrollprozesse, die für die bewusste Steuerung der Aufmerksamkeit sowie für zielgerichtetes Denken und Handeln benötigt werden. Da sie wichtige Prädiktoren für schulischen Erfolg, Intelligenz, Gesundheit und Lebensqualität sind, erscheint es unabdingbar exekutive Funktionen bereits in der früheren Kindheit zu stärken, um eine bestmögliche individuelle Entwicklung zu gewährleisten. Verschiedene Arten von Trainings zeigten bereits einen positiven Einfluss auf exekutive Funktionen in der Kindheit. Hierbei kristallisierte sich heraus, dass der Erfolg eines Trainings von dessen Rahmenbedingungen beeinflusst wird.Musizieren ist nicht nur eine kognitiv herausfordernde Aktivität, die in hohem Maße exekutive Funktionen beansprucht, sondern beinhaltet auch alle Bedingungen, die für den Erfolg eines Trainings wichtig erscheinen. Daher ist es möglich, dass auch Musizieren eine Aktivität ist, die sich positiv auf die Entwicklung der exekutiven Funktionen auswirkt. Erste Studienergebnisse zeigen bereits Zusammenhänge zwischen musikalischem Training und verschiedenen Komponenten der exekutiven Funktionen und deuten außerdem darauf hin, dass Musizieren zu einer Förderung der exekutiven Funktionen beitragen kann. Zur besseren Prüfung dieser kausalen Zusammenhänge fehlen aber noch Studien mit einem methodisch gut kontrollierten Design. Darüber hinaus zeigen bisherige Studienergebnisse ein uneindeutiges Bild welche exekutiven Funktionen genau von einem musikalischen Training profitieren. Ebenso erscheint unklar, ob es einen bestimmten Aspekt innerhalb eines musikalischen Trainings gibt, der sich insbesondere auf exekutive Funktionen auswirkt oder ob verschiedene Arten musikalischen Trainings unterschiedliche exekutive Funktionen beeinflussen können. Des Weiteren lag der Fokus vorheriger Studien auf den rein analytischen kalten exekutive Funktionen, sodass noch offen ist, inwiefern auch ein Zusammenhang zwischen musikalischem Training und heißen exekutiven Funktionen, welche motivationale und emotionale Komponenten beinhalten, besteht.Das Ziel der vorliegenden Arbeit bestand darin, die aufgezeigten Forschungslü- cken zu schließen und bislang ungeklärte Zusammenhänge zwischen musikalischem Training und exekutiven Funktionen zu prüfen. Hierzu wurden drei Studien konzipiert und durchgeführt, von denen zwei ein musikalisches Training enthielten. Mit Studie 1 sollte insbesondere der kausale Zusammenhang zwischen Instrumentalunterricht als Form musikalischen Trainings und exekutiven Funktionen bei Kindern im Alter von 6 bis 7 Jahren untersucht werden. Darüber hinaus diente diese Studie dazu, herauszufinden, welche Komponenten der exekutiven Funktionen in diesem Alter von einem musikalischen Training profitieren. Studie 2 sollte dazu beitragen, herauszufinden, inwiefern ver- schiedene musikalische Trainings im Vorschulalter unterschiedliche exekutive Funktionen beeinflussen oder ob möglicherweise ein bestimmter Aspekt bzw. ein bestimmtes musikalisches Training exekutive Funktionen besonders effektiv fördern kann. Mit Studie 3 wurde mit zwei verschiedenen Stichproben im späteren Kindes- und jungen Erwachsenenalter geprüft, inwiefern neben den Zusammenhängen zwischen musikalischem Training und kalten exekutiven Funktionen auch Zusammenhänge zwischen musikalischem Training und heißen exekutiven Funktionen bestehen.Die Ergebnisse dieser Arbeit zeigen, dass Instrumentalunterricht spezifische exekutive Funktionen im Kindesalter fördern kann. Des Weiteren weisen die Ergebnisse dieser Arbeit darauf hin, dass insbesondere ein Rhythmustraining positive Auswirkungen auf exekutive Funktionen im Vorschulalter hat. Im Hinblick auf die Frage welche exekutiven Funktionen im Kindesalter gefördert werden erscheint die Vermutung, dass die Beeinflussung verschiedener Komponenten von den jeweiligen Entwicklungsverläufen abhängig ist, naheliegend. Bezogen auf die heißen exekutiven Funktionen deuten die Ergebnisse dieser Arbeit darauf hin, dass diese nicht mit der Menge an musikalischem Training zusammenhängt. Eher scheint das Alter, in dem mit dem Musizieren begonnen wird, ausschlaggebend zu sein, sodass der frühe Beginn des Musizierens positiv mit heißen exekutiven Funktionen assoziiert ist. In diesem Zusammenhang werden noch weitere Studien und neue Messinstrumente zur Erfassung der heißen exekutiven Funktionen benö- tigt, um verlässlichere Aussagen treffen zu können.Insgesamt betrachtet trägt diese Arbeit erheblich zum derzeitigen Erkenntnisstand über den Zusammenhang zwischen musikalischem Training und exekutiven Funktionen bei und zeigt, dass gemeinsames Musizieren ein geeignetes Mittel sein kann, um exekutive Funktionen in der Kindheit zu stärken und dass diese positiven Einflüsse möglicher- weise sogar bis ins Erwachsenenalter andauern.
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