HBV-Infektionen gehören zu den meist verbreiteten Infektionen weltweit und sind die häufigste Ursache der Leberzirrhose und des Hepatozellulären Karzinoms. Die selten vorkommende Primär Sklerosierende Cholangitis gehört zu den chronisch verlaufenden cholestatischen Lebererkrankungen unklarer Ätiologie und kann in der Folge zu progressiver Cholestase und ebenfalls zur Zirrhose führen.Sowohl das HBV-tg- als auch das Abcb4-/- Mausmodell sind gut etabliert:HBV-tg Mäuse auf Balb/c Hintergrund, die leberspezifisch das große Hüllenprotein von humanem HBV exprimieren, zeigen eine mit dem Alter zunehmende Akkumulation von viralen Proteinen in den Hepatozyten und in der Folge ER-Stress, eine progrediente Leberschädigung und ein HCC.Abcb4-/- Mäuse stellen ein gut reproduzierbares Modell für Cholangiopathien dar. Die Tiere zeigen fokale Obliteration der Gallengänge und konzentrische periduktale Fibrose. Diese Merkmale sind mit denen der primär- und sekundär sklerosierenden Cholangitis beim Menschen vergleichbar.Ziel der vorliegenden Studie war es durch Kreuzung der HBV-tg und Abcb4-/--Mauslinien ein Second Hit Modell zu entwickeln, welches die Auswirkungen des Zusammenspiels von HBV und Cholestase verstehen lässt.Um das Ausmaß der Schädigungen und hepatischen Funktionseinschränkungen im Abcb4-/-/HBV-tg Modell nachweisen zu können, wurden Leber- und Serumproben der 7-8, 12-16 und 52 Wochen alten Tiere untersucht. Analysiert wurden u.a. die Aktivität der Serumtransaminasen und der Gesamtgehalt an hepatischem Hydroxyprolin. Weiterhin wurden die Konzentrationen verschiedener konjungierter und unkonjugierter Gallensäuren bestimmt. Zudem wurden histologische Analysen mittels Hämatoxylin-Eosin- und Sirius-Red-Färbung durchgeführt. Immunhistochemische Färbungen führten wir für Desmin und GFAP als Marker der Aktivität hepatischer Sternzellen, für die tumorspezifischen Marker Glutamin Synthetase, Typ IV Kollagen, Ki67 und für HBsAg durch. Mittels Western Blot wurden ER-Stress- und Karzinogenese-assoziierte Signaltransduktionswege untersucht.Im Abcb4-/-/HBV-tg Modell zeigte sich gegenüber den Ursprungsmodellen, HBV-tg und Abcb4-/-, eine Zunahme der hepatozellulären Schädigung. Dies spiegelte sich in einem Anstieg der Serum- ALT Konzentration, verstärkter Inflammation in der H&E Färbung und Zunahme der Fibrose in der Sirius-Red-Färbung wider. Weiterhin zeigte sich im Abcb4-/-/HBV-tg Modell eine verringerte HBsAg Akkumulation, die aber keinen Einfluss auf die mittels Western Blot Analysen bestimmten ER-Stress Marker hatte.Die Erhöhung der Gesamtkonzentration der Serumgallensäuren und die relative Abnahme der protektiven Gallensäure TUDCA führten im Abcb4-/-/HBV-tg Modell zu einer vermehrten Parenchymschädigung.Die prä-kanzerogene Pathogenese und die Aktivierung HCC-assoziierter Signalwege zeigten sich im Abcb4-/-/HBV-tg Modell kumulativ verstärkt. In der Folge potenzierten sich Anzahl und Größe der Lebertumoren.Wir haben somit erstmals ein murines Multiple Hit Modell für Cholestase- und HBV- induzierten Leberschaden beschrieben.Die vorliegende Studie legt daher nahe, dass eine Senkung der HBsAg Expression bei chronisch HBV- infizierten Patienten mit biliärer Beteiligung eine Verbesserung der Therapie und Prognose bedeuten könnte.
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