Milchabflußstörungen und minimalinvasive Zitzenoperationen beim Rind : Entwicklung einer neuen Operationsmethode (Theloresektoskopie) und vergleichende Studien
Die Milchabflußstörungen des Rindes stellen nach wie vor ein erhebliches Problem in der modernen Milchkuhhaltung dar.
Ein Ziel der vorliegenden Studie war es die aktuelle Situation hinsichtlich der Natur und des Auftretens von Zitzenverletzungen zu beschreiben.
Weiterhin war ein neues minimalinvasives Operationsverfahren, das sich im Gegensatz zu den verbreiteten schneidend-stanzenden Methoden dem Prinzip der HF-Chirurgie zur Gewebsresektion bedient (Theloresektoskopie), entwickelt worden und unterlag einer breit angelegten Bewertung.
Eine funktionelle und histologische Studie diente dem Vergleich der Operationseinflüsse konventionell-chirurgischer und theloresektoskopischer Zitzeneingriffe.
320 Milchkühe mit Zitzenverletzungen oder Milchabflußstörungen lagen dieser Untersuchung zugrunde. Annähernd die Hälfte der Patienten wurde innerhalb der ersten vier Wochen post partum vorgestellt. Beim hinteren Zitzenpaar konnten signifikant häufiger (p 0,001) offene (n=94) oder gedeckte Zitzenverletzungen (n=122) diagnostiziert werden. 16 Tiere wurden wegen Fremdkörpern in der Zitze, 24 aufgrund von Mißbildungen und 64 Tiere mit Zisternitiden vorgestellt.
Von besonderem Interesse waren die 122 Tiere mit gedeckten Zitzenverletzungen: In 92,8% der Fälle hatte die Verletzung zu einem Schleimhautabriß an der Fürstenberg-Rosette oder im Strichkanal geführt, die übrigen Fälle verteilten sich auf Strichkanalhämatome, Schleimhautbriden-, -abrisse oder polypen in der Zitzenzisterne.
Tiere, die eine Verzögerungszeit von mehr als einer Woche zwischen Trauma und Vorstellung in der Klinik erfahren hatten, waren signifikant häufiger vom Besitzer vorbehandelt worden, litten an Mastitiden und benötigten eine längere präoperative Vorbereitungszeit (p 0,001) als Patienten, die innerhalb einer Frist von zwei bis sieben Tagen oder bereits am Tag der Verletzung zur Vorstellung kamen.
Die 122 Patienten mit gedeckten Zitzenverletzungen wurden mittels der neu entwickelten Theloresektoskopie operiert.
Insgesamt 26 euter- und zitzengesunde Milchkühe (104 Zitzen) typischer Niederungsrassen stellten die Basis einer weiteren Untersuchung dar. Die Melkparameter Milchmenge (MGG), höchster Milchfluß (HMF) und durchschnittliches Minutenhauptgemelk (DMHG) wurden über einen Zeitraum von sechs Melkzeiten bei allen Tieren, für die einzelnen Zitzen getrennt, mit Hilfe von vier LactoCordern erfaßt. Anschließend erfolgte die Resektion von Gewebe der Fürstenberg-Rosette und des proximalen Strichkanals in zwei konventionellen Operationsverfahren (endoskopiegestützte Zitzenoperation, n=24, Gruppe 1; Blindräumen , n=40, Gruppe 2a) und mittels der neu entwickelten Theloresektoskopie (n=40, Gruppe 2b). Nach einer Trockenstehphase von zehn Tagen wurden die genannten Melkparameter für vier Melkzeiten im gleichen System erhoben. Nach Abschluß der Melkbarkeitsstudie, Verwertung der Probanden und Asservierung von Untersuchungsmaterial erfolgten histologische Untersuchungen an jeweils 20 Zitzen nach schneidend-stanzenden Eingriffen (Gruppe A) und Theloresektoskopie (Gruppe B).
Dieser Vergleich der ante- und postoperativen Daten hatte zum Resultat, daß jede Methode eines minimalinvasiv-chirurgischen Eingriffes an der Zitze einen signifikanten Einfluß auf jeden der überprüften Melkbarkeitsparameter hat (p 0,001). Die durchschnittlichen Reduktionen betrugen 1,16 kg (MGG), 0,29 kg/min (HMF) und 0,21 kg/min (DMHG). Mittels statistischer Überprüfung der Differenzunterschiede zwischen den einzelnen Gruppen konnte herausgestellt werden, daß die Meßwertreduktion nach Theloresektoskopie (Gruppe 2b) in allen drei Melkbarkeitsparametern insgesamt am niedrigsten ist. Weiterhin unterscheidet sich die Gruppe 2b im Vergleich mit den anderen Gruppen als einzige statistisch zu sichernd.
Die postmortalen histologischen Untersuchungen hatten zum Ergebnis, daß insgesamt in mehr als 50% der Fälle Gewebsalterationen nach minimalinvasiven Eingriffen im Bereich der Resektionsstelle nachweisbar waren, die in Gruppe B signifikant häufiger (p 0,01) und in dramatischerem Ausmaß zu finden waren als in Gruppe A.
Zusammenfassend kann festgestellt werden, daß mit der Entwicklung der Theloresektoskopie ein neues minimalinvasives Operationsverfahren zur Gewebsresektion im Lumen der Zitze des Rindes zur Verfügung steht, das deutliche Vorteile aufweist. Es konnte gezeigt werden, daß der Einsatz der HF-Chirurgie im Vergleich zu schneidend-stanzenden Verfahren sowohl im Hinblick auf die operationsimmanenten funktionellen Einbußen als auch die histomorphologisch nachweisbaren Gewebsalterationen eine vergleichsweise geringe Beeinträchtigung der Zitze des Rindes induziert.
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