Zusammen mit dem ostmaIayischen Bundesstaat Sabah ist Sarawak der weltgrößte Exporteur von tropischem Rundholz. Neben ökologischen Folgen hat der kommerzielle Holzeinschlag auch direkte Auswirkungen auf das Leben der lokalen Bevölkerung. Sie leben noch immer in einer starken Abhängigkeit vom Wald, der ihnen neben der Fläche für landwirtschaftliche Produktionsformen als Quelle von Nahrung, Baustoffen, Medizinalpflanzen und solchen Produkten dient, die ihnen ein Einkommen bieten. Durch das Vordringen der Holzfirmen in die seit Generationen von der lokalen Bevölkerung genutzten Gebiete sind neben den ökologischen Funktionen des Waldes auch diese sozio-ökonomischen Funktionen gefährdet. Trotz traditioneller Rechtssysteme, die die Landnutzungsansprüche zwischen verschiedenen Langhausgemeinschaften sowie die Bodenrechte innerhalb der einzelnen Kommunen regeln, verfügt die lokale Bevölkerung häufig über keine legitimen Landrechte. Die staatliche Vergabe von Einschlagskonzessionen auf Gebiete, die von Stammesvölkern traditionell beansprucht werden, führte bereits mehrfach zu Konflikten zwischen Holzfirmen und der lokalen Bevölkerung.
Ziel der vorliegenden Arbeit war es, die sozio-ökonomischen Waldfunktionen und die traditionellen Gebietsansprüche am Beispiel einer ausgewählten Langhauskommune am Rande des GTZ-Projektgebietes in Nordost-Sarawak zu identifizieren und in ihrer räumlichen Ausdehnung miteinander zu vergleichen. Zur räumlichen Erfassung von Landnutzung und Landanspruch der Langhauskommune im Projektgebiet wurden verschiedene Methoden und Instrumente eingesetzt und auf ihre Anwendbarkeit getestet. Die Informationen über Landnutzung und Landanspruch werden benötigt, um sozio-ökonomische Waldzonen um Siedlungen zu definieren, die der Sicherung der Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung dienen. Zur Identifizierung der sozio-ökonomischen Waldfunktionen wurden haushaltspezifische Befragungen durchgeführt. Zur Kartierung von landwirtschaftlichen Nutzflächen sowie zur Abgrenzung der kommunalen und individuellen Landnutzungsansprüche wurden Techniken des Participatory-Mapping-Verfahrens angewandt. Die Bewohner (Kenyah) des untersuchten Langhauses Tanjung Tepalit nutzen die Waldfläche als Standort für verschiedene landwirtschaftliche Produktionsformen. Der Wanderfeldbau mit Trockenreisanbau trägt auch heute noch entscheidend zur Subsistenzsicherung der Kenyah bei. Die Bewohner von Tanjung Tepalit rodeten im Untersuchungsjahr 26 ha Wald für den Trockenreisanbau. Bei einer durchschnittlichen Reisanbauphase von einem Jahr und einer durchschnittlichen Waldbrache von 15 Jahren ergibt sich rechnerisch eine für den Wanderfeldbau im Untersuchungsgebiet beanspruchte und periodisch genutzte Fläche von 416 ha. Außer zur landwirtschaftlichen Produktion nutzen die Langhausbewohner den Regenwald zur Extraktion verschiedener Nicht-Holz Waldprodukte (Gemüse, Pilze, Früchte, Honig, Rattan, Medizinalpflanzen etc.), zur Jagd, zum Fischfang sowie zur Bauholzgewinnung. Eine genaue Abgrenzung der hierzu genutzten Waldareale erwies sich als schwierig und kann lediglich auf Grundlage der Interviewergebnisse abgeschätzt werden. Demnach konzentriert sich die Extraktion der meisten Nicht-Holz Waldprodukte auf die Sekundärwaldzone um den Hauptfluß. Die Primärwaldbestände liegen meist mehr als 2 km vom Hauptfluß entfernt und werden nur sporadisch zum Jagen und Sammeln von Rattan und Medizinalpflanzen aufgesucht. Langhausgemeinschaften als kommunale Einheiten beanspruchen nach traditionellem Gewohnheitsrecht (Adat) bestimmte Gebiete um ihre Siedlung. Innerhalb dieser als Langhausterritorien (Menoa) bezeichneten Areale können die Mitglieder der einzelnen Haushalte durch Rodung von Primärwaldflächen permanente Landnutzungsrechte erwerben. Die territorialen Grenzen werden in mündlicher Absprache mit benachbarten Kommunen festgelegt, sind jedoch nicht gesetzlich legitimiert. Das Langhausterritorium der beiden Langhäuser Tanjung Tepalit und Long Selatong ist 10.879 ha groß. Bei Vergleich der Waldgebiete mit eindeutig sozio-ökonomischen Funktionen (4.281 ha) und dem gesamten Langhausterritorium (10.879 ha) ergibt sich eine deutliche Differenz (6.598 ha). Diese Fläche ist mit Primärwald bewachsen und wird von den Einwohnern nur extensiv genutzt.
Der Intressenkonflikt vieler Langhauskommunen mit den Holzfirmen bezieht sich vor allem auf diese Flächen. Zur Lösung dieses Landkonfliktes bietet sich die Einrichtung von Pufferzonen an, die beiden Parteien nur eine eingeschränkte Nutzung dieses Gebietes erlaubt. Die Kompromißbereitschaft der lokalen Bevölkerung hängt in erster Linie davon ab, ob ihnen von staatlicher Seite langfristige Nutzungsrechte auf die von ihnen genutzten Ressourcen zugesichert werden. Dazu bedarf es dringend einer kritischen Diskussion und Neuregelung des z.Z. gültigen Landrechts in Sarawak. Die gesetzliche Anerkennung von kommunalem Landbesitz wäre ein Schritt in die richtige Richtung. Die sozio-ökonomischen Waldzonen um die einzelnen Langhäuser sollten hier als Richtlinie dienen.
Verknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen