Bei der Erforschung von autoimmunologischen Erkrankungen konzentrierte sich die Wissenschaft in den letzten Jahrzehnten immer mehr auf die Rolle der B-Zellen. Ihre Dysregulation kann verheerende Folgen haben, wie in Tiermodellen und Patienten gezeigt werden konnte, z. B. bei Multipler Sklerose, Rheumatoider Arthritis, Myasthenia Gravis und Systemischer Lupus erythematodes.Die Entdeckung des B-Zell-aktivierenden Faktors BAFF eröffnete ein neues Verständnis der B-Zell-Homöostase und neue Möglichkeiten um regulierend in die B-Zell-Immunpathologie einzugreifen, da dieses Zytokin vor allem für spätere Stadien der B-Zell-Entwicklung unabdingbar ist. Ein Zusammenhang zwischen einer Dysregulation von BAFF und der Entwicklung sowie der Progression von Autoimmunerkrankungen ist heute unumstritten. Die zugrunde liegenden Regulationsmechanismen sind allerdings noch nicht vollständig aufgeklärt.Eine Vielzahl der B-Zell-vermittelten Autoimmunerkrankungen wird standardmäßig in der Praxis mit Intravenösen Immunglobulinen (IVIg) oder Corticosteroiden behandelt.Im Rahmen dieser Arbeit wurde die Modulation der BAFF-Expression in Monozyten, den Hauptproduzenten des Zytokins, durch IVIg und Corticosteroide (Dexamethason, Dex) untersucht. Mittels verschiedener Methoden (FACS, WB, Realtime-PCR) wurde in der monozytären Zelllinie U937 gezeigt, dass die BAFF-Expression auf membranständiger und zytoplasmatischer Protein- sowie auf mRNA-Ebene durch IVIg signifikant reduziert wird. Dies konnte ebenfalls für die Sekretion des löslichen BAFF bestätigt werden. In Experimenten mit primär isolierten, aktivierten Monozyten wurden diese Resultate bestätigt, was ihre physiologische Relevanz belegt. Des weiteren konnte gezeigt werden, dass die Herunterregulierung von BAFF (1) durch den Hauptbestandteil IgG und (2) vor allem durch dessen F(ab )2-Fragment vermittelt wird.Dex führte ebenfalls auf Protein- und mRNA-Ebene zu einer Reduktion der BAFF-Expression, allerdings fiel diese im Vergleich zu IVIg schwächer aus. Der durch Dex vermittelte Effekt konnte mit Hilfe des Anti-Corticoids RU486 antagonisiert werden. Durch in silico-Analysen konnte eine potentielle Konsensussequenz für den Glucocorticoidrezeptor (= glucocorticoid receptor response element (GRE)) sowie zwei halbe GREs in der Promotersequenz des BAFF-Gens identifiziert werden.Im Rahmen dieser Arbeit wurde BAFF als vielversprechendes Target für IVIg und Corticosteroid identifiziert und folglich Einblicke in dessen Regulation erhalten werden. Darüber hinaus kann mit der Modulation von BAFF für beide untersuchten Wirkstoffgruppen ein neuer Wirkmechanismus postuliert werden.
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