Sialinsäuren haben mannigfaltige Bedeutungen für den menschlichen Körper. Sie regulieren z.B. Wachstumsprozesse während der Embryogenese, aber sie stehen auch im Zusammenhang mit Tumorwachstum und migration. Bis heute ist es bei Analysen, die die Anwesenheit und die Menge von verschiedenen Sialinsäurespezies betreffen, unumgänglich Komplettorganlysate oder größere Organteile zu verwenden, welche dadurch eine Mischung von verschiedenen Zelltypen beinhalten. Hierdurch ist es nicht oder nur sehr schwierig möglich den Sialylierungsstatus eines genau definierten Bereiches in einem Organ und/oder einem bestimmten Zelltypen zu ermitteln.Die in dieser Arbeit entwickelte Analysestrategie ermöglicht einen hoch sensitiven und reproduzierbaren Weg, um diese Problem zu lösen. Dies gelingt durch den Einsatz der Laser Microdissection, weil sie es erlaubt Analysen gezielt ausgesuchter Bereiche von Zellpopulationen durchzuführen. Verstärkt wird dies durch den Einsatz der DMB-HPLCESI-MS Anwendung, welche ein hilfreiches Werkzeug darstellt, für die eindeutige Identifizierung und Quantifizierung von Sialinsäuren. In dieser Kombination sind nicht mehr als 300 Zellen pro Analyse notwendig, um die häufigste Sialinsäurespezies Neu5Ac zu identifizieren. Sollen jedoch andere seltenere Sialinsäurespezies isoliert werden, müssen wohl deutlich mehr Zellen extrahiert werden, je nachdem wie hoch die Konzentration dieser im betreffenden Gewebe ist.Es war mit der etablierten Methode möglich, eine während der Reifung entstandene Verminderung der Sialylierung einer Niere in einem transgenen Mäusemodell zu entdecken, welche sich auf die Glomeruli beschränkte. Im Gegensatz hierzu war es nicht möglich dies mit kompletten Mäuse Nieren Lysaten derselben Versuchsreihe festzustellen (Weinhold et al., 2012).Die beschriebene Kombination von Laser Microdissection von in Paraffin eingebettetem Gewebe mit der verlässlichen als auch hoch sensitiven DMB-HPLCESI-MS Anwendung kann des Weiteren dafür verwendet werden menschliche Gewebeproben zu analysieren, welche mit klinischen Untersuchungen verbunden sind (zum Beispiel Biopsien). Da viele Proben als in Paraffin eingebettete Gewebe vorliegen und viele pathologische Prozesse wie zum Beispiel Metastasen mit veränderten Sialinsäure Spiegeln einhergehen, bietet sich dieses an. Die beschriebene Methode könnte zur Entdeckung neuartiger Sialinsäure abhängiger Prozesse während pathologischer Vorgänge führen und eventuell zur Identifizierung von Biomarkern, die mit diesen korrespondieren.
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