Die Intermediärfilamente sind neben Mikrofilamenten und Mikrotubuli das dritte zytoplasmatische Filamentsystem. Anders als die beiden letztgenannten sind sie aber durch eine hohe Diversifikation gekennzeichnet, die offenbar einer Anpassung an unterschiedliche Funktionsanforderungen entspricht.
Dadurch ergab sich die Möglichkeit, einzelne Intermediärfilamentklassen bestimmten Gewebetypen zuzuordnen, im Fall der Keratine sogar einzelne Keratinpaarungen bestimmten Epithelien. Das erhielt erhebliche klinische Relevanz durch die immunhistochemische Identifikation der Intermediärfilament-Expression in Tumoren, vor allem in den Fällen, in denen die klassische Histochemie bzw. Morphologie differentialdiagnostisch nicht mehr weiterhelfen konnte.
Die ursprüngliche Ansicht, dass die Zuordnung von Intermediärfilamenten und Gewebetypen so stabil sei, dass sie unter allen Lebensbedingungen einer Zelle unverändert bliebe, ließ sich allerdings nicht lange aufrecht erhalten. Immer mehr Änderungen der Intermediärfilament-Expression bei Änderung der Lebensbedingungen einer Zelle wurden beschrieben, und immer mehr Koexpressionen mehrerer Intermediärfilamentklassen innerhalb einer Zelle konnten nachgewiesen werden.
Erstmalig wurde in der vorliegenden Untersuchung die Koexpression von Intermediärfilamenten in Plattenepithelkarzinomen des oberen Aerodigestivtraktes systematisch untersucht. Dabei wurden die zum Zeitpunkt der Untersuchung aktuellen immunhistochemischen Verfahren der APAAP-Methode und der indirekten Immunfluoreszenz angewendet.
Bemerkenswerterweise konnte nicht nur gezeigt werden, das die untersuchten Karzinomproben neben dem zu erwartenden Keratin auch Vertreter der drei anderen zytoplasmatischen Intermediärfilamentklassen (Klasse VI: Nestin ausgenommen) exprimieren. Es ließen sich darüber hinaus zwei verschiedene Koexpressionsmuster feststellen und klar voneinander abgrenzen: Nicht nur bei genetisch deregulierten undifferenzierten Karzinomen war Koexpression zu beobachten, in diesem Fall vom Verteilungsmuster her diffus oder in Zellnestern.. Als zweites Phänomen konnte in einer beeindruckend hohen Zahl von hoch- und mittelgradig differenzierten Plattenepithelkarzinomen eine Koexpression in den äußeren ein bis zwei Zelllagen des Tumorgewebes, d.h. an der Invasionsfront festgestellt werden. Es ist naheliegend, dass das mit den funktional geänderten Lebensbedingungen dieser Zellen in Zusammenhang steht. Dieser zweite Typ von Koexpression ließ sich mit Vimentin und mit Neurofilamenten nachweisen.
Die Häufigkeit der Koexpression war unterschiedlich: Am häufigsten wurde Vimentin koexprimiert, seltener Neurofilamente und Desmin. Beim untersuchten GFAP konnte keine Koexpression nachgewiesen werden. Insgesamt gesehen trat die Koexpression in Plattenepithelkarzinomen des oberen Aerodigestivtraktes so häufig auf, dass man sie nachdrücklich als regelmäßiges Phänomen bewerten muss.
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