Schritte zu einer Professionalisierung der Trauerversorgung in Deutschland
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Zusammenfassung
Der Stellenwert der Versorgung Trauernder hat sich gewandelt. Sie ist auch in Deutschland zum mittlerweile anerkannten Bestandteil der Gesundheitsversorgung geworden. So sieht etwa die erweiterte S3-Leitlinie Palliativmedizin vor, dass auch Angehörige von Schwerstkranken Anspruch auf trauerspezifische Versorgung haben und problematische Trauerverläufe zu identifizieren sind. Damit lassen sich auch Ansprüche an diesen Bereich der Gesundheitsversorgung stellen. So sollte die Diagnostik trauerspezifischer Belastungen mittels standardisierter, validierter Instrumente erfolgen und auch durchgeführte Intervention wissenschaftlich begründet sein. Mit Blick auf eine bedarfsorientierte Versorgung Trauernder bereitet ihre derzeit noch strukturelle Unübersichtlichkeit und intransparente Qualität für die Versorgungssituation in Deutschland Anlass zur Sorge. Es muss davon ausgegangen werden, dass unter den Aspekten der Ausdifferenzierung und Professionalisierung eine bedarfsgerechte Versorgung bislang nicht geleistet werden kann. Ziel dieser Dissertation ist es, durch die Bearbeitung ausgewählter Fragestellungen einen Impuls zur Weiterentwicklung der bundesdeutschen Trauerversorgung zu geben.
Dabei werden drei Fragestellungen beantwortet: Wie stellt sich die Trauerversorgung aus versorgungsepidemiologischer Sicht in Deutschland dar? Welche englisch- sowie deutschsprachigen Trauerinventare existieren, die die trauerspezifischen Belastungen valide und reliabel erfassen? Wie könnte ein konzeptioneller Rahmen für die Trauerversorgung aussehen, der die bereits existierenden Versorgungsstrukturen systematisch etabliert und anhand dessen Kriterien für eine Versorgungssteuerung in Deutschland ableitbar sind?
Die Untersuchungen der bundesdeutschen Trauerversorgungslandschaft zeigen, dass eine bedarfsorientierte Versorgung Trauernder in Deutschland nicht gewährleistet ist. Dies wird etwa an den fehlenden Interventionskonzepten, der überwiegend augenscheinlich durchgeführten Diagnostik und Erfolgskontrolle sowie der großen Heterogenität trauerspezifischer Aus- und Weiterbildungen deutlich. Da sich jedoch eine Über- bzw. Unterversorgung für die Betroffenen selbst als nachteilig darstellt und andererseits Folgeerkrankungen nicht erfolgter oder schadhafter Interventionen die Sozialversicherungssysteme belasten, stellt der Beitrag zur Diskussion, dass eine zunehmende Professionalisierung des Versorgungsfeldes von zentraler Bedeutung ist.
Der systematische Review konnte für den deutschen Sprachraum insgesamt drei akutdiagnostische und drei Verfahren zur Erfassung problematischer Trauerreaktionen identifizieren. Somit sind Fachkräfte der bundesdeutschen Gesundheitsversorgung im Vergleich zu anderen Ländern in Bezug auf das Vorliegen derartiger Inventare nicht schlechter gestellt. Es existieren derzeit jedoch keine Verfahren zur Früherkennung, die etwa in der Palliativversorgung vor Versterben eines Angehörigen eingesetzt werden können.
Das vorgestellte Stepped-Care-Modell sieht drei Versorgungsstufen vor, anhand derer unterschiedliche Bedarfe, Interventionsangebote und LeistungserbringerInnen zu unterscheiden sind. Damit regt das Modell dazu an, sich zukünftig mit Fragen der besseren intersektoralen Verzahnung sowie den Finanzierungsmöglichkeiten, aber auch Grenzen der einzelnen LeistungserbringerInnen zu beschäftigen.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Trauerversorgung in Deutschland noch „in den Kinderschuhen“ steckt, die vorgelegte Arbeit jedoch einen Beitrag dazu leisten soll, die Entwicklung hin zu einer Professionalisierung der bundesdeutschen Trauerversorgung anzuregen.