Endokrine Reaktionen von Ebern auf die aktive Immunisierung gegen Gonadotropin-Releasing Hormon

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Männliche Ferkel werden im Alter von bis zu wenigen Wochen chirurgisch kastriert, um den Geschlechtsgeruch zu unterdrücken, ein Narkose ist bis zum Alter von 4 Wochen nicht vorgeschrieben. Aus Tierschutzgründen werden daher alternative Verfahren notwendig; hierzu zählt die aktive Immunisierung gegen GnRH (Immunokastration). GnRH ist verantwortlich für die Sekretion der hypophysären Gonadotropine, welche die Hodenfunktion einschließlich der Steroidbiosynthese im Hoden regulieren. Die immunologische Ausschaltung von GnRH unterdrückt die Bildung der testikulären Steroidhormone sowie des für den Geschlechtsgeruch verantwortlichen Androstenon. In der vorliegenden Arbeit sollte die Wirksamkeit der immunologischen Kastration auf die Hemmung der Androstenon-Bildung untersucht werden. Da GnRH auch die Sekretion des Wachstumshormons GH beeinflußt, wurden zusätzlich auch Hormone in der Wachstumsregulation bestimmt. Die beobachteten endokrinen Effekte wurden mit der N-Retention verglichen. Die Retentionsdaten hierfür wurden von WAIDELICH (2000) und HOHL (2001) ermittelt und in ihren Diplomarbeiten besprochen. Zusätzlich wurden die Wirkungen von Östradiol und Testosteron auf die N-Retention untersucht. In Versuch I wurden 9 Eber dreimalig mit dem Impfstoff Improvac® per subkutaner Injektion behandelt. Als Kontrollen dienten 8 nicht immunisierte Eber sowie 8 Kastraten. Im Alter von 18 bis 25 Wochen wurden Blutproben zur Messung der Hormone IGF-I, Cortisol, Cortison, Testosteron und Östradiol entnommen. Intensive Blutprobennahmen ('Windows') zur Messung der LH- und GH-Konzentrationen sowie zur Ermittlung der pulsatilen GH-Sekretion fanden im Alter von 18, 23 und 25 Wochen statt. Für je 6 Tiere pro Gruppe wurde die N-Retention im Alter von 20/21 Wochen ermittelt. Beginnend in der 17. Woche wurden bei intakten und immunisierten Ebern im zweiwöchentlichen Abstand Fettbiopsien zur Messung der Androstenon-Konzentration entnommen. In der Fettprobe der 26. Woche wurde zusätzlich die Skatol-Konzentration analysiert. In Versuch II wurden 6 Kastraten mit 17beta-Östradiol (0,312 mg/Tag) bzw. 5 Kastraten mit Testosteron (36 mg/Tag) über 9 Tage infundiert. Der Behandlung ging eine 7-tägige Kontrollphase voraus. Über die insgesamt 16 Versuchstage wurden die N-Retention und die Konzentrationen der infundierten Hormone sowie von IGF-I und Insulin ermittelt. An Tag 3 und +7 wurde für jede Versuchsphase ein Window-Sampling zur späteren Bestimmung der GH- und LH-Konzentrationen sowie zur Erfassung der GH-Pulsatilität durchgeführt. Unter der GnRH-Immunisierung nahm die Hodengröße der behandelten Tiere auf 11 % der unbehandelten Eber ab. Im Fettgewebe waren die Androstenon- sowie die Skatol-Konzentrationen, im Blutplasma die Konzentrationen von LH, Testosteron und Östradiol bei allen immunisierten Ebern erniedrigt. Die GH-Sekretion der immunisierten Eber war mit einer hohen pulsatilen Freisetzung vergleichbar mit der der intakten Eber. Während die GH-Konzentrationen der intakten und immunisierten Eber höher als die der Kastraten waren, wiesen die immunisierten Eber IGF-I-Konzentrationen auf, welche niedriger waren als bei den intakten Ebern und sich im Vergleich zu den Kastraten nicht unterschieden. Diese nach Immunisierung auftretende 'Entkopplung' der GH-IGF-I-Achse läßt sich auf die fehlende Wirkung der Östrogene zurückführen, welche per Infusion die IGF-I-Konzentrationen steigerten. Die Glucocorticoid-Konzentrationen unterschieden sich nicht zwischen den Behandlungsgruppen.Sowohl die Kastraten als auch die immunisierten Eber erreichten nur 81 bzw. 73 % der N-Retention der intakten Eber. Diese niedrige N-Retention der immunisierten Eber ist unabhängig der hohen GH-Sekretion auf die niedrigen IGF-I-, Testosteron- und Östradiol-Konzentrationen zurückzuführen. Der Anstieg der IGF-I-Konzentration ohne eine Erhöhung der GH-Sekretion infolge der Hormoninfusion konnte die N-Retention nicht steigern, so daß zusätzlich hohe GH-Konzentrationen für den Proteinansatz entscheidend zu sein scheinen. Die Mastleistungsdaten bestätigten die genannten Unterschiede in der N-Retention. Die Ergebnisse zeigen auf, daß die aktive Immunisierung gegen GnRH (Immunokastration) eine wirkungsvolle Alternative zur chirurgischen Kastration darstellt. Allerdings ist davon auszugehen, daß auch die Vorteile der Ebermast verlorengehen.

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