Die Übergangsfraktur ist eine relativ seltene Frakturform, die für die Tibia in der Vergangenheit gut untersucht worden ist. Sie tritt in der Phase auf, in der sich der Patient im Übergang zwischen Kindes- und Erwachsenenalter befindet. Seit fast einem halben Jahrhundert ist geklärt, wie und warum es zu dieser bestimmten Fraktur kommen kann: Ein Trauma bei zum Teil geschlossener Epiphysenfuge führt zu einer Fraktur, deren Frakturspalt abhängig vom Ossifikationsfortschritt der Fuge verläuft. In diesem Zusammenhang wurde auch die Ausbreitung des Fugenschlusses der distalen Tibia röntgenologisch erforscht. Die Fraktur des distalen Radius ist die häufigste Fraktur des Menschen. Übergangsfrakturen an dieser Stelle sind bislang in der Literatur selten beschrieben worden, ebenso wenig ist der physiologische Epiphysenfugenschluss des Radius bekannt.Die hier vorliegende explorative Studie untersuchte diesen Vorgang magnetresonanztomografisch. 21 weibliche und 3 männliche Jugendliche wurden aus der Normalbevölkerung akquiriert. Die Untersuchungen erfolgten zum größten Teil im Querschnitt, bei einigen Probanden zudem im Längsschnitt. Es konnte ein Schema beschrieben werden, nach dem der Epiphysenfugenschluss am distalen Radius abläuft: Die Mineralisation beginnt in der radialen Hälfte des Fugenquerschnitts und breitet sich nach ulnar aus. Die Peripherie schließt sich zuletzt, wobei erst der ulnare und palmare Teil ossifizieren, anschließend der dorsale Teil auf Höhe des Tuberculum dorsale radii und zuletzt der radiale Rand, obwohl dieser in unmittelbarer Nähe zu dem Punkt liegt, an dem die Mineralisation beginnt.Der Vorgang der Ossifikation wird auf ungefähr eineinhalb Jahre geschätzt. Allerdings dauert es weniger als ein Jahr, bis der gesamte zentrale Block bis auf einen schmalen Randsaum mineralisiert ist. Diese Schätzung wird durch die Tatsache gestützt, dass nur wenige Untersuchungsergebnisse von Probanden mit halb verknöcherter Fuge vorliegen. In dieser Studie konnte keine Korrelation zwischen Alter der Probandinnen und Reifegrad der Fuge festgestellt werden. Ebenso wenig stand die Menarche in Zusammenhang mit der Fugenreife. Tendenziell befand sich die Radiusepiphysenfuge im 17. Lebensjahr der Probandinnen in bereits weit fortgeschrittenem Mineralisationsstadium. Bei den im Durchschnitt 18jährigen männlichen Probanden waren alle Fugen bereits vollständig verknöchert.Aus diesen Ergebnissen lassen sich folgende Schlüsse ziehen: Die Ossifikation der Radiusepiphysenfuge erfolgt in einem relativ kurzen Zeitraum, zumindest deutlich kürzer als an der distalen Tibia. Ein möglicher Grund, warum es wenige Fälle von Übergangsfrakturen am distalen Radius gibt, könnte diese relativ kurze Zeitspanne der Mineralisation sein. Eine Übergangsfraktur im Sinne einer triplanaren Fraktur hätte somit eine Frakturebene in der Epiphyse, ausstrahlend in das Gelenk, eine zweite senkrecht dazu im zentro-ulnaren Bereich der Fuge und als dritte Ebene einen metaphysären Keil im ulnaren Bereich. Mit Fortschreiten der Ossifikation verschiebt sich die zweite Frakturebene von radial nach ulnar.
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