Der Einfluss des Staates auf wirtschaftliche Aufwertungsprozesse, untersucht am Beispiel der Elektronikindustrie im Perlflussdelta (China)

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Der wichtigste politische Akteur in China ist weiterhin die Kommunistische Partei China (KPCh.), die über eine zentralistische Organisationsstruktur mit mehr als 78 Millionen Mitgliedern verfügt. Die KPCh. hat die politische Macht über das Land nicht verloren, sondern diese gefestigt und teilweise sogar ausgeweitet. Sie ist im Zuge des Transformationsprozesses kein passiver Akteur gewesen und schützte sich während des ökonomischen und sozialen Wandels nachhaltig vor politischen Veränderungen, indem sie erfolgreich Verbindungen zu wichtigen Akteuren in Wirtschaft und Gesellschaft aufbaute. Das Ziel des Forschungsprojektes, das dieser Arbeit zu Grunde liegt, ist es, eine detaillierte Analyse der Unternehmensorganisation sowie der vorhandenen Institutionen im PRD zu erstellen. Ohne diese lassen sich der Wirtschaftserfolg und zukünftige Entwicklungen der Region nicht vollständig nachvollziehen. Das PRD soll, laut der National Development and Reform Comission (NDRC), bis 2020 in eine innovative High-Tech Region transformiert werden, in der die Unternehmen eigenständig neue und innovative Produkte entwickeln sowie neue Marken prägen, die nationale und globale Marktanteile erobern. Es stellt sich dabei die Frage, ob die Unternehmensstruktur und -organisation im PRD geeignet ist, diesem Entwicklungsgebot zu folgen und inwieweit die chinesische Politik in das Marktgeschehen eingreift, um die entsprechenden Entwicklungsdeterminanten auszulösen. Die vorliegende Arbeit untersucht dabei im Speziellen die Strukturmerkmale und Aufwertungsstrategien im PRD sowie den staatlichen Einfluss auf diese.Als Grundlage dieser Arbeit dienen Unternehmensdaten, die durch eine Primärerhebung in Shenzhen, Dongguan, Huizhou und Heyuan im Herbst 2009 gewonnen wurden. Zusätzlich werden diese Daten durch in Experteninterviews erworbene Erkenntnisse ergänzt, die in Guangzhou, Shenzhen, Donguan und Shunde im Herbst 2009 bzw. Frühjahr 2010 geführt wurden. Die Auswahl der Untersuchungsregionen ermöglicht es Unternehmen des wirtschaftlichen Zentrums im PRD genauer zu betrachten.Die Geschäftsstrategien im PRD gestalten sich homogen. In der Analyse lässt sich eine starke Spezialisierung auf wenige Produktkategorien identifizieren. Auslandsfinanzierte Unternehmen verfolgen im PRD hauptsächlich eine exportorientierte Marktausrichtung, während chinesische Privatunternehmen sich stärker auf den heimischen Markt konzentrieren. Der Schwerpunkt in der funktionalen Ausrichtung beim Export liegt auf der Kontraktfertigung, während eigene Marken und Produkte auf dem chinesischen Markt eine größere Bedeutung einnehmen. Die technologische Ausstattung ist in Joint Ventures am höchsten, die zusätzlich über den größten Anteil an Entwicklungsabteilungen und Patenten verfügen. Die wichtigste Ursache industrieller Aufwertungsaktivitäten im PRD ist der steigende Wettbewerbsdruck, der am stärksten auf Joint Ventures lastet. Exportorientierte Unternehmen haben insbesondere die Reduzierung ausländischer Aufträge in der Folge der Währungs- und Finanzkrise als Anlass genommen, ihre Aufwertungsaktivitäten auszuweiten. Die Ergebnisse zeigen, dass am oberen Ende der Wertschöpfungskette mehr Aufwertungsaktivitäten durchgeführt werden, während die Bereitschaft und die Fähigkeit zur Aufwertung am unteren Ende der Wertschöpfungskette geringer ausfallen. Die empirische Untersuchung ergibt, dass Beziehungen zum chinesischen Staat für die Unternehmen eine große Bedeutung einnehmen und dabei helfen Zugriff auf finanzielle Ressourcen zu erlangen oder an staatlichen Förderprogrammen zu partizipieren. Es zeigt sich, dass chinesische Unternehmen bei diesen Beziehungen über eindeutige kulturelle Vorteile verfügen. Zusätzlich sind formale Beziehungen zur KPCh. von Vorteil, da Unternehmen durch diese geringere Hürden beim Zugriff auf unterschiedliche Finanzierungsquellen zu nehmen haben. Der Aufwertungsdruck, der durch den Staat ausgeübt wird, ist im PRD sehr hoch. Mehr als ein Drittel der Unternehmen spürt einen direkten Druck seitens der Politik, Aufwertungsaktivitäten zu forcieren. Informelle Verbindungen zum chinesischen Staat lösen diese Effekte allerdings nicht aus. Bei Unternehmen, die einen regelmäßigen Kontakt zu Repräsentanten des Staates pflegen, ist eine Erhöhung der Ausgaben für Forschung und Entwicklung zu beobachten. Ein Einfluss auf die Aufwertungsaktivitäten dieser Unternehmen lässt sich nicht feststellen.

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