Das Plattenepithelkarzinom der Mundhöhle, eine retrospektive Analyse von 215 Fällen unter besonderer Berücksichtigung der onkologischen Resultate multimodaler Therapiekonzepte sowie deren Nebenwirkungen
Hauptziel der vorliegenden Studie war es, die onkologischen Ergebnisse der Therapien von Plattenepithelkarzinomen der Mundhöhle und deren Nebenwirkungen zu analysieren und sie mit der Literatur und den Leitlinien zu vergleichen. Hierzu wurden nach Ein- und Ausschlußkriterien die Krankenakten von 215 Patienten mit primären Plattenepithelkarzinomen der Mundhöhle aus der Klinik für Hals Nasen Ohren Heilkunde des Universitätsklinikums Giessen des Zeitraums 1990 2001 retrospektiv mit einer Mindestbeobachtungszeit von 60 Monaten ausgewertet. Es erfolgten die Einteilung der Tumore in die TNM-Klassifikation, die Darstellung der Therapiemodalitäten, der Therapiennebenwirkungen und der Therapieergebnisse (anhand von Überlebenskurven) sowie deren Vergleich und Diskussion (anhand der Literatur). 44,7 % der Patienten erhielten eine alleinige operative Versorgung, 36,3 % eine Operation mit adjuvanter Radiotherapie, 10,2 % eine primäre Radiotherapie und 8,8 % eine simultane Radiochemotherapie. Im Tumorstadium I+II dominierten mit 97,3 % die operativ versorgten Patienten, im Tumorstadium III+IV nahm hingegen, wie in der Literatur beschrieben, die Bedeutung der konservativen Therapien zu. 59,5 % der Patienten entwickelten im Rahmen ihrer Mundhöhlenkarzinomtherapie Dysphagien, 47,4 % Mucositiden, 45,6 % eine Xerostomie und 43,7 % Dermatiden. Die unter den einzelnen Therapien entwickelten Nebenwirkungen zeigten sich in Quantität und Qualität literaturentsprechend in den konservativ therapierten Patientengruppen (insbesondere unter Radiochemotherapie) am stärksten ausprägt. Die nur operativ behandelten Patienten entwickelten fast keine negativen Nebenwirkungen.Die Fünf Jahres Gesamtüberlebensrate der untersuchten Patienten lag bei 53 %. Die tumorspezifische Fünf Jahres Überlebensrate belief sich unter Einschluss der Mehrfachtumore auf 65 %. Die tumorspezifische Fünf Jahres Überlebensrate lag bei geringer Primärtumorgrösse ((p)T1 = 80 %) erwartungsgemäss höher als bei hoher Primärtumorgrösse ((p)T4 = 40 %). Das gleiche gilt für die Überlebensraten der einzelnen Tumorstadien (Stadium I=87%, im Stadium IV=40 %). Der Unterschied im tumorspezifischen Fünf Jahres Überleben nach Lymphknotenstatus erwies sich mit den Werten von (p)N0 = 83 % und (p)N1-3 = 38 % als hochsignifikant unterschiedlich. Je nach Therapieform wurden tumorspezifische Fünf Jahres Überlebensrate von 80 % bei primärer OP, 65 % bei OP+RT, 14 % für RT und 34 % für die simultane RCT erreicht. Die tumorspezifische rezidivfreie Fünf-Jahres-Überlebensrate der Patienten mit primärer OP lag bei 82 %, bei OP+RT bei 69 %. Diese Ergebnisse unterschieden sich signifikant von den tumorspezifischen Überlebensraten der RT (26 %) und RCT (28 %). Der Vergleich der konservativen Therapien (RT, RCT) untereinander erbrachte trotz des meist besseren Performance-Status der radiochemotherapierten Patienten im Tumorspezifischen-rezidivfreien- (p=0,75) und im Fünf Jahres Überleben (p=0,27) keinen signifikanten Unterschied. Durch das vermehrte Ausmaß der therapiebedingten, die Lebensqualität beeinträchtigenden Nebenwirkungen erschien somit, abweichend von der Literatur, der Einsatz der simultanen Radiochemotherapie im untersuchten Patientenkollektiv bei insgesamt geringer Lebenserwartung als tendenziell nur eingeschränkt empfehlenswert. Insgesamt erzielten alle untersuchten tumoradaptierten Therapiestrategien der Klinik für Hals Nasen Ohren Heilkunde des Universitätsklinikums Giessen im internationalen Vergleich gleichgute bis bessere Ergebnisse bei vorwiegend geringerer Toxizität. Die höheren Überlebensraten sprechen für eine gute Qualität des diagnostischen und therapeutischen Konzeptes der Klinik. Als retrospektive Studie können hierbei jedoch nur Trends wiedergegeben werden.
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