In der Vergangenheit wurden Studien, welche die Bioverfügbarkeit organischer Zinkverbindungen untersuchten, überwiegend mit pharmakologisch hohen Zinkkonzentrationen durchgeführt, da hochdosiertes Zink in der Ferkelaufzucht auch als Wachstumsförderer eingesetzt werden kann. Seit dem Jahr 2004 ist der Einsatz von Zink in den Rationen landwirtschaftlicher Nutztiere jedoch auf maximal 150 mg/kg Futtermittel begrenzt. Zudem besteht die Vermutung, dass sich Unterschiede in der Bioverfügbarkeit im Bereich der suboptimalen Zinkversorgung besser nachweisen lassen. Aus diesem Grund war das Ziel der vorliegenden Arbeit ein Vergleich der Bioverfügbarkeit dreier Zinkverbindungen mit Zinksulfat als Kontrollsubstanz in einem Fütterungsversuch mit praxisnaher Ration und marginaler Zinkversorgung (70% der Versorgungsempfehlungen). Als Zinkverbindungen wurden Glycin-Zinkchelat-Hydrat (ZnGly), Methionin-Hydroxyanalog-Zink-Chelat (ZnMet), Zinkacetat-Dihydrat (ZnAc) und Zinksulfat-Heptahydrat (ZnSO4) eingesetzt.Als Versuchstiere wurden 36 männliche, kastrierte Ferkel der Endproduktkreuzung Pietrain x DAN-Zucht im Alter von 27 Tagen und mit einer durchschnittlichen Körpermasse von 6,46 ± 0,56 kg eingesetzt. Für eine Versuchsdauer von 28 Tagen wurden die Tiere in Stoffwechselkäfigen aus Edelstahl gehalten, die eine getrennte Sammlung von Kot und Urin ermöglichten. Die Tiere wurden, ihrem Ausgangs¬gewicht entsprechend, mittels Blockrandomisierung einer der vier Versuchsgruppen mit je 9 Ferkeln zugeteilt. Jede Gruppe erhielt eine Diät auf Basis von Mais und Sojaextraktions¬schrot ohne Phytasezuatz, mit einem nativen Zinkgehalt von 20,2 mg/kg, die mit 50 mg Zink /kg Diät aus einer der vier Zinkverbindungen ergänzt wurde. Die Ration wurde dreimal täglich semi ad libitum vorgelegt und die Futteraufnahme täglich erfasst. Die Tiere wurden zu Versuchsbeginn und im Anschluss daran wöchentlich gewogen. Die täglichen Zunahmen sowie die Futterverwertung wurden mit Hilfe dieser Daten errechnet. Blutproben wurden ebenfalls zu Versuchsbeginn sowie an den Versuchstagen 14 und 28 genommen. In der zweiten und vierten Versuchswoche wurden Kot und Urin für die Mineralstoffbilanzen gesammelt. Zu Versuchsende wurden die Tiere durch einen Bolzenschussapparat betäubt und durch Ausbluten getötet. Proben von Darm, Leber, Knochen und Borsten wurden unmittelbar nach der Schlachtung entnommen und auf Trockeneis gekühlt. In Futter, Kot und Urin sowie in den Organproben wurden die Zink-, Eisen- und Kupferkonzentrationen mittels Atomabsorptionsspektrometrie sowie Atom¬emissions¬spektrometrie analysiert. Im Blutplasma wurden die Zinkkonzentration, die freie Zinkbindekapazität und die Aktivität der alkalischen Phosphatase gemessen. Darüber hinaus wurde in der Leber und der Mukosa verschiedener Dünndarmabschnitte die Expression der Metallothionein-mRNA gemessen.Die Ferkel der ZnGly-Gruppe hatten in der zweiten Versuchswoche signifikant erhöhte Futteraufnahmen und tägliche Zunahmen und ab dem 14. Versuchstag eine signifikant höhere Lebendmasse im Vergleich zur ZnSO4-Vergleichsgruppe. Die Futterverwertung blieb unbeeinflusst. Die positiven Effekte des ZnGly auf die Produktionsparameter spiegeln sich jedoch in den Daten der Zink- und Mineralstoffbilanzen nicht wider. Am 14. Versuchstag zeigte die Plasma-Zinkkonzentration und am 28. Tag (Versuchsende) die freie Zinkbindungskapazität hingegen eine signifikant verbesserte Zinkversorgung der ZnMet-Gruppe im Vergleich zu ZnSO4 an. In der ersten Stoffwechselperiode gibt es keinen Einfluss der Zinkverbindung auf die Zinkbilanz. In der zweiten Stoffwechselperiode zeigte sich für die ZnMet-Gruppe eine im Vergleich zu ZnSO4 als Kontrollsubstanz signifikant verbesserte Retention von Zink und Eisen. Bei der Messung der Aktivität der alkalischen Phosphatase, sowie bei der Analyse der Zinkkonzentrationen in Leber, Knochen und Borsten ergaben sich keine signifikanten Einflüsse der verabreichten Zinkverbindung. Auch der Expression der Metallothionein-mRNA in Leber und den verschiedenen Dünndarmabschnitten zeigt keinen Einfluss der verabreichten Zinkverbindung.Die Plasma-Zinkkonzentrationen liegen am unteren Rand der Richtwerte für Ferkel. Zudem fallen sie zur Versuchsmitte hin ab. Dies macht deutlich, dass das gesteckte Ziel einer marginalen Versorgung erreicht wurde, insbesondere zur Versuchsmitte hin. Die positiven Effekte der ZnGly Gruppe waren in der Versuchsmitte ebenfalls besonders ausgeprägt, was die Vermutung bestätigt, dass sich Unterschiede in der Bioverfügbarkeit im Bereich der suboptimalen Versorgung besser darstellen lassen. Die Versuchsergebnisse lassen erkennen, dass der Einsatz von Zink-Glycinat in Situationen mit suboptimaler Zinkversorgung positive Effekte auf die Futteraufnahme und das Wachstum haben kann. Der Nachweis, dass diese positiven Effekte auch eindeutig auf einer verbesserten Zinkversorgung beruhen, konnte unter den geprüften Bedingungen jedoch nicht eindeutig erbracht werden.
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