Das Hepatitis-C-Virus (HCV) ist wie alle Viren auf zelluläre Interaktionspartner angewiesen, von denen jedoch noch nicht alle identifiziert oder näher charakterisiert sind. Um mehr zum heutigen Erkenntnisstand beizutragen und neue Therapieansätze zu entwickeln, ist die weitere Erforschung der HCV-Wirt-Interaktion unabdingbar. HCV gehört zu den membranumhüllten Flaviviridae, die ein einzelsträngiges Plus-Strang RNA-Genom besitzen. Eine Anlagerung der leberspezifischen microRNA-122 (miR-122) an mindestens fünf hoch konservierte Bindungsstellen im HCV-Genom ist von immenser Bedeutung für die Replikation, Translation und Stabilisierung der RNA. Das Virus befällt Hepatozyten, wobei die chronische Infektion oft zu Leberzirrhosen und hepatozellulären Karzinomen (HCC) führt. Obwohl es gut wirksame Medikamente gibt, ist aufgrund der hohen genetischen Varianz keine Impfung möglich. Zudem bilden sich vermehrt Resistenzen aus, und die bereits entstandenen Leberschäden sowie einige stoffwechselbedingte Änderungen in den Zellen bleiben auch nach erfolgreicher Elimination des Virus bestehen. Im Rahmen dieser Arbeit sollten zunächst die drei hoch konservierten miR-122Bindungsstellen in der NS5B-codierenden Region (5B.2 und 5B.3) und der 3´UTR (S3), welche bislang kaum beschrieben wurden, näher untersucht werden. Es zeigte sich in Mutationsstudien, dass die Anlagerung der miR-122 an die Bindungsstelle 5B.2 einen positiven Effekt auf die virale Replikation auswirkt. Die Bindung an 5B.3 wies einen schwächeren und an S3 keinen signifikanten Effekt auf. Insgesamt spielt die miR-122 eine sehr komplexe Rolle in der Regulation des HCV-Replikationszykluses. Hauptaugenmerk dieser Thesis war die Analyse des Einflusses einer HCV-Infektion auf das zelluläre Transkriptom und Translatom mit Hilfe des Ribosome Profiling. Diese Methode ermöglicht die Detektion von Veränderungen der zellulären Genexpression zu einem bestimmten Zeitpunkt. Die Ergebnisse machten deutlich, dass die virale Replikation zu keiner allumfassenden Veränderung der zellulären Genexpression führt. Nur wenige Gene waren signifikant differenziell exprimiert. Diese Gene stehen vor allem im Zusammenhang mit dem Endoplasmatischen Retikulum (ER)-Stress, der Beeinflussung von Signalwegen, der HCV-Replikation und der Karzinogenese. Transkriptionell herunter reguliert waren interessanter Weise Untereinheiten von Komplexen der mitochondrialen Atmungskette, was möglicherweise zu einer oft in Krebszellen beobachteten metabolischen Umprogrammierung (Warburg Effekt) der Hepatozyten führt.
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