Hintergrund: Die atopische Dermatitis (AD) zählt zu den psychosomatischen Erkrankungen. Sie verläuft meist chronisch-rezidivierend und hat in den letzten Jahren durch eine steigende Inzidenz auf sich aufmerksam gemacht. Die Ätiologie ist weitgehend ungeklärt, so dass man eine multifaktorielle Genese mit genetischer Prädisposition annimmt. Neben immunologischen, neurovegetativen und hautphysiologischen Störungen spielen psychische Einflüsse für die Auslösung und den Verlauf eine entscheidende Rolle. Insbesondere werden hier emotionale Belastungssituationen und Veränderungen der psychischen Befindlichkeit diskutiert, für die sich bisher trotz eingehender Forschung differente, widersprüchliche und inhomogene Untersuchungsergebnisse ergeben haben.
Ziel und Fragestellungen: Anhand von acht Probanden mit atopischer Dermatitis wird untersucht, welche psychischen Einflussfaktoren mit welcher Intensität und zeitlichen Verschiebung auf den Hautbefall und den Juckreiz der Neurodermitiker auftreten. Zudem wird ihre Vorhersagekraft bezügliche der Konkurrenz zur Autokorrelation überprüft und schließlich wird die Frage nach den reaktiv auf den Hautbefall bzw. Juckreiz auftretenden Stimmungen beantwortet. Die Fragestellungen sind vor dem Hintergrund des gegenwärtigen Forschungsstandes entwickelt worden.
Methodik: Für die systematische Untersuchung der acht Datensätze ist der Ansatz einer speziellen multivariaten Zeitreihenanalyse gewählt worden.
Mittels einem aus der Ökonometrie stammenden Verfahren werden Modelle für die Einzelpersonen gebildet, die das psychosomatisch-somatopsychische Verarbeitungsmuster der Neurodermitiker aufzeigen. Im Vordergrund stehen dabei die Berechnungen der Vektorautoregression und der Fehler-Korrektur-Modelle. Diese komplexen Methoden sind erstmals für eine solche Fragestellung unter alltäglichen Belastungen angewandt worden.
Ergebnisse: Die Studie ergibt keine eindeutigen für alle Probanden in gleicher Form und Ausmaß nachweisbaren Ergebnisse. Dennoch sind Gruppen mit gleichen psychologischen Einflüssen und/oder Folgen auf den Hautbefall bzw. Juckreiz der atopischen Dermatitis nachzuvollziehen. Die Variablen erklären in der Vektorautoregression zwischen 7% und 82% (Adj. R2) der Varianz des Hautbefalls und zwischen 4% und 75% (Adj. R2) der Varianz des Juckreizes. Mit den Fehler-Korrektur-Modellen werden im Durchschnitt 25% der Streuungen des Hautbefalls und 26% der Streuungen des Juckreizes (Adj. R2) aufgeklärt. developed against the background of the present state of research.
Insgesamt treten kurz- oder langfristig bei der Hälfte der Patienten psychosomatisch-somatopsychische Verarbeitungsmuster auf.
Diskussion: Es konnte gezeigt werden, dass individuelle Verarbeitungsmuster der Neurodermitissymptome vorliegen, es durchaus aber Gruppen mit parallelen Komponenten gibt.
Die Einzelfallanalyse der Zeitreihe kann unter nicht-experimentellen Bedingungen zeitliche Dynamiken und Zusammenhänge von psychischen und somatischen Variablen der atopischen Dermatitis evaluieren. Sie stellt einen Ansatzpunkt für die empirische Analyse von wenigen Fällen mit vielen Beobachtungstagen dar und kann Hypothesen sowohl hervorbringen als auch belegen.
Die angewandte Methodik der multivariaten Zeitreihenanalyse mittels Vektorautoregression und Fehler-Korrektur-Modell erfüllt in der vorliegenden Studie ihre Aufgabe sehr gut.
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