Wettbewerbs- und Innovationsstrategien in Chinas Mittelstand : Eine Analyse der Elektronikindustrie im Perlflussdelta

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Das südchinesische Perlflussdelta (PRD) gilt als Musterbeispiel für Chinas Integration in die globale Arbeitsteilung und die regionalwirtschaftliche Entwicklung, die daraus resultieren kann. Unter ausländischem Einfluss hat sich insbesondere in der Elektronikindustrie eine regional bedeutsame Unternehmenslandschaft entwickelt, die von exportorientierten kleinen und mittelgroßen Unternehmen (KMU) geprägt ist. Die vorliegende Arbeit setzt an der umfassenden Frage an, welche Chancen sich aus einer solchen Arbeitsteilung für die Standorte in Entwicklungs- und Schwellenländern ergeben und welche Faktoren dazu beitragen, dass sich auf dieser Basis eine nachhaltige, auf Wissen fokussierte Wachstumsstrategie entwickelt. Ihr wird auf Ebene der im PRD ansässigen KMU in chinesischem Privatbesitz aus der Elektronikbranche nachgegangen.Analysiert werden hierbei die Unterschiede im Innovationsverhalten der Unternehmen und ihrer Veränderungsbereitschaft sowie die Einflussfaktoren, mit denen sich Lernprozesse und somit der Weg zu wissensorientierten Strategien erklären lassen. Auf Basis der konzeptionellen Grundlagen werden dafür zwei Bereiche identifiziert. Einerseits sind Unternehmen einem ständigen Zufluss von extern verfügbarem Wissen ausgesetzt, der sich aus dem Umfeld und v.a. der Geschäftstätigkeit ergibt. Dieses extern verfügbare Wissen stellt sowohl eine bedeutsame Grundlage als auch einen leitenden Rahmen dar, in dem sie sich entwickeln können. Andererseits bedingt die Fähigkeit zur Aufnahme und Nutzung von neuem Wissen die Entwicklung innerhalb dieses Rahmens. Insbesondere vorhandenes Wissen und das explizite Engagement in Lernprozesse tragen zur Nutzung des sich bietenden Potentials bei. In einem Erklärungsmodell zusammengeführt wird mit diesen Themen dem theoriebezogenen Ziel vorliegender Arbeit nachgegangen: der Ableitung von Einflussfaktoren auf wissensbasierte Unternehmensstrategien und der Systematisierung bestehender Zusammenhänge. Der so entwickelte Analyserahmen orientiert sich an den Merkmalen des Unternehmenstypus, der Branche sowie der Region und berücksichtigt diese bei der Operationalisierung. Den Kern der Analyse bildet die Anwendung multivariater statistischer Modelle, insbesondere logistischer Regressionen, die durch eine Kontrastierung mit qualitativen Fällen unterstützt werden. Als Datengrundlage dient u.a. eine standardisierte Befragung von knapp 300 Unternehmen der Elektronikbranche an Standorten im PRD aus dem Jahr 2012. Damit wird dem methodischen Forschungsziel nachgekommen, verallgemeinerbare und quantifizierte Erkenntnisse über die Zusammenhänge zu gewinnen.Die Ergebnisse bestätigen die grundsätzlichen Zusammenhänge des Erklärungsmodells. Auf Seiten des potentiell verfügbaren Wissens bieten die Geschäftstätigkeit und teilweise Einflüsse aus dem Umfeld einen Rahmen für die Unternehmensentwicklung, in dem sie neues Wissen und Unterstützung erfahren. Auf Seiten der Wissensabsorption können sowohl das Vorwissen als auch das explizite Engagement in Fortschritte als Fähigkeit zur Nutzung dieses Potentials identifiziert werden. Die vorgenommene sehr differenzierte Betrachtung dabei zeigt jedoch auch die sehr unterschiedlichen Effekte im Detail. So können erstens verschiedene Geschäftsfoki fördernd und hinderlich für die Innovationstätigkeit und die Veränderungsbereitschaft der Unternehmen sein. Zweitens gilt ebenso für Vorwissen und das explizite Engagement in Fortschritte, dass sie unterschiedlich zu den Innovationszielen beitragen. Drittens wird die Bedeutung einzelner Personen deutlich, v.a. die der Unternehmer selbst. Sie sind im hierarchisch geprägten Geschäftsleben in China nicht nur die relevanten Entscheidungsträger, sondern oft mit wenigen Vertrauten die einzige Schnittstelle in Bezug auf Technologien und Marktveränderungen zwischen Umfeld und Unternehmen. Viertens können der Einfluss von formellen und informellen Kontakten inklusive dem chinatypischen guanxi in Teilen bestätigt werden. Jedoch können diese engen Verbindungen auch hinderlich sein, wenn daraus eine zu große Abhängigkeit entsteht und die eigenen Lernprozesse vernachlässigt werden.Auf Basis der Ergebnisse werden verschiedene Empfehlungen ausgesprochen. So sollte der zweifelsfreie Bedarf an hoch-qualifizierten Arbeitskräften auf Grund der erwähnten Unterschiede der Bedeutung verschiedener Wissensfelder unbedingt differenziert betrachtet werden. Zusätzlich werden Chancen und Risiken einer Exportorientierung als regionalwirtschaftliches Wachstumsmodell bestätigt. Neben der Abhängigkeit von der weltweiten Nachfrage wird deutlich, dass diese Integration in die globale Arbeitsteilung nicht mit einem Automatismus für eine regionalwirtschaftliche Entwicklung gleichzusetzen ist. Dennoch zeigt das Beispiel der Elektronikbranche im PRD, dass sich die lokalen KMU schrittweise auf wissensorientierte Strategien zubewegen und somit dem Ziel einer nachhaltigen Regionalentwicklung ein Stück näherkommen.

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