Zur Bedeutung der klinischen Brustuntersuchung und Brustselbstuntersuchung : eine experimentelle Untersuchung
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Zusammenfassung
Einleitung: Während die klinische Brustuntersuchung die Brustkrebsmortalität gering senken kann, zeigen große randomisierte Studien keinen Vorteil der Brustselbstuntersuchung. Während die BSE von vielen Organisationen weiterhin als Vorsorgeuntersuchung empfohlen wird, ist der Stellenwert der klinischen Brustuntersuchung in der klinischen Praxis unklar. Diese Untersuchung soll die Effektivität beider Methoden in einem experimentellen Aufbau überprüfen.Material und Methode: Im Rahmen von Workshops und Tagungsterminen hatten Ärzte und Patientinnen die Möglichkeit, ihre Tastfähigkeiten an einem Parcours bestehend aus 24 Silikonbrustmodellen zu überprüfen. Die Brustmodelle unterschiedlicher Größe wurden zuvor mit Tumoräquivalenten in Form von Holzkugeln mit variabler Größe (0,8 3 cm) präpariert. Fünf dieser Brustmodelle wurden nicht präpariert. Insgesamt konnten 68 Probanden in drei Gruppen eingeteilt und in die Auswertung einbezogen werden. (21 Probandinnen mit Mammakarzinom, 22 Probandinnen ohne Mammakarzinom, 25 Ärzte). 200 weitere Ärzte, die auf einer Tagung ohne Zeitdruck die Tastuntersuchung durchführen konnten, dienten in der Diskussion als Kontrollen zur Frage des Einflusses von Zeitbegrenzung bei der Tastuntersuchung . Die Tastergebnisse wurden in einer statistischen Analyse ausgewertet. Die abhängige Variable war die Anzahl der unter den vorgegebenen Versuchsbedingungen (Tastdruck max. 800 g, 20 sec Untersuchungszeit) richtig getasteten Tumoren (TQ = Trefferquote). Die unabhängigen Variablen entsprechen zum einen den einzelnen Probandengruppen und deren Einfluss auf den Tasterfolg (gruppenbezogener Einfluss). Zusätzlich galten brustmodellspezifische Merkmale (Brustgröße, Tumordurchmesser) als brustmodellspezifische unabhängige Variablen.Ergebnisse: Beim Vergleich der Gruppen untereinander zeigte sich eine signifikant schlechtere Trefferquote bei der Gruppe der Probandinnen mit Mammakarzinom, während die Gruppe der Frauen ohne Mammakarzinom ähnliche Tastergebnisse lieferten wie die Gruppe der Ärzte mit Tastdruckbeschränkung. Eine Zunahme der Trefferquote in allen Gruppen fand sich bei zunehmender Größe der Tumoräquivalente. Eine Abnahme der Trefferquote fand sich bei zunehmender Größe der Prothese.Schlussfolgerung: Dass Frauen mit Brustkrebs möglicherweise eine weniger effektive BSE durchführen als gesunde Probandinnen, ist in der Literatur bisher nicht beschrieben. Inwiefern mögliche psychologische Merkmale einen Einfluss auf den Tasterfolg haben könnten, muss in einer weiteren Studie geprüft werden. Dass insbesondere kleine Tumore (< 1 cm) signifikant seltener getastet wurden, spricht gegen die BSE und CBE als Früherkennungsmaßnahme. Unverständlicherweise wird insbesondere die BSE weiterhin von vielen Organisationen empfohlen.Verknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen
Beschreibung
Anmerkungen
Erstpublikation in
Giessen : VVB Laufersweiler
