55 Patienten, die in der Abteilung für Neuro- und Sozialpädiatrie des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin der Universität Giessen in der Zeit von 1995-2000 in Behandlung waren, gingen in die Auswertung ein. Die Einteilung der Patienten erfolgte in 4 Diagnosegruppen. 10 Patienten zeigten eine Rolando-Epilepsie, 14 Patienten komplex partielle Anfälle, 12 Patienten einfach partielle Anfälle. 19 Patienten bildeten die Kontrollgruppe.
Bei jedem Patienten wurde eine computergestützte Spektralanalyse des EEG durchgeführt. Die Ergebnisse der 55 Spektralanalysen wurden graphisch und statistisch ausgewertet. Die Auswertung erfolgte in Form von Monozentren, Doppelzentren und Arealen.
Mögliche Einflussfaktoren wie die Vorgeschichte der Patienten, die Anfallsart, Anfallsursache, das Intervall zwischen letztem Anfall und der Spektralanalyse, die Medikation, der klinische Befund und der EEG-Befund (auch im weiteren Verlauf) wurden einbezogen und in Korrelation gesetzt, zu den Ergebnissen der Power-spektren (Mono- und Doppelzentren, Areale, Hemisphärenlateralisation, Beteiligung der Temporalelektroden).
Patienten mit Rolando-Epilepsie, komplex partiellen oder einfach partiellen Anfällen, die in der Spektralanalyse des EEG ein Doppelzentrum hatten, haben ein längeres anfallsfreies Intervall geboten, als Patienten mit einem Monozentrum. D.h. Patienten, die im Verlauf ein Doppelzentrum entwickeln krampfen seltener als Patienten mit einem Monozentrum.
Patienten mit Rolando-Epilepsie, komplex partiellen Anfällen und Patienten der Kontrollgruppe, die ein Doppelzentrum boten, hatten häufiger einen unauffälligen EEG-Befund, während Patienten mit einem Monozentrum eher ein pathologisches EEG aufwiesen. Bei Patienten mit einfach partiellen Anfällen zeigte sich dieser Zusammenhang nicht.
Patienten mit Rolando-Epilepsie oder komplex partiellen Anfällen, die in der Vorgeschichte keine gravierenden Auffälligkeiten prä-, peri- oder postnatal aufwiesen, hatten häufiger ein Doppelzentrum als ein Monozentrum.
Patienten mit Rolando-Epilepsie bzw. einfach partiellen Anfällen und dem Nachweis eines Monozentrums zeigten als einzige Diagnosegruppen eine deutliche Hemisphä-renlateralisation der Zentren positiver absoluter Power (ZPP) und Areale positiver absoluter Power (APP) über der rechten Hemisphäre. Dementsprechend fanden sich mehr Zentren negativer absoluter Power und Areale negativer absoluter Power über der linken Hemisphäre.
Patienten mit komplex partiellen Anfällen, die keine antikonvulsive Therapie bekamen, entwickelten häufiger ein Doppelzentrum als ein Monozentrum.
Es fand sich der Trend, dass Patienten mit einem Monozentrum insgesamt häufiger größere Areale aufwiesen als Patienten mit einem Doppelzentrum.
In Anbetracht der oben aufgeführten Ergebnisse wäre die Untersuchung eines größeren Patientenkollektivs sicherlich sinnvoll, um die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit möglicherweise zu bestätigen.
So könnte die Durchführung der Spektralanalyse des EEG in Zukunft als unterstützende Untersuchung bei Patienten mit Epilepsie eingesetzt werden, um hilfreiche prognostische Aussagen über den Krankheitsverlauf treffen zu können.
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