Analyse der agonistischen Interaktionen bei der Gruppierung von Sauen mit oder ohne Eber

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Bei der Gruppenbildung kommt es durch die biologisch notwendige Ausbildung einer Rangordnung zu teilweise heftigen agonistischen Interaktionen (AI) zwischen den Sauen. Der Stress einer Gruppierung kann das Absterben einzelner Embryonen oder sogar den Verlust des ganzen Wurfes verursachen, was die Rentabilität der Ferkelproduktion senkt. Studien, die sich mit der Reduktion der Aggression bei der Gruppierung beschäftigt haben, ergaben, dass diese Aggressionen durch das Zusammenspiel mehrerer Faktoren beeinflusst werden können. Unklar war bislang, wie sich die Anwesenheit eines sexuell aktiven Ebers auf die Etablierung des sozialen Gefüges der Gruppe auswirkt, obwohl dieses Verfahren in der Praxis empfohlen wird. Ziel der eigenen Untersuchungen war es, das Entstehen der Rangordnung in einer achtköpfigen Sauengruppe zu analysieren und mögliche Auswirkungen eines Ebers auf die Rangkämpfe nachzuweisen.In die eigenen Untersuchungen konnten 26 Gruppen mit je 8 Sauen einbezogen werden, die in der videoüberwachten Stimu-Bucht der Lehr- und Forschungsstation Oberer Hardthof der JLU Gießen gruppiert wurden. Je Gruppe wurden 2 Aufstallungen für je 48 h analysiert. Die 1. Aufstallung erfolgte direkt nach dem Absetzen alternierend mit oder ohne Eber, die 2. Aufstallung wurde im Anschluss an den 4-wöchigen Aufenthalt im Deckzentrum durchgeführt, immer ohne Eber. Vor und nach jeder Aufstallung wurden die Tiere auf Verletzungen hin bonitiert. Bei der Auswertung wurden Angriffe und Kämpfe so notiert, dass die Rangposition (RP) jeder Sau ermittelt werden konnte. Für jede Gruppe wurden verschiedene soziometrische Kenngrößen berechnet. Die Aufzeichnungen von 12 Gruppen wurden mit dem Observer® 5.0 ausgewertet, um die Dauer sowie die "Startkonstellation" (Aggressor-Receiver) der einzelnen AI zu erfassen. Je Gruppe wurden im Mittel in den 48 h der Gruppierung 199,3 AI ausgefochten. Zu Beginn der Gruppierung war die Frequenz von AI am höchsten. Auf die soziometrischen Kenngrößen nahm die Anwesenheit des Ebers keinen Einfluss. Die Zahl der AI wurde im Wesentlichen von dem Stallklima sowie der Anzahl bekannter Dyaden beeinflusst. Auf Ebene des Einzeltiers betrachtet wurden in der 1. Aufstallung 50 AI je Sau ausgefochten, davon 10,7 % Kämpfe. Auf die Zahl der AI sowie die Häufigkeit und Schwere der Verletzungen bei den Sauen hatte die Präsenz eines Ebers keine Auswirkungen, allerdings wurde die Zahl der Kämpfe bei Anwesenheit des Ebers um etwa 40 % gesenkt. Die Zahl der AI wurde durch eine steigende Zahl bekannter Sauen signifikant gesenkt und mit ihr der Verletzungsgrad. Es zeigte sich, dass rangniedere Sauen (RN) signifikant mehr Verletzungen durch die Gruppierung erlitten als ranghohe (RH). Die RN-Sauen, die ohnehin in der Tendenz weniger lebend geborenen Ferkel (LGF) hatten, reagierten auf die Anwesenheit eines Ebers mit tendenziell schlechteren Leistungen. RH-Sauen traten in den AI, in die sie verwickelt waren, meistens als Aggressoren auf, RN-Sauen als Receiver. Kämpfe traten wesentlich häufiger zwischen rangnahen Sauen auf, Angriffe seltener. Über 60 % der Angriffe und 40 % der Kämpfe wurden von RH-Sauen gegen RN-Sauen geführt. Griffen RN-Sauen RH-Sauen an, waren das nur 2,0 % der Angriffe bzw. 18,8 % der Kämpfe, d.h. RH-Sauen beantworteten Attacken der RN-Sauen in der Regel mit einem Gegenangriff. Kämpfe dauerten mit 31,1 Sek. im Mittel etwa 10-mal so lange wie Angriffe ( = 3,0 Sek.). Fast 90 % aller Angriffe lagen im Zeitfenster bis maximal 5 Sek., nur sehr selten dauerten Angriffe länger als 30 Sek. (0,2 %). Etwa 50 % der Kämpfe hatten eine Dauer von 5 bis 30 Sek., fast 10 % dauerten länger als 1 Min. Der längste gemessene Kampf war 763,3 Sek. lang. Die Anwesenheit des Ebers konnte die mittlere Kampfdauer um 60 % reduzieren (14,9 vs. 39,6 Sek.). In den eigenen Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass ein Eber nur geringes Interesse an den Rangauseinandersetzungen der Sauen zeigt. Trotz der signifikanten Senkung der Kämpfe sowie deren mittlerer Dauer sind die Einflüsse des Ebers auf das Sozialgefüge der Sauen beschränkt. Tendenziell hatten die RN-Sauen eine schlechtere Fruchtbarkeitsleistung bei der Gruppierung unter Anwesenheit eines Ebers. Weiterhin konnte nachgewiesen werden, dass RN-Sauen durch die Gruppierung wesentlich stärker belastet werden als RH-Sauen. Offen bleibt, wie der Eber zur Reduktion der Kämpfe und Kampfdauer beigetragen hat. Das System Stimu-Bucht muss vor allem zum Schutz der RN-Sauen weiter verbessert werden.

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Erstpublikation in

Göttingen : http://www.cuvillier-verlag.de: Cuvillier; 2008 (Forschungsbericht Agrartechnik ; 467)

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