Identifikation von Resistin und Progranulin als liquorgängige Adipokine

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Die Funktion des Fettgewebes als hormonproduzierendes Organ und somit als endokrine Drüse ist ein neues und sehr komplexes Forschungsgebiet. Durch Adipokine, die vom Fettgewebe produzierten Hormone, kann das Fettgewebe mit verschiedenen Organen kommunizieren und in diverse Regelkreise des menschlichen Körpers eingreifen. Bisher konnte nur für wenige Adipokine, wie Leptin und Adiponektin, die Permeabilität der Bluthirnschranke und damit ein Indiz für die Existenz einer Fettgewebe-Gehirn-Achse nachgewiesen werden. Dem Adipokin Resistin werden proinflammatorische Eigenschaften zugewiesen und es scheint, zumindest im Mausmodell, eine wichtige Rolle in der Entwicklung einer Insulinresistenz zu spielen. Progranulin ist ein Adipokin mit vornehmlich antiinflammatorischen, wachstumsfaktorähnlichen und neuroprotektiven Effekten.In einem gut charakterisierten Kollektiv von 270 Patienten wurden in gepaarten Serum- und Liquorproben die Konzentrationen der Adipokine Resistin und Progranulin mittels ELISA bestimmt und in Zusammenhang mit anthropometrischen und laborchemischen Parametern gesetzt. Die Resistin-Konzentration im Serum war bei Frauen höher als bei Männern. Sowohl Resistin als auch Progranulin korrelierten unabhängig mit der LDL-Cholesterin-Konzentration und könnten damit neue unabhängige Risikofaktoren oder Surrogatparameter für kardiovaskuläre Ereignisse darstellen. Durch die positive Korrelation von Resistin im Serum mit verschiedenen Entzündungsparametern, wie der Leukozytenzahl oder der CRP-Konzentration, stellt Resistin einen Surrogatparameter für ein systemisches Entzündungsgeschehen dar. Beide Adipokine waren im humanen Liquor in einem breiten Konzentrationsbereich nachweisbar, wobei die Resistin-Konzentration nur bei 112 von 270 Patienten oberhalb der unteren Nachweisgrenze des verwendeten ELISAs lag. Für beide Adipokine konnten erstmals in der Literatur die entsprechenden Liquor-/ Serum-Quotienten berechnet werden als Basis für eine künftige klinische Normwert-Etablierung (Resistin: 4.4 ± 5.8x10-3, Progranulin: 16.3 ± 8.6x10-3). Die Konzentrationen beider Adipokine im Liquor stiegen mit dem Grad der Störung der Bluthirnschranke und mit der Zellzahl im Liquor an. Bei Patienten mit infektiösen ZNS-Erkrankungen war die Progranulin-Konzentration im Liquor erhöht, sodass diese einen möglichen Prädiktor für infektiöse ZNS-Erkrankungen darstellt.Basierend auf diesen Ergebnissen wurde die Regulation dieser Adipokine anhand von Zellkulturversuchen mit der murinen Zelllinie der 3T3-L1 Adipozyten und Präadipozyten weitergehend untersucht. Beide Adipokine konnten in ihrer (prä-)adipozytären Sekretion durch Sexualhormone beeinflusst werden. Die Sekretion von Resistin und Progranulin aus Adipozyten wurde durch verschiedene metabolische Faktoren, wie Glukose, freie Fettsäuren, Insulin und Inkretine, wie GLP-1 oder GIP, beeinflusst. In vitro konnte die Progranulin-Sekretion durch Stimulation mit proinflammatorischen Faktoren wie LPS, IL-6 oder TNF-a induziert werden.Die Ergebnisse der vorliegenden Studie leisten einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der lokalen, adipozytären und systemischen Funktion und Regulation der Adipokine Resistin und Progranulin und bieten die Grundlage für weiterführende Forschungsansätze einerseits im Hinblick auf die endokrine Kommunikation über die Fettgewebe-Gehirn-Achse andererseits für die Differentialdiagnose neurologischer Erkrankungen.

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