Einfluss von zur Parodontaltherapie verwendeten Substanzen auf Zellen des equinen Parodontiums

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Parodontalerkrankungen werden bei Pferden mit hoher Prävalenz vorgefunden. Ursächlich lassen sie sich in den meisten Fällen auf erweiterte Interdentalräume im Backenzahnbereich mit Einschluss von Futterpartikeln zurückführen. Im weiteren Verlauf kommt es zu hochgradigen Entzündungen des Parodontiums mit Bildung von interdentalen und parodontalen Taschen, die wiederum eine Ansammlung von Futter ermöglichen, sodass ein Teufelskreis entsteht. Als mögliche Therapiemethoden kann nach gründlicher Reinigung eine Füllung der Taschen und Zahnzwischenräume erfolgen, wodurch dem Parodontium die Möglichkeit zur Regeneration geboten wird. Hierfür sind bereits verschiedene Substanzen aus der humanen Zahnmedizin im Einsatz. Diese sind für den Gebrauch am Menschen zwar zugelassen, allerdings häufig für andere Anwendungsgebiete als die Applikation in parodontale Wundräume. Die Wirkungen dieser Substanzen auf die speziellen Zellen des equinen Parodontiums sind bisher nicht untersucht worden.Die Studie soll ein pferdespezifisches in-vitro-Modell zur Evaluierung von zytotoxischen oder proinflammatorischen Substanzeffekten der Füllmaterialien hervorbringen. Vier verschiedene zahnmedizinische Materialien unterschiedlicher Zusammensetzung wurden dafür exemplarisch verglichen. PeriCare® ist eine Paste, bestehend aus Calciumhydroxid in öliger Suspension, die speziell für die Behandlung von parodontalen Defekten zugelassen ist. Provicol® ist ein Zahnzement mit Zusatz von Calciumhydroxid, der unter anderem zur Befestigung von Kronen und Brücken verwendet wird. Calxyl® ist eine wässrige Calciumhydroxid-Suspension zur Zahnwurzelbehandlung und -füllung. Durch Bariumsulfat als Kontrastzusatz ist die Substanz röntgensichtbar. Honigum Pro/Mono ist ein Abdruckmaterial auf Silikon-Basis.Equine parodontale Fibroblasten wurden in vitro kultiviert und mit den Füllmaterialien für verschiedene Zeiträume inkubiert. Informationen über zytotoxische Effekte wurden mikroskopisch und durch MTT-Tests gewonnen. Darüber hinaus wurde mit RT-qPCR untersucht, ob und in welchem Umfang die Zellen pro- und antiinflammatorische Markergene exprimierten. Verglichen wurden die Ergebnisse mit den Expressionswerten von unbehandelten Zellen sowie von Zellen in einer, mit Lipopolysacchariden induzierten, Entzündungssituation.PeriCare® und Provicol® hatten keinen unerwünschten Einfluss auf die Vitalität und Proliferation der parodontalen Zellen. Calxyl® und Honigum führten hingegen zu unterschiedlich starken Beeinträchtigungen der Zellen. Honigum zeigte konzentrations- und zeitabhängig zytotoxische Eigenschaften. Die Viabilität der Zellen nahm ab und proinflammatorische Markergene wurden in einigen Fällen exprimiert. Calxyl® tötete einen Großteil Zellen innerhalb kurzer Zeit ab.Füllmaterialien, die in der Behandlung von parodontalen Erkrankungen Anwendung finden, sollten biokompatibel sein und im besten Falle regenerative Prozesse fördern. In unseren Versuchen konnten wir eine realitätsnahe Situation schaffen um den Einfluss verschiedener Substanzen auf equine parodontale Zellen zu testen. Allerdings konnte das gesamte, komplexe Zusammenspiel verschiedener Zellentypen und zahnmedizinischer Materialien, sowie der Einfluss von Bakterien, bei in-vitro-Versuchen nicht vollständig wiedergegeben werden. Somit lässt sich ohne die Ergebnisse klinischer Studien nicht sagen, ob negative Effekte, wie sie bei Honigum und Calxyl® gesehen wurden, auch in vivo auftreten. In der Pferdezahnmedizin finden Substanzen Verwendung, die im Humanbereich zwar zugelassen sind, häufig jedoch für ein anderes Anwendungsgebiet. Unsere Ergebnisse verdeutlichen die Relevanz, diese Substanzen zunächst auf ihre Verträglichkeit gegenüber Pferdezellen zu testen um negative Effekte zu vermeiden. PeriCare® und Provicol® scheinen ohne Einschränkungen im equinen Parodontium verwendbar zu sein, während bei Honigum und Calxyl® Vorsicht geboten ist. Es wird empfohlen, Substanzen, die in vitro eine hohe Biokompatibilität aufweisen, in klinischen Studien zu testen.

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