Adhäsionsmolekülen wird eine entscheidende Rolle in der Tumormetastasierung zugeschrie-ben. Besonders für den Hyaluronrezeptor CD44 und seine Isoformen liegen diesbezüglich widersprüchliche Ergebnisse vor. Die vorliegende Arbeit hat daher die potentielle Bedeutung dieser Gruppe von zellulären Adhäsionsmolekülen an einem großen Mammakarzinomkollektiv untersucht. Dazu wurden zunächst geeignete Antikörper und immunhistochemische Protokolle geprüft, die eine erfolgreiche Verarbeitung von paraffinasserviertem Material zuließen. In Zusammenarbeit mit der Frauenklinik des Universitätsklinikums Gießen (PD Dr. K. Münstedt) wurden 255 invasive Mammakarzinome untersucht, von denen in 79 Fällen Primärtumor und Lymphknotenmetastasen, in 159 nur der nodal-negative Tumor und in 17 Fällen nur Lymphknotenmetastasen als Gewebe zur Verfügung stand. Zu allen Fällen lagen Verlaufsbeobachtungen von bis zu 13 Jahren vor, die klassischen Prognosefaktoren waren entweder vollständig vorhanden oder aber für diese Arbeit neu erhoben worden. Die Immunhistologie mit CD44 - Antikörpern wurde mit der sensitiven APAAP Technik systematisch durchgeführt, und die membranständigen immunreaktiven Signale durch semiquantitativen Auswertungsschemata erfasst. Die statistische Auswertung erfolgte mittels etablierter Verfahren (SPSS ), wobei wesentliche klinische, histologische und pathologische Faktoren mit berücksichtigt wurden. Als Zeichen der Repräsentativität des untersuchten Kollektivs zeigten sich alle klassischen Prognosefaktoren in Übereinstimmung mit der gängigen Literatur. Für CD44 und seine Isoformen konnte jeweils eine hohe Interkorrelation untereinander sowie mit der Standardform nachgewiesen werden, wobei letzteres aufgrund der molekularen CD44 - Struktur zu erwarten war. Dagegen zeigten sich nur einzelne Korrelationen zwischen der Expression von CD44 - Isoformen und prognostischen Faktoren, z.B. eine inverse Korrelation zwischen CD44v3 und v6 im Primärtumor und der Tumorgröße, eine erhöhte Expression von CD44v6 in der Postmenopause sowie in besser differenzierten Tumoren. War in Lymphkno-tenmetastasen die Expression von CD44 - Isoformen erhalten, bestand ein niedriges Tumor-stadium, ein positiver Hormonrezeptorstatus sowie ein längeres rezidivfreies Überleben. Zu dem Proliferationsmarker MIB 1 bestand eine inverse Korrelation. Im Gegensatz zu Daten anderer konnte damit eine Korrelation von CD44 zu ungünstigem Krankheitsverlauf auch in einem großen und lang nachbeobachtetem Patientenkollektiv nicht nachgewiesen werden. Ebenso konnte die eigene Arbeit CD44 und die analysierten Isoformen nicht als unabhängige prognostische Faktoren aufzeigen. Stattdessen zeigte sich Korrelation v.a. von CD44v6 zu Faktoren, die mit einer günstigeren Prognose einhergehen. Diese Korrelation wird umso deutlicher je konstanter CD44 in der Tumorprogression erhalten bleibt. Damit erscheinen CD44 und seine Isoformen weniger als prognostischer, sondern eher als ergänzende Differenzierungsmarker. Die Ergebnisse stehen damit in gutem Einklang mit Befunden, die die eigene Forschungsgruppe bereits an benignen Tumoren und in situ Karzinomen der Mamma erhoben hatte. Sicher muss die Auffassung revidiert werden, dass CD44 ein zentrales Molekül der Tumorgenese oder Tumorausbreitung ist, wie nach initialen Versuchen am Rattenmodell angenommen. Weitere Grundlagenforschung zu CD44 und seinen Varianten ist notwendig, um die Bedeutung dieses interessanten Moleküls in gesunden Geweben und seine tatsächliche Rolle in der Tumorbiologie zu klären.
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