Ziel dieser Arbeit war es, die Einstellung von Patienten, Ärzten und Therapeuten zum Thema Krankheit, Alter und drohendem Tod bei Ärzten/Therapeuten zu untersuchen. Es kann angenommen werden, dass sowohl eine unterschiedliche Einstellung zu dieser Thematik als auch eine Erkrankung selbst bis hin zu drohendem Tod einen Einfluss auf das Arzt-/Therapeuten-Patientenverhältnis haben könnte. Dennoch wurde diese Thematik bisher nicht systematisch wissenschaftlich untersucht.
Die Datenerfassung erfolgte durch einen neu konzipierten Fragebogen und zwei weiteren, bereits erprobten Testverfahren (HADS und Hautzuf). Zur grundsätzlichen Reduzierung des Untersuchungsumfanges wurden als Teilnehmer (gesamt n= 138) Hautpatienten (n= 59), Hautärzte (n= 54) und Psychotherapeuten (n= 25) ausgewählt. Die Beschränkung auf diese drei Gruppen erfolgte, um den Untersuchungsumfang eingrenzen zu können. Die statistische Auswertung erfolgte mit Hilfe des Chi2-Test, der einfaktoriellen Varianzanalyse mit Scheffé und Tamhane Anschlusstests, Häufigkeitsverteilungen, Pearson Korrelation und t-Test.
Bei der Auswertung der Fragebögen zeigten sich signifikante Unterschiede bezüglich der Einstellung der Teilnehmer zur Thematik dieser Arbeit. Hautpatienten wollten beispielsweise eher über eine eingeschränkte Lebenserwartung ihres Hautarztes informiert werden als Hautärzte und Psychotherapeuten. Bezüglich Angst und Ekel vor Hauterkrankungen wurde deutlich, dass Hautpatienten und Psychotherapeuten deutlich mehr Angst hatten, sich an Hauterkrankungen anzustecken und sich häufiger vor Herpes labialis bei anderen Menschen ekelten als Hautärzte.
Auch übereinstimmende Ansichten der Teilnehmer konnten festgestellt werden, denn gegenüber chronisch körperlich erkrankten Therapeuten vertraten die Teilnehmer die Meinung, dass Patienten mit chronischer Hauterkrankung von selbstbetroffenen Behandlern besser verstanden werden als von gesunden Therapeuten. Des Weiteren zeigte sich auch eine überraschende Toleranz im Sinne einer Befürwortung bezüglich der Ausbildung körperlich Behinderter zum Hautarzt und Psychotherapeuten. Ebenso wurde deutlich, dass ernsthaft erkrankten Hautärzten und Psychotherapeuten zugestanden wurde, weiterzuarbeiten.
Wir möchten schlussfolgern, dass auch aus den Ergebnissen dieser Arbeit keine allgemein gültigen Anweisungen für erkrankte Behandler gezogen werden können und somit eine individuell unterschiedliche Handhabung von chronischen, ernsthaften Erkrankungen einschließlich psychischer Störungen und Abhängigkeitserkrankungen oder dem zunehmendem Burnout-Syndrom (Bergner 1996) bei Ärzten und Psychotherapeuten notwendig ist. In weiteren Arbeiten wäre es sinnvoll, genauer Auswirkungen und Belastungen unterschiedlicher, definierter Erkrankungen auf das Arzt-/Therapeuten-Patientenverhältnis zu untersuchen. Zukünftige Untersuchungen könnten außerdem verschiedene Coping-Strategien bei Erkrankungen von Ärzten und Psychotherapeuten und deren Auswirkungen und ggf. Belastungen auf das Arzt-/Therapeuten-Patientenverhältnis zum Ziel haben. Diese Fragestellungen haben jedoch zunächst einen offeneren Umgang und eine vermehrte Auseinandersetzung mit Erkrankung, drohendem Tod, Alter von Ärzten und Psychotherapeuten und anderen häufig schamhaften Themen bei den Betroffenen zur Voraussetzung.
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