Management der Antikoagulation während des kardiopulmonalen Bypasses bei Patienten mit einer Heparin-induzierten Thrombozytopenie

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In der vorliegenden retrospektiven Studie wurden zwei Verfahren der Antikoagulation während herzchirurgischer Operationen mit kardiopulmonalem Bypass bei Patienten mit Heparin-induzierter Thrombozytopenie Typ II (HIT) einander gegenübergestellt und untersucht. Acht HIT-Patienten der Heparin-Gruppe erhielten intraoperativ kurz-zeitig Heparin; prä- und postoperativ war eine Heparinexposition streng vermieden worden. Sechzehn Patienten der Hirudin-Gruppe erhielten intraoperativ Hirudin. Es wurde untersucht, ob bei Patienten mit einer HIT, die während des kardiopulmonalen Bypasses eine Heparinantikoagulation erhalten hatten, thromboembolische Kompli-kationen auftraten und ob im postoperativen Verlauf ein Abfall der Thrombozytenzahl auf unter 50 % des Ausgangswertes erfolgte. Außerdem wurden beide Patienten-gruppen auf intra- und postoperative Blutungskomplikationen untersucht. In einer Zusatz-Gruppe erfolgte die Diagnose HIT erst postoperativ, so daß während und nach dem herzchirurgischen Eingriff mit Heparin antikoaguliert wurde. Die kurzzeitige Heparinexposition bei HIT-Patienten ohne nachweislichen Antikörper-titer während des kardiopulmonalen Bypasses führte bei keinem Patienten der Hepa-rin-Gruppe zu thromboembolische Komplikationen. Eine prä- und postoperative He-parinantikoagulation sollte jedoch strengstens vermieden werden. Die alternative Antikoagulation mit Hirudin hingegen, für das kein Antidot zur Verfügung steht und das problematisch in der Steuerung ist, führte in über der Hälfte der untersuchten Fälle zu schweren Blutungen (zwölf von sechzehn Patienten intraoperativ und zehn Patienten postoperativ). Im Gegensatz zur Antikoagulation mit Hirudin hatte die kurz-zeitige Heparinexposition während des kardiopulmonalen Bypasses bei HIT-Patienten ohne nachweislichen Antikörpertiter ein eindeutig geringeres Komplikati-onsrisiko und sollte bei möglichen Eingriffen bei Patienten mit Verdacht auf eine HIT in Betracht gezogen werden. Da in dieser Studie nur ein kleines spezielles Patientenkollektiv untersucht wurde, können keine allgemeinen Aussagen zu einem Antikoagulationsregime bei Patienten mit einer HIT während eines chirurgischen Eingriffes gemacht werden. Um eine all-gemeine Richtlinie festzusetzen, sind prospektive randomisierte Studien mit höheren Fallzahlen notwendig. In der Zusatz-Gruppe, in der die Diagnose HIT erst postoperativ erfolgte, wurde wäh-rend und nach dem herzchirurgischen Eingriff mit Heparin antikoaguliert. In dieser Gruppe ergaben sich in vier von neun Fällen thromboembolische Komplikationen. Die Zusatz-Gruppe macht die schwerwiegenden Folgen einer HIT deutlich und un-terstreicht die Notwendigkeit, vor einem geplanten Eingriff eine detaillierte Anamnese hinsichtlich der letzten Antikoagulationstherapie bei vorhergehenden Eingriffen vor-zunehmen, um allergische Reaktionen rechtzeitig zu erkennen. Die Thrombozyten-zahl sollte grundsätzlich bei Heparinisierung und chirurgischen Eingriffen sowohl prä- als auch postoperativ in regelmäßigen und kurzen Abständen kontrolliert werden, um einen Abfall der Thrombozytenzahl rechtzeitig zu erkennen.

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