Prospektive Studie zur Evaluation der transossären Dekompression, einer neuen Methode der Behandlung von Halsbandscheibenvorfällen ohne Bandscheibenersatz oder Segmentversteifung
In einer prospektiven Untersuchung wurden über einen Zweijahreszeitraum alle Patienten, die sich einem neuen, an der Klinik für Orthopädie und Wirbelsäulenchirurgie der Zentralklinik Bad Berka GmbH entwickelten Verfahren der ventralen transossären Wurzeldekompression ohne Fusion der Halswirbelsäule unterzogen, nachuntersucht.Das Neue dieser Operationsmethode besteht in dem völlig anderen Zugang zum Bandscheibenvorfall. Anders als bei der herkömmlichen Technik des "Wegs des geringeren Widerstandes" durch die Weichteile des Zwischenwirbelraumes wird ein Weg durch den Wirbelkörper mittels eines Hohlbohrers gelegt. Dadurch kann verhindert werden, dass bradytrophes Gewebe der Bandscheibe aus Zugangsgründen iatrogen reseziert werden muß. Im Gegensatz zu Bandscheibengewebe, welches ohne eigene Blutversorgung ist, und deshalb wenig bis gar keine Heilungstendenz hat, kann Knochen ad integrum heilen. Das Ziel dieser Arbeit ist, ob der wesentliche Mehraufwand und die theoretische Gefahr des transossären Weges durch bessere Behandlungsergebnisse gerechtfertigt werden.Bei der Patientenuntersuchung, präoperativ mit Scorevergleich, postoperativ während des stationären Aufenthalts und durch ambulante Kontrollen sowie Röntgenkontrollen und mit Hilfe eines standardisierten Fragebogens, eines zusätzlichen Scores, wurde eine Analyse des neurologischen Outcomes vorgenommen und der subjektive Zufriedenheitsgrad der operierten Patienten bestimmt. Ausschlusskriterien waren unvollständig beantwortete Fragebögen und nicht zur Kontrolle erschienene Patienten sowie nicht auswertbare Röntgenbilder.
Die operativen Ergebnisse wurden mit Angaben aus der Literatur verglichen und analysiert.In die vorliegende Arbeit wurden 30 Patienten einbezogen. Es handelt sich dabei um 13 Männer (43,3 %) und 17 (56,6 %) Frauen. Das Durchschnittsalter zum Zeitpunkt der Operation betrug 46.4 Jahre. In 25 Fällen (83,3%) bestanden Nackenbeschwerden, in 28 Fällen (93,3 %) radikuläre Symptome und in 10 Fällen (33,3 %) eine Myelonkompression in Form von Handfunktionsstörungen, in 3 Fällen (10 %) Schwindelgefühl und in einem Fall (3,3 %) Schluckbeschwerden.
Bei 27 Patienten (90 %) erfolgte eine monosegmentale Versorgung, 3 Patienten (10 %) unterzogen sich einer bisegmentalen Operation.Die meistbetroffenste Operationsetage war die Etage C6/7 bei 15 Patienten (50%), gefolgt von der Etage C5/6 bei 9 Patienten (30%).Der postoperative Verlauf war bei 27 Patienten (90%) zufriedenstellend, bei 2 Patienten (6,7 %) verblieben leichte Beschwerden, ein Patient (3,3 %) gab erneut auftretende Beschwerden nach primärer Linderung an und bei keinem Patienten kam es zur Verschlechterung der präoperativ bestandenen Beschwerden.Nur ein Patient (3,33 %) wurde in derselben OP-Etage nach einem Monat reoperiert wegen eines Rezidiv-Bandscheibenvorfalls in derselben Etage mit Wiederkehr der Symptome. Ein Patient (3,33 %) wurde in einer anderen Etage operiert wegen eines dort erneute aufgetretenen Bandscheibenvorfalls.
Die gravierendste intraoperative Komplikation war eine Arteria-vertebralis-Verletzung bei einem Patienten (3,33 %), nach sofortiger Ligatur traten postoperativ keine Ausfälle auf. In keinem Fall war im postoperativen Verlauf eine Wundheilungsstörung oder eine Discitis aufgetreten.Es wurde durch diese Arbeit herausgestellt, dass sich mit dieser Operationsmethode gute und sehr gute klinische Operationsergebnisse erzielen lassen. Es konnte gezeigt werden, dass es dabei nicht zu einer Veränderung der segmentalen Beweglichkeit kommt, weder durch Fusion noch durch Instabilität. Zusätzlich wird die Komorbidität durch die Beckenkammspanentnahme vermieden, sowie durch den unkomplizierten postoperativen Verlauf durch Verkleinerung des Operationszuganges die Dauer des Krankenhausaufenthaltes und der Kosten verringert.Damit halten wir die OP-Methode für ein gutes und richtungsweisendes minimalinvasives Verfahren, welches die Potenz für eine breite Anwendung in der Wirbelsäulenchirurgie hat.
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