Appetitive Konditionierung gilt als wichtiges Modell für die Entstehung und Behandlung psychischer Störungen wie Suchterkrankungen. Akuter Stress und chronischer Stress, die als zentrale Risikofaktoren für die Entwicklung psychischer Störungen gelten, beeinflusst emotionale Lernvorgänge. Der Einfluss auf appetitive Konditionierung und seine neuronalen Korrelate ist jedoch beim Menschen bislang kaum untersucht. Die neuronalen Korrelate des Modells für die Behandlung, das appetitive Extinktionslernen, sind beim Menschen zuvor gar nicht untersucht worden. In der vorliegenden Dissertation wurden der Einfluss von akutem Stress auf appetitive Konditionierung, die Interaktion von chronischem und akutem Stress bei der Modulation appetitiver Konditionierung, sowie die neuronalen Korrelate appetitiven Extinktionslernens beim Menschen untersucht.Dafür nahmen 56 gesunde männliche Probanden an einem zweitägigen Konditionierungsparadigma teil. Zuvor nahm eine Hälfte der Probanden (n=27) am Trier Social Stress Test (TSST) zur Induktion von akutem Stress teil, während die andere Hälfte (n=29) als Kontrollgruppe am Placebo-TSST teilnahm, der ähnliche Aufgaben beinhaltet wie der TSST ohne akuten Stress zu induzieren. Danach fand die Akquisition appetitiver Konditionierung im MRT statt. Die Probanden lernten, dass eine schnelle Reaktion auf einen Zielreiz nach der Darbietung eines neutralen Reizes (CS+) zu einem Geldgewinn (UCS) führte. Unabhängig von der Reaktionszeit konnte nach der Darbietung eines zweiten neutralen Reizes (CS-) hingegen nie Geld gewonnen werden. Dabei wurde fMRT, Hautleitfähigkeit (EDA) und die Reaktionszeiten aufgezeichnet, sowie die zunächst neutralen Stimuli CS+ und CS- vor und nach der Akquisition hinsichtlich Valenz, Arousal und UCS-Erwartung bewertet. Abschließend wurde eine Haarprobe entnommen anhand der die kumulative Cortisolausschüttung (HCC) der letzten 2 Monate als möglicher Marker für chronischen Stress bestimmt wurde. Nach 24 h nahmen die Probanden an einer Extinktion statt. Hier wurden nach gleichem Prozedere die Reize erneut präsentiert aber unabhängig von der Reaktionsgeschwindigkeit konnte weder nach dem CS+ noch nach dem CS- Geld gewonnen werden. Nach der Extinktion wurden die Stimuli erneut auf den gleichen Skalen wie zuvor bewertet.In Bezug auf die erste Fragestellung nach dem Einfluss von akutem Stress auf die Akquisition appetitiver Konditionierung, zeigte sich eine Übergeneralisierung der Konditionierung vom CS+ auf den CS-. Während Probanden der Kontrollgruppe über die Zeit hinweg langsamer auf Zielreize nach einem CS- reagierten, erhielten die Probanden der Stressgruppe vergleichbare Reaktionen auf den CS- über die Zeit aufrecht. Gleichzeitig zeigte die Stressgruppe reduzierte differenzielle BOLD-Antworten im Kontrast CS+ - CS-, in der Amygdala, im orbitofrontalen Kortex (OFC) und ventralen anterioren zingulären Kortex (vACC), sowie gegen Ende des Experiments auch im Hippocampus und Nucleus Caudatus. Gleichzeitig zeigte eine Konnektivitätsanalyse in der Stressgruppe vergleichsweise höhere Kopplung zwischen dem Hippocampus und dem OFC, der Amygdala, dem vACC und dem dorsalen ACC. Das Netzwerk aus OFC, vACC und Hippocampus wurde dabei in früheren Studien in Zusammenhang gebracht mit der Aufrechterhaltung der Spezifität der Konditionierung des CS+. In Bezug auf die zweite Fragestellung nach der Interaktion von akutem Stress und HCC, zeigt sich ein modulierender Effekt von akutem Stress auf den Zusammenhang zwischen HCC und differenzieller Konditionierung. In der Stressgruppe fand sich ein signifikant positiverer Zusammenhang zwischen HCC und differenziellen konditionierten Reaktionen in der EDA. Dies ging Hand in Hand mit signifikant positiveren Korrelationen zwischen HCC und dem BOLD-Kontrast im fMRT in vACC und Nucleus Caudatus in der frühen Phase der Akquisition, sowie dACC und OFC in der späten Phase der Akquisition. Die Ergebnisse deuten auf stärkere konditionierte Reaktionen hin, wenn Passung zwischen dem akuten Stressstatus und kumulativer Cortisolsekretion besteht.In Bezug auf die dritte Fragestellung nach neuronalen Korrelaten appetitiver Extinktion wurden diese erstmals im Menschen untersucht. Hier wurde die Kontrollgruppe untersucht und zunächst erfolgreiche Extinktion appetitiver Konditionierung in der EDA gezeigt. Auf neuronaler Ebene wurden in der frühen Phase der Extinktion eine differentielle BOLD-Antwort (CS+ - CS-) im Nucleus Caudatus, dem dACC und dem vACC gefunden. Korrelationsanalysen mit den CS+ Ratings zeigten einen Zusammenhang der Höhe der dACC Aktivierung mit stabilem Belohnungsabruf und reduzierter Extinktion, während die Höhe der vACC Aktivierung mit erfolgreichem Extinktionslernen assoziiert war. In der späten Phase der Extinktion wurde bilaterale Aktivierung der Amygdala und des Nucleus Accumbens (NAcc) gezeigt, wobei insbesondere Aktivierung im NAcc mit erfolgreicher Extinktion subjektiver Ratings assoziiert war.
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