Die Altlastenproblematik steht seit vielen Jahren im Fokus der Umweltpolitik. Große Industriestandorte wie der Industriepark in Frankfurt Höchst (IPH) sind auf Grund ihrer langjährigen Nutzung hotspots für Altlasten. Ein entscheidender Aspekt für die Wirkung von Sanierungsoptionen ist Kenntnis der Mobilität von Schadstoffen im Boden. Diese Mobilität hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. So bestimmen insbesondere die Form in der der Schadstoff im Boden vorliegt und Bodeneigenschaften, wie der Anteil der organischen Bodenbestandteile, den Verbleib der Schadstoffe in der Umwelt. Chlorbenzole kommen nicht natürlich in der Umwelt vor, sondern sind antrophogen über Produktions-, Transport- oder Deponierungsprozesse in die Umwelt eingetragen worden. Sie werden seit über 100 Jahren industriell erzeugt und finden sich in allen Teilen der Umwelt wieder.Auf dem IPH nehmen Chlorbenzolverbindungen einen großen Teil der jährlichen über Sanierungsbrunnen geförderten Schadstofflast ein. Um das Transportverhalten von Chlorbenzolen besser abschätzen zu können, sollte dieses durch Freilandstudien auf dem IPH und Laborversuche untersucht werden. Zielsetzungen waren (1) durch Bohrkampagnen, Grundwasseruntersuchungen und Pumpversuche den Schadstoffursprung der Grundwasserbelastung mit Monochlorbenzol im Nordosten des Industrieparks zu ermitteln, (2) den Stofftransport der ermittelten Schadstoffe in Laborversuchen zu untersuchen und (3) mittels der generierten und ausgewerteten Daten Aussagen zum Sanierungserfolg und mögliche unterstützender Sanierungsverfahren zum pump&treat-Verfahren zu treffen.Die Ergebnisse der Freilanduntersuchungen auf dem IPH führten zu einer Eingrenzung des vermuteten hotspots der Chlorbenzolbelastung des Untergrundes auf ein kleines Areal von etwa 2400 m². Weiterhin konnte festgestellt werden, dass während des Schadstofftransportes in Richtung des Mains keine wesentliche Sorption am Boden stattfindet. In den Laborversuchen konnten mittels Sorptions- und Desorptionsstudien gezeigt werden, dass innerhalb einer kurzen Zeit eine vollständige Lösung der Schadstoffe im Wasser stattfindet oder stattgefunden haben muss. Auf Grundlage der gewonnen Erkenntnisse konnte keine zusätzliche Sanierungsmaßnahme zum pump&treat-Verfahren empfohlen werden. Eine Grundwasserentnahme im Bereich des ermittelten hotspots könnte die derzeitige Sanierungsmaßnahme in Bezug auf Chlorbenzole jedoch beschleunigen.
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