Kontrollierte klinische Studie über die Auswirkungen einer Pyloroplastik auf Krankheitsverlauf und Heilungsrate bei Kühen mit Labmagen-Blättermagendrehung
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Zusammenfassung
In einer kontrollierten klinischen Studie an Kühen mit Labmagen- und Blättermagendrehung wurde geprüft, ob der Heilungsverlauf durch eine Pyloroplastik nach Heinecke-Mikulicz günstig beeinflusst werden kann. Material und Methodik In diese Studie einbezogen wurden 60 Kühe der Rasse Deutsche Holsteins (48 schwarzbunte, 12 rotbunte) im Alter von 2,3 bis 8 Jahren (x = 4,6 Jahre). Einschlusskriterium war eine intraoperativ bestätigte Verlagerung des Labmagens nach rechts mit Drehung, unter Einbeziehung des Blättermagens, jeweils um mindestens 180°. Ausschlusskriterien waren Festliegen und / oder eine generalisierte Peritonitis. Nach Aufnahme in die Studie wurde der jeweilige Patient auf die Versuchsgruppe (Pyloroplastik nach Heinecke-Mikulicz; 30 Tiere) oder auf die Kontrollgruppe (keine Pyloroplastik; 30 Tiere) randomisiert. Abgesehen von der Pyloroplastik erhielten beide Gruppen die selbe Behandlung: Laparotomie von rechts, Reposition von Labmagen und Blättermagen sowie Omentopexie nach Dirksen. Während der Operation wurden 100 ml MastipentÒ, Fa. Merial (500 mg Ampicillin und 500 ml Cloxacillin / ml) in die Bachhöhle instilliert. Zusätzlich erhielten die Patienten 5 Tage lang jeweils 30.000 I.E. Procain-Penicillin / kg KM subkutan. Am Einlieferungstag wurden des weiteren 20 Liter einer 0,9 %igen Kochsalzlösung als i.v. -Dauertropfinfusion sowie 40 ml VitaSelenÒ, Fa. Selectavet (entspr. 6 g a-Tocopherolacetat und 66,8 mg Natriumselenit) s. c. und 20 ml FinadyneÒ i.v, Fa. Essex (entspr. 1,66 g Flunixin Meglumin) i.v. verabreicht. Die ersten 7 Tage nach der Operation standen die Patienten unter stationärer Beobachtung. Für die Beurteilung des Behandlungserfolges wurden täglich folgende Kriterien erfasst: Kotmenge, Pansenfüllung und Umfang des Abdomens. Zusätzlich wurden 24 Stunden, 48 Stunden und 7 Tage p. op. die Chlorid- und NEFA-Konzentration im Serum und die venösen Blutgaswerte (pH-Wert, Bikarbonatgehalt, Base Excess) bestimmt. Darüber hinaus wurde der Chloridgehalt im Pansensaft präoperativ und am 7. Tag p. op. gemessen. Drei Monate nach Entlassung der Patienten aus der Klinik wurden die Besitzer telefonisch über die weitere Entwicklung und den Verbleib der Probanden befragt. Die statistische Auswertung erfolgte mittels des Chi-Quadrat- und des Wilcoxon-Tests sowie der zweifaktoriellen Varianzanalyse (ANOVA) mit Messwiederholung bezüglich der Faktoren Gruppe und Messzeitpunkt. Ergebnisse Heilungsraten: Alle 30 Kühe der Kontrollgruppe sowie 28 der 30 Patienten aus der Versuchsgruppe konnten in die Auswertung einbezogen werden. Bei einem Tier der Versuchsgruppe war es nicht möglich, eine Pyloroplastik anzulegen, das andere Tier musste wegen eines Traumas euthanasiert werden. Aus der Versuchsgruppe konnten 22 Tiere (davon 17 Tiere als klinisch geheilt, 5 weitere als gebessert) zur weiteren Beobachtung in den Herkunftsbetrieb entlassen werden. In der Kontrollgruppe wurden 25 Tiere entlassen (21 als klinisch geheilt, 4 als gebessert). Der Unterschied zwischen beiden Gruppen ist nicht signifikant. Drei Monate nach Entlassung befanden sich noch 15 Tiere aus der Versuchsgruppe (53,6 %) und 17 Tiere aus der Kontrollgruppe (56,7 %) im Bestand und wurden normal genutzt. Von den 7 bzw. 8 Abgängen nach Entlassung aus der Klinik waren in der Versuchsgruppe 2 und in der Kontrollgruppe 3 nach Angaben der Besitzer auf andere Ursachen zurückführen (Fertilitätsstörung, Mastitis, Klauenprobleme). Bei allen noch während des Klinikaufenthaltes verendeten oder euthanasierten Tiere (Versuchsgruppe 6 Kühe, Kontrollgruppe 5 Kühe) fanden sich bei der Sektion hochgradige Labmagenveränderungen (Ulzera, Wandnekrosen). Entwicklung der klinischen und klinisch-chemischen Befunde: Weder hinsichtlich der Entwicklung der klinischen Befunde noch hinsichtlich der ausgewerteten Laborparameter ergaben sich zwischen beiden Gruppen signifikante Unterschiede. Schlussfolgerung Offensichtlich lassen sich die bei einem Teil der Kühe als Folge eines Labmagenvolvulus auftretenden Passagestörungen durch Erweiterung des Labmagenausgangs mittels Pyloroplastik nach Heinecke-Mikulicz nicht reduzieren. Somit kann diese relativ aufwendige Operation derzeit nicht als routinemäßige Maßnahme zur Prophylaxe solcher Komplikationen empfohlen werdenVerknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen
Beschreibung
Anmerkungen
Erstpublikation in
Giessen : VVB Laufersweiler 2007
