Bei Patienten, bei denen durch einen chronischen Reflux oder durch eine Essstörung in Kombination mit regelmäßigem Erbrechen häufig Magensäure in die Mundhöhle gelangt, können zum Teil sehr ausgeprägte erosive Zahnhartsubstanzverluste festgestellt werden. Im Schmelz, der zum größten Teil aus mineralischen Anteilen besteht, kann hierfür die Erosivität der Salzsäure des Magens verantwortlich gemacht werden. Im Dentin allerdings sind Erosionsvorgänge durch den deutlich höheren organischen Anteil wesentlich komplexer. Verschiedene Autoren haben die Wirkung einer durch Säure exponierten Dentinmatrix als Diffusionsbarriere für Säuren beschrieben. Dentinerosionen schreiten nach enzymatischer Degradation dieser Barriere wesentlich schneller voran. In den genannten Patientengruppen gelangt neben der Magensäure auch Pepsin, ein Enzym, das Kollagen in zahlreichen Geweben degradieren kann, in die Mundhöhle. Es ist durchaus denkbar, dass das Pepsin der Magensäure in der Lage ist, die Dentinmatrix zu degradieren und so Dentinerosion zu beschleunigen. Dies könnte eine Erklärung für die teilweise schweren Erosionen im Dentin bei Patienten mit Erosionen endogener Herkunft sein. Ziel dieser In-vitro-Studie war es deshalb, den Einfluss von Pepsin auf die organische Dentinmatrix und die daraus resultierende Progression von Dentinerosionen zu untersuchen.Aus noch nicht in die Mundhöhle durchgebrochenen Weisheitszähnen wurden insgesamt 100 longitudinale Zahnschnitte mit einer Dicke von 750 µm hergestellt. Alle Proben entstammten dem koronalen Dentin. Die Proben wurden in eine Kontrollgruppe (Demineralisation in 8 ml HCl-Lösung pro Probe; pH 1,6) und drei Pepsin-HCl-Gruppen (1 ml (P-HCl-1), 4 ml (P-HCl-4) und 8 ml (P-HCl-8) Pepsin-HCl-Lösung pro Probe; pH 1,6; 750 µg/ml Pepsin) verteilt. Jede Gruppe enthielt 25 Proben. Die Proben wurden zyklisch de- und remineralisiert. Die Demineralisation der Proben aller Gruppen erfolgte 6-mal täglich für 5 Minuten in der entsprechenden Versuchslösung mit der entsprechenden Menge. Die Proben wurden zwischen den einzelnen Zyklen für mindestens eine Stunde in einer Remineralisationslösung gelagert. Der Mineralverlust der Proben wurde nach jedem Versuchstag mit der longitudinalen Mikroradiographie bestimmt. In den Pepsinlösungen der P-HCl-4-Gruppe wurde der Kollagengehalt mit der Hydroxyprolinanalyse täglich gemessen. Zusätzlich wurden rasterelektronenmikroskopische Aufnahmen von Bruchpräparaten von Proben angefertigt, die mit der Pepsin-HCl-Lösung beziehungsweise mit der HCl-Lösung behandelt worden sind.Am Ende des letzten Versuchstages konnte kein signifikanter Unterschied im Mineralverlust zwischen den Gruppen festgestellt werden (Kontrollgruppe: 133,0±35,3 µm, P-HCl-1-Gruppe: 87,9±21,7 µm, P-HCl-4-Gruppe: 142,0±22,5 µm, P-HCl-8-Gruppe: 128,7±66,0 µm; alle Vergleiche n.s.). Lediglich in der Initialphase der Studie war eine schnellere Progression in den Pepsin-HCl-Gruppen zu verzeichnen, die mit ansteigendem Lösungsvolumen zunahm. Der Mineralverlust nach dem ersten Tag betrug in der Kontrollgruppe 27,9±24,7 µm, in der P-HCl-1-Gruppe 33,4±17,1 µm (n.s. im Vergleich zur Kontrollgruppe), in der P-HCl-4-Gruppe 42,2±19,5 µm (n.s. im Vergleich zur P-HCl-1-Gruppe und zur Kontrollgruppe) und in der P-HCl-8-Gruppe 53,1±25,1 µm, (p=0,01 im Vergleich zur Kontrollgruppe und zur P-HCl-1-Gruppe, n.s. im Vergleich zur P-HCl-4-Gruppe). Die Konzentrationen von Hydroxyprolin nahmen von Tag zu Tag ab, jedoch war der Unterschied zwischen den Hydroxyprolinkonzentrationen des ersten und des letzten Versuchstages statistisch signifikant (Reduzierung von Tag 1 zu Tag 5 um 1005±1280 ng, p=0,05). Rasterelektronenmikroskopisch konnte eine strukturelle Veränderung der Dentinmatrix der mit der Pepsin-HCl-Lösung behandelten Proben im Vergleich zu den mit der HCl-Lösung behandelten Proben festgestellt werden. Die organischen Anteile der mit der Pepsin-HCl-Lösung behandelten Proben waren nur teilweise entfernt worden und waren noch in beträchtlicher Menge auf den Oberflächen vorhanden. Sie erschienen aber insgesamt dichter und weniger strukturiert als bei den Proben der mit der HCl-Lösung behandelten Proben.Die Ergebnisse der Hydroxyprolinanalyse zeiegn, dass Kollagen zwar abgebaut wird, doch zeigen die mikroradiographischen Untersuchungen, dass die Progression von Dentinerosionen unter den genannten Bedingungen in vitro durch Pepsin nicht signifikant beschleunigt wird. Eine mögliche Erklärung dafür ist die unvollständige Degradation der Matrix durch Pepsin.
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