Der Einfluß verschiedener intravenöser Anästhetika auf die Chemotaxis menschlicher Monozyten in vitro
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Zusammenfassung
Seit über einhundert Jahren ist bekannt, daß verschiedene Anästhetika in der Lage sind, die körpereigenen Abwehrkräfte herabzusetzen. Eine der ersten Verteidigungsreihen bei der Abwehr eingedrungener Mikroorganismen stellen die Monozyten dar. Sie bilden zusammen mit den von ihnen abstammenden Makrophagen das Mononucleäre-Phagozytische-System. Eine Schlüsselfunktion der Monozyten ist dabei die Chemotaxis, welche die Zellen befähigt, sich selbstständig und zielgerichtet zu infizierten Gewebsanteilen fortzubewegen. In der vorliegenden Studie wurde der Einfluß folgender intravenöser Anästhetika auf die Chemotaxis menschlicher Blutmonozyten in vitro untersucht: Barbiturate: -Thiopental -Methohexital Imidazolderivate: -Etomidat Phenzyklidinderivate: -Ketamin Benzodiazepine: -Flunitrazepam -Midazolam Butyrophenone: -Droperidol Opioide: -Fentanyl Alkylphenolderivate: -Propofol Die Bestimmung der Chemotaxis von Monozyten wurde nach der von Martinet et al. (78) beschriebenen Methode mit geringfügiger Modifikation durchgeführt. Aus dem Blut gesunder Probanden wurden Monozyten isoliert. In einer Micro-Chemotaxiskammer mit 48 Meßplätzen wurde die Chemotaxis dieser Zellen durch ein Polycarbonatfilter mit 5 µm Porengröße ermittelt. Als chemotaktisch aktiver Lockstoff diente N-Formyl-methionylleucyl-phenylalanin. Von jedem Anästhetikum wurden drei verschiedene Konzentrationen in jeweils 10 Versuchen untersucht. Die mittlere Konzentration entsprach jeweils der, welche unmittelbar nach i.v.-Applikation der anästhesiologisch üblichen Dosis im Blutserum auftritt. Die hohe und niedrige Konzentration waren jeweils um den Faktor 10größer bzw. kleiner. Die Inkubationszeit der Monozyten mit dem Anästhetikum betrug 90 min. In dieser Studie hatten die Barbiturate Thiopental und Methohexital keinen relevanten Effekt auf die Chemotaxis von Monozyten. Beide Medikamente enthielten in ihrer kommerziellen Darreichungsform Natriumcarbonat. Niedrige Konzentrationen (0,09 µg ml-1) dieses Reagenz inhibierten die Chemotaxis signifikant. Bei Etomidat, Propofol sowie demHilfsstoff Intralipid konnte keine signifikante Beeinflussung der Chemotaxis von Monozyten gezeigt werden. Ketamin supprimierte bei klinisch relevanten Konzentrationen die Monozytenchemotaxis. Die Versuche zeigten ferner, daß der Konservierungstoff Benzethoniumchlorid selbst einen inhibierenden Effekt auf die Chemotaxtis hatte. Dies kann eine wesentliche Rolle bei unseren Versuchen gespielt haben. In unserer Untersuchung konnte bei eineranästhesiologisch relevanten Dosis von Midazolam (0.975 µg ml-1) eine signifikante Hemmung der Chemotaxis beobachtet werden. Es wurde gezeigt, daß Flunitrazepam keinen Einfluß auf die Chemotaxis von Monozyten hatte. Das Handelspräparat, welches wir testeten, enthielt Benzylalkohol und Ethylalkohol als Hilfsstoffe. Während sich bei Ethylalkohol keine Veränderung der Chemotaxis zeigte, konnte bei Benzylalkohol eine signifikante Suppression bei niedriger Konzentrationbeobachtet werden. Es zeigte sich, daß Fentanyl keinen statistisch relevanten Effekt auf die Chemotaxis von Monozyten hatte. Eine signifikante Suppression der Chemotaxis durch Droperidol zeigte sich in klinisch relevanten Konzentrationen. Somit sind Ketamin, Midazolam und Droperidol möglicherweise in der Lage, perioperative Infektionen zu begünstigen. Ein endgültiger Beweis ist jedoch nur durch eine klinische Studie möglich.Verknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen
Beschreibung
Anmerkungen
Erstpublikation in
Wettenberg : VVB Laufersweiler 2005
